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Johanni Tag Warum endet an Johanni die Spargelzeit?

Kennen Sie noch alte Johanni-Bräuche? Was es mit dem 24. Juni auf sich hat und warum Johanni gefeiert wird - von Gärtnern, Naturfreunden und vor allem von Romantikern.

Stand: 03.05.2022

Johannistag | Bild: mauritius-images

"Stich' den Spargel nie nach Johanni" holpert der Reim einer alte Bauernweisheit. Und manch einer von uns kennt von seinen Eltern oder Großeltern sogar noch die Tradition der Johannikränze, die zum Johannistag am 24. Juni gebunden werden. Was steckt dahinter?

Welche Bedeutung hat der Johannistag?

Der Johannistag am 24. Juni ist das traditionelle christliche Mitsommerfest. Er feiert die Geburt von Johannes dem Täufer, der im Christentum als letzter wichtiger Prophet vor Jesus Christus verehrt wird - und zwar genau sechs Monate vor Weihnachten, der Geburt Jesu. Johanni, wie der Tag oft auch genannt wird, markiert im Jahreslauf den Höhepunkt des Sommers, zu dem die Natur in voller Kraft und Saft steht und die Erntezeit beginnt - und zugleich den Zeitpunkt, ab dem die Tage allmählich wieder kürzer werden.

Welche Bräuche gibt es zum Johannistag?

Auch heute noch wird der Johanni-Tag auf viele verschiedene Weisen gefeiert, oft auch vermischt mit heidnischen Sonnwendbräuchen, die alle rund um die kalendarische Sommersonnenwende am 21. Juni angesiedelt sind. Dazu gehört etwa der Johannikranz - aus sieben oder neun Kräutern geflochten - der über der Tür oder dem Fenster aufgehängt böse Geister und Dämonen fernhalten sollte oder aber auch unter Kopfkissen gelegt Glück in der Liebe bewahren bzw. stärken soll. Traditionell findet sich darin natürlich das angeblich böse Geister abwehrende Johannikraut, aber auch Melisse, Schafgarbe, Kamille und Königskerze, Rainfarn und Salbei.

Rund um den Johannitag am 24. Juni gehen die Glühwürmchen aka Johannikäfer mit ihren Leuchten auf Partnersuche.

Ganz besonders aktiv sind in den Nächten rund um den Johannitag die Glühwürmchen - mit Zweitnamen übrigens Johannikäfer - die in Wiesen, Gebüschen und an Waldrändern auf Partnersuche gehen und angeblich in der Johanninacht sogar am hellsten leuchten. Es kann sich also lohnen, in dieser Nacht mit einer Decke, einer Flasche Rotwein und dem Liebsten an der Hand einen romantischen Abend in der Natur zu verbringen.

Johannifeuer oder Sonnwendfeuer

In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni werden vielerorts Feuer entzündet, die traditionell Licht bringen sollten in die Tage, die jetzt dann wieder kürzer werden. Wer sich traut, springt über das Feuer - das soll Gesundheit und Segen bringen. Hält sich ein Paar dabei an den Händen, kündigt das eine baldige Hochzeit an. Die Asche des Johannifeuers wurde früher als Segen auf die Felder ausgebracht.

Im Alpenland sieht man in der Nacht zum 24. Juni an vielen Orten Johannifeuer auf den Gipfel und Flanken der Berge, mit denen der längste Tag und die kürzeste Nacht gefeiert werden.

Tier- und Vögelschützer bitten übrigens dringend darum, die Holzhaufen für die Johannifeuer möglichst kurzfristig aufzuschichten bzw. sie kurz vor dem 21. Juni noch einmal umzusetzen, denn: Viele Tiere wie Igel, Eidechsen und Insekten und Vögel wie Rotkehlchen, Zaunkönig und Heckenbraunelle ziehen gerne in diese Totholzhaufen ein - und verbrennen dann jämmerlich, wenn sie nicht rechtzeitig "entmietet" worden sind.

Darum ist Johanni ein wichtiger Stichtag für Gärtner und Bauern

Für alle Gärtner und Bauern markiert der Johannistag am 24. Juni einen wichtigen Wendepunkt im Jahr.

Johanni - ein wichtiger "Los-Tag" im Bauernkalender

Der Johanni-Tag gehört wie die Eisheiligen oder die Schafskälte zu den sogenannten "Los-Tagen" im Bauernkalender: Sie sollen anzeigen, wie sich das Wetter in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt. Für Johanni heißt es etwa: "Regnet's am Johannistag, regnet es danach noch 14 Tag."

Im Garten und auf dem Feld beginnt jetzt die Erntesaison, und dafür ist gutes Wetter wichtig - wie auch eine Bauernregel sagt: "Bleibt es an Johanni trocken und warm, macht das den Bauern nicht arm." Doch werden die Tage jetzt auch langsam wieder kürzer, und dadurch nimmt auch das Pflanzenwachstum allmählich ab: "Bis an Johannis wird gepflanzt - das Datum du dir merken kannst" erinnert eine andere Johanni-Bauernregel daher daran, die Pflanzen für die Herbsternte rechtzeitig in die Erde zu bringen.

Nach Johanni ist es auch Zeit für vorsichtige Schnittmaßnahmen bei den Obstbäumen, die im Unterschied zum Winterschnitt das Wachstum eher bremsen. Junge, steil aufragende Triebe, die sogenannten "Wasserschosser" können sie jetzt noch ganz einfach mit der Hand abreißen - und dadurch auch gleich noch die schlafenden Augen entfernen, so dass kein weiterer Austrieb erfolgt.

Warum darf Spargel nur bis zum 24. Juni gestochen werden?

Für andere Pflanzen geht die Erntezeit mit Johanni zu Ende, wie auch heute noch traditionell für den Rhabarber (Wie erntet man Rhabarber richtig?) und den Spargel - daher auch der Name "Spargel-Silvester" für den 24. Juni. So haben die Pflanzen bis zum Ende der Vegetationszeit im Herbst genug Zeit, um sich zu erholen und genug Nährstoffe für den Austrieb im nächsten Frühjahr einzulagern. 

Was Johanni mit der Schafskälte zu tun hat

Der Johanni-Tag markiert im Bauernkalender das Ende der Schafskälte. Dieser Kälteeinbruch tritt in Deutschland meist zwischen dem 4. und 20. Juni auf. Kurz nach Johanni, am 27. Juni, ist übrigens Siebenschläfertag: Die Bauernregel, die bis heute noch gilt.


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