Bayern 1 - Experten-Tipps


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Sauber, rein und bio? Ist Biowaschmittel umweltfreundlich?

Wäsche waschen belastet die Umwelt, doch mit schmutziger Kleidung rumlaufen ist keine Alternative. Können wir mit Biowaschmittel die Umwelt schützen? Der Bayern 1-Umweltkommissar ermittelt.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 10.04.2013

Illustration: Der Umweltkommissar neben einer Waschmaschine auf der ein normales und ein Bio-Waschmittel stehen | Bild: BR/Susanne Baur, Creativ Collection

Jeder Deutsche verbraucht jährlich fast acht Kilogramm Waschmittel, alle deutschen Haushalte kommen zusammen auf 640.000 Tonnen, hat der Rat für nachhaltige Entwicklung ausgerechnet.

Alle Waschmittel belasten das Abwasser mit Chemikalien, denn die Mittel enthalten eine Fülle an verschiedenen Stoffgruppen: Tenside lösen den Schmutz, haben aber eine ökotoxikolische Wirkung. Sie müssen laut gesetzlicher Vorgaben leicht biologisch abbaubar sein. Außerdem enhalten Waschmittel Enthärter, Bleichmittel, Phosphate, optische Aufheller, Enzyme, Stabilistatoren, Duft-, Farb-, Füll- und Konservierungsstoffe sowie Vergrauungsinhibitoren. Sie verhindern, dass sich der Schmutz aus dem Waschwasser wieder an der Wäsche festsetzt.

Inhaltsstoffe schwer abbaubar

Einige dieser Inhaltsstoffe sind nur schwer biologisch abbaubar. Optische Aufheller, Phosphate und Vergrauungsinhibitoren können im Klärwerk nicht vollständig abgebaut werden. Es besteht deshalb die potentielle Gefahr, dass sich diese Stoffe in der Umwelt anreichern.

Ebenfalls zu den schwer abbaubaren Inhaltsstoffen können bestimmte Duftstoffe oder ätherische Öle gehören. Polycyclische Moschusverbindungen sind ein Beispiel für problematische Dufstoffe, die in Waschmitteln teilweise enthalten sind. Dabei handelt es sich um eine synthetische Substanz, die über das Abwasser in die Gewässer gelangen und sich nachweislich in Fischen anreichern, sagt Marcus Gast, der Waschmittelfachmann vom Umweltbundesamt.

Angesichts dieser Tatsachen scheint es naheliegend, auf Bio-Waschmittel umzusteigen. Allerdings gibt es keine feste Definition, wann sich ein Waschmittel Bio- oder Ökowaschmittel nennen darf. "Bio" bedeutet nicht automatisch "Umweltfreundlichkeit". "Bio" sagt bei Waschmitteln nicht über die Chemikalienmenge aus, sondern nur etwas über die Herkunft der Rohstoffe.

Ökolabel

Umweltzeichen Euroblume

Die EU-Umweltblume garantiert, dass ein Waschmittel bestimmte Umweltkriterien erfüllt - auch wenn es sich nicht ausdrücklich Biowaschmittel nennt.

Berücksichtigt werden zum Beispiel die Dosierungsanforderung, die Toxizität (Giftigkeit) der Inhaltsstoffe gegenüber Wasserorganismen, die biologische Abbaubarkeit von organischen Stoffen sowie Verpackungsanforderungen und die Waschleistung.  

Wichtig ist beim Waschmittel nicht nur, was ins Abwasser kommt. Es muss viel mehr der gesamte Lebensweg eines Waschmittels betrachtet werden - von der Herstellung der Inhaltsstoffe, über den Transport und die Nutzung bis zur Entsorgung. Man muss sich fragen, welche Rohstoffe verbraucht werden, wie die Verpackung beschaffen ist und wie der Transport verläuft. Kompaktwaschmittel brauchen zum Beispiel weniger Verpackung und damit weniger Platz beim Transport, was wiederum den CO2-Ausstoß des Transporters verringert.

Waschmittelarten

Es gibt verschiedene Arten von Waschmittel. Jedes hat seine Vor- und Nachteile.

  • Hochkonzentrierte Waschmittel (Superkompaktate) können niedrig dosiert werden und sie enthalten weniger Zusatzstoffe. Pro Waschgang gelangen weniger Chemikalien ins Abwasser als bei klassischen Großpackungen. Deshalb sind sie eine geringere Belastung für das Abwasser. Außerdem wird weniger Verpackungsmaterial verbraucht, was Platz spart und den Transport erleichtert. Der Energieaufwand bei der Herstellung ist ebenfalls niedriger.
  • Biowaschmittel: Es gibt keine festgelegten Anforderungen für diese Bezeichnung. Sie enthalten oft weniger Duft- und Farbstoffe und optische Aufheller und setzen auf nachwachsende Rohstoffe. Allerdings muss das nicht unbedingt besser für die Umwelt besser sein. Hier sind zum Beispiel die Anbaubedingungen ausschlaggebend. Der Hinweis "nachwachsender Rohstoff" sagt zudem nichts über die Giftigkeit der Stoffe für Wasserorganismen und über die biologische Abbaubarkeit in Gewässern aus. Ein Beispiel für diese Problematik ist das Orangenschalenöl: "Das ist ein nachwachsender Rohstoff, der in Gewässern schlecht biologisch abbaubar ist und stark giftig für Wasserorganismen ist", sagt Markus Gast vom Umweltbundesamt. Öko-Test hat bei zwei untersuchten Produkten den hohen Gehalt an ätherischem Öl bemängelt. Waschmittelinhaltstoffe dürfen nicht nur in Bezug auf ihre Herkunft bewertet werden, wichtig ist immer die Abbaubarkeit und die Giftigkeit.
  • Flüssigwaschmittel: Laut Markus Gast vom Umweltbundesamt belasten sie in der Regel das Abwasser stärker. Flüssigwaschmittel wird in Plastikbehältern angeboten, deshalb kann der Verpackungsaufwand erheblich sein.
  • Waschmittel im Baukastensystem: Sie sind sehr sinnvoll in Gegenden mit weichem Wasser, dann ist praktisch kein Wasserenthärter notwendig. In Gebieten mit mittelhartem oder hartem Wasser relativieren sich die Vorteile des Baukastensystems.
  • Waschnüsse: Durch die Nachfrage in Europa sind die Preise in den Herkunftsländern in Asien, wo sie traditionell zum Waschen genutzt werden, geradezu explodiert.

Dosierung

Wichtig ist die richtige Dosierung

  • in Bezug auf den Verschmutzungsgrad: Je geringer die Verschmutzung ist, desto weniger Waschmittel ist notwendig.
  • in Bezug auf die Menge an Wäsche, die gewaschen werden muss: Je weniger Wäsche in der Waschtrommel ist oder hineinpasst, desto weniger Waschmittel wird benötigt.
  • in Bezug auf die Wasserhärte: Je weicher das Wasser ist, desto weniger Waschmittel wird benötigt.

Fazit

Letztlich entscheidet der Verbraucher über die Umweltverträglichkeit – sowohl Biowaschmittel als auch moderne Kompaktwaschmittel sind eine gute Wahl.

"Der wichtigste Grundsatz ist, dass der Verwender eines Waschmittels eigentlich am größten Rad trägt, wenn man die Ökobilanz betrachtet. Die sparsame richtige Verwendung eines Waschmittels hat eine viel größere Auswirkung auf die Ökobilanz als die Produktionsschritte und auch die Herstellung der Rohstoffe für das Waschmittel."

Bernd Glassl, Leiter des Bereichs Haushaltspflege beim Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (Mitglied im Forum Waschen)


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