Bayern 1 - Experten-Tipps


26

Zahlen Fakten zum Fleischkonsum

Die Schnitzelfrage erregt die Gemüter: Ob jemand Fleisch isst oder nicht, ob Bio-Pute oder Billig-Burger, wird oft zu einer Frage der Weltanschauung. Höchste Zeit für ein paar Fakten zum Fleischkonsum.

Stand: 09.11.2020

Fleischtheke | Bild: Adobe Stock

Fleisch kann ein wertvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein. Es enthält eine Menge Eiweiß, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe wie Eisen, Zink und Selen. Der menschliche Körper kann diese Nährstoffe aus dem Fleisch gut aufnehmen und verwerten.

Trotzdem gilt: Auf täglichen Fleischkonsum sollte verzichtet werden. Ernährungswissenschaftler empfehlen, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche. Aber auch wer völlig auf Fleisch oder Fisch verzichtet, kann sich gesund ernähren - falls auf eine ausgewogene vegetarische Kost geachtet wird.

Fleischkonsum in Deutschland

Doch wie viel Fleisch wird tatsächlich konsumiert? Häufig werden die Zahlen zur Fleischproduktion mit den Zahlen zum tatsächlichen Fleischkonsum verwechselt. Der Fleischkonsum ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland weitgehend konstant und pendelt um die 60 Kilogramm pro Kopf pro Jahr. Das bedeutet, dass jeder in Deutschland durchschnittlich täglich 160 - 170 g pro Tag an Fleisch konsumiert, also deutlich mehr als die Ernährungswissenschaftler empfehlen.

Die Nationale Verzehrsstudie II von 2008

Die Nationale Verzehrsstudie II von 2008 kam zu etwas niedrigeren Ergebnissen. In der Untersuchung, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz an das Max Rubner-Institut in Auftrag gegeben wurde, wurden zwischen November 2005 und Januar 2007 knapp 20.000 Personen in Deutschland im Alter zwischen 14 und 80 Jahren befragt. Danach aß jeder Mann täglich 156 Gramm Fleisch, Wurst oder sonstige Fleischprodukte. Das waren deutlich mehr als die maximal empfohlenen 600 Gramm wöchentlich. Frauen hingegen verspeisten im Durchschnitt mehr als die Hälfte davon, nämlich 84 Gramm pro Woche und hielten die obere Grenze der Empfehlungen gerade so ein. Sonstige tierische Proteine aus Fisch, Eiern und Milch wurden nicht berücksichtigt. Hochgerechnet auf das Jahr ergab das einen Fleischkonsum von über 44 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Der Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung von 2013

Im Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung von 2013 sind Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel zusammengetragen: Er weist für das Jahr 2013 einen Fleischkonsum von rund 60 kg Fleisch pro Kopf und Jahr aus - wobei die Hälfte auf Wurstwaren und Schinken entfällt. Das beliebteste Fleisch kommt vom Schwein mit 38,1 Kilogramm pro Kopf, danach folgen Geflügel (11,6 kg), Rind (8,9 kg), Schaf- und Ziegenfleisch (0,6) und andere Fleischarten mit 1 Kilogramm.

Die Einstellung zum Fleisch ändert sich

Grundsätzlich nimmt der Fleischkonsum in Deutschland tendenziell eher ein wenig ab - vor allem, was das Schweinefleisch angeht. Dazu mögen Gammelfleischskandale und das zunehmende Bewusstsein der Bürger fürs Tierwohl beigetragen haben.

Fleischkonsum - eine Belastung für die Umwelt

Für die Umwelt ist die weltweite Tierhaltung eine Belastung. Denn daraus resultieren auch ein Teil der schädlichen Treibhausgase. Circa ein Drittel aller weltweit zur Verfügung stehenden Landflächen werden für die Tierhaltung genutzt (Acker- und Weideland), was die Tierhaltung zum größten Landnutzer macht. Etwa 30 Prozent der globalen Ackerfläche werden für die Futtermittelproduktion benötigt, so der World Wide Fund For Nature (WWF).

Fleischproduktion in Deutschland

2013 lag die Fleischproduktion (nicht zu verwechseln mit dem Fleischkonsum) in Deutschland laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bei rund 86 Kilogramm pro Kopf im Jahr. Zu der Fleischproduktion zählen auch Tierfutter, Fleischabfälle, weggeworfene Fleischreste etc.

 Fleischkonsum weltweit

Die intensive Nutztierhaltung bedeutet, dass auch die Treibhausgase, die bei der Viehzucht entstehen, und der Verbrauch von natürlichen Ressourcen und Trinkwasser weiter ansteigen wird - zu Lasten von Klima und Umwelt. Trotz dieser Probleme weitet sich die Tierhaltung weltweit aus. Zum einen wächst die Weltbevölkerung, zum anderen verändert sich das Ernährungsverhalten durch den wachsenden Wohlstand in vielen Schwellen- und Entwicklungs­ländern. So weist DESTATIS auf Quellenbasis von FAO aus, dass seit 1990 der jährliche Fleischverbrauch pro Kopf weltweit um knapp 30 Prozent gestiegen ist. Bis 2013 stieg der durchschnittliche Jahreskonsum von 33 auf 43 Kilogramm. Dabei variiert der Fleischkonsum extrem. In den drei bevölkerungsreichsten Staaten, die zusammen gut 40 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, wird unterschiedlich konsumiert. In Indien ist der Fleischkonsum mit nicht mal 4 Kilogramm pro Kopf sehr gering - ganz im Gegensatz zu China, wo Konsumenten im Jahr über 60 Kilogramm Fleisch verbrauchen. Spitzenreiter sind jedoch die Vereinigten Staaten mit durchschnittlich 115 Kilogramm.

Die weltweite Fleischproduktion

Verbreitung von Zoonosen

Die zunehmend konzentrierte Nutztierhaltung und der wachsende internationale Handel mit Fleischprodukten begünstigt die Verbreitung von Tierkrankheiten, die auf den Menschen überspringen.


26