Bayern 1


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Kaffeeduft Als das Erschnüffeln von Kaffee ein Beruf war

Im 18. Jahrhundert gab es Berufe, die uns heute ungläubig dreinblicken lassen. Da wurde Kaffee erschnüffelt und Perücken inspiziert. Eine weitere unglaubliche Geschichte - hier nachhören.

Stand: 07.05.2019

Eine Frau riecht intensiv an ihrem Kaffee. | Bild: mauritius-images/ BR Montage

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen gemütlich zu Hause bei einer Tasse Kaffee. Da steht plötzlich die Polizei vor der Tür und hat bohrende Fragen an Sie: "Was ist das für ein Kaffee, den Sie da trinken? Woher haben Sie den…? Und haben Sie die Bohnen vielleicht unerlaubterweise selbst geröstet…?"
In Berlin zu Zeiten des Preußenkönigs Friedrich des Großen konnte einem das passieren. Kaffee war damals ein Luxusgut und auf Schmuggel standen hohe Strafen.

Besteuerung des Kaffeehandels durch Friedrich den Großen

Friedrich der Große war in mancher Hinsicht ein aufgeklärter Herrscher. Aber um seine Militärausgaben zu decken, griff auch er zu altbewährten Mitteln: Neue Steuern mussten her, zum Beispiel auf Kaffee. Das Heißgetränk der Türken hatte längst seinen Siegeszug durch Europa angetreten und war im 18. Jahrhundert auch in Deutschland in aller Munde.

Kaffeeschmuggel im 18. Jahrhundert

Friedrich erließ ein staatliches Monopol auf Kaffee und belegte den Handel mit horrenden Steuern. Das Volk reagierte mit Schmuggel und bewies dabei eine Menge Fantasie: Kaffeebohnen wurden in Kohlesäcken und Bierfässern versteckt, man band sie sich unter der Kleidung in Beuteln um den Leib und verstaute die Bohnen notfalls sogar in Särgen unter den Leichen.

Kaffeeriecher sollten Schmuggler entlarven

"Die Kaffeeriecher" - Holzstich nach L. Katzenstein

1781 wurde es dem König zu bunt: Er ließ mehrere hundert Kriegsveteranen anwerben und schickte sie auf die Jagd nach Schmugglern. Diese sogenannten Kaffeeriecher durchsuchten Fußgänger in den Straßen Berlins, schnüffelten in den Taschen der Damen und drangen in Bürgerhäuser ein – immer auf der Suche nach heimlich gebranntem Kaffee.

Erst mit dem Tod des Alten Fritz endeten auch die Schikanen für Kaffeetrinker. Friedrichs Nachfolger schafften die Kaffeeriecher wieder ab – und das staatliche Monopol gleicht mit.

Das Ende von Kaffeeriechern und Perückeninspektoren

Auch ein anderer Berufsstand war damals zur Freude der Untertanen bereits wieder verschwunden: der Perückeninspektor. Er riss den Menschen gerne mal auf offener Straße die Perücke vom Kopf, um anhand des Etiketts zu prüfen, ob der darunter befindliche Passant überhaupt eine Genehmigung hatte, in der Öffentlichkeit eine Perücke zu tragen.


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