Bayern 1 - Experten-Tipps


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Waschen mit Waschnüssen Wie sinnvoll sind Bio-Waschmittel?

Waschnüsse, Waschkastanien & Co: Welche Waschmittel sind wirklich umweltfreundlich und nachhaltig? Der BAYERN 1 Umweltkommissar ermittelt.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 23.07.2019

Wäsche | Bild: mauritius-images

Bessere Waschleistung, gleicher Verbrauch

Manchmal hält die Werbung auch, was sie verspricht. Gerade im Bereich der Waschmittelentwicklung hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. In der Regel sind heutige Waschmittel etwa doppelt so ergiebig wie noch vor 20 Jahren.  Der Verbrauch hat allerdings leider nicht in gleichem Maß abgenommen. Im Schnitt verbrauchen die deutschen Haushalte etwa 630.000 Tonnen Waschmittel pro Jahr. Das sind runtergerechnet laut Umweltbundesamt (UBA) pro Kopf fast acht Kilogramm Pulver, Gel oder Pearls.

Eigentlich würde für die Wäsche im privaten Haushalt die Dosierung für leicht oder normal verschmutzte Wäsche genügen, aber leider dosieren wir meist über. Auch weil wir den jeweiligen Härtegrad unseres Wassers gar nicht kennen. Der lässt sich in der Regel beim Wasserversorger erfragen oder auf der jeweiligen Website nachlesen.

Es gibt kein umweltfreundliches Waschmittel

Alle Waschmittel belasten das Abwasser mit Chemikalien. Daran führt kein Weg vorbei. Waschmittel enthalten eine Fülle verschiedener Stoffgruppen, wie beispielsweise:

  • Tenside. Lösen den Schmutz ab, haben eine ökotoxikologische Wirkung und müssen laut gesetzlicher Vorgaben leicht biologisch abbaubar sein.
  • Enthärter, Bleichmittel, Phosphonate, optische Aufheller, Enzyme, Vergrauungsinhibitoren. Sollen verhindern, dass sich der Schmutz wieder an der Wäsche ansetzt.
  • Stabilisatoren, Duftstoffe, Farbstoffe, Füllstoffe, KonservierungsstoffeVielleicht die problematischsten Inhaltsstoffe. So sind etwa eben jene optischen Aufheller sowie Phosphonate und auch Vergrauungsinhibitoren nur schwer biologisch abbaubar und können in den Klärwerken oft nicht vollständig abgebaut werden. Deshalb besteht die Gefahr, dass diese Stoffe sich in der Umwelt anreichern.

Aber auch natürliche Duftstoffe wie auch ätherische Öle (Allergieauslöser) können zu den schwer abbaubaren Inhaltsstoffen gehören. Das muss jeweils im Einzelfall geprüft werden. Ein Beispiel für einen problematischen Duftstoff sind die polycyclischen Moschusverbindungen (eine synthetische Substanz), die auch teilweise in Waschmitteln enthalten sind. Sie gelangen über das Abwasser in die Gewässer und reichern sich nachweislich in Fischen an, so Marcus Gast, Waschmittelfachmann des Umweltbundesamts.

Prinzipiell ist aber im deutschen Waschmittelgesetz klar geregelt, dass eingesetzte Tenside leicht und schnell biologisch abbaubar sein müssen. Zuckertenside bieten daher keinen entscheidenden Vorteil.

Pulver oder Flüssigwaschmittel - was ist ökologischer?

Bei Rotwein müssen Flüssigwaschmittel passen...

Viele Leute schwören auf Flüssigwaschmittel, weil es keine weißen Rückstände auf der Wäsche hinterlässt. Das liegt daran, dass es meist keine Wasserenthärter oder Bleichmittel enthält – anders als Waschpulver. Außerdem lässt es sich unkompliziert dosieren und ist in handlichen Mengen erhältlich.

In anderen Punkten kann Flüssigwaschmittel mit normalem Waschpulver aber nicht mithalten: Es erzielt nicht die gleiche Waschleistung. In der Regel braucht man größere Mengen an Waschmittel, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Auch lassen sich Obst-, Kaffee- und Rotweinflecken zum Beispiel viel schwieriger entfernen. Außerdem haben Flüssigwaschmittel einen höheren Tensid-Gehalt. Dadurch gelangen mehr Schadstoffe pro Waschgang in den Wasserkreislauf. Kläranlagen können Tenside, Phosphate, Duftstoffe und weitere schädliche Zusätze nämlich nicht gut herausfiltern und leiten sie in die Gewässer weiter. Die meisten dieser Inhaltsstoffe sind außerdem nur schwer biologisch abbaubar.

Sind Flüssigwaschmittel ökologisch sinnvoll?

Flüssigwaschmittel - einfach zu handhaben, aber schwierig in der Umweltbilanz

Des Weiteren enthalten flüssige Waschmittel Konservierungsstoffe: Das flüssige Waschmittel braucht sie, um ähnlich lange haltbar zu bleiben wie Waschpulver. Für die Umwelt sind diese Stoffe besonders problematisch. Viele Konservierungsstoffe können Allergien auslösen - einige Mittel enthalten sogar geringe Mengen an Formaldehyd, welches Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Übelkeit, Atemprobleme sowie Asthma auslösen kann und im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Außerdem sind die Verbindungen schwer abbaubar und reichern sich in der Umwelt an - für viele Wasserorganismen sind sie giftig. Aus Umweltsicht auch nicht unerheblich: Der Verpackungsaufwand bei Flüssigwaschmittel kann erheblich sein.

Vieldiskutiert ist auch immer der Einsatz umweltschädlicher Wasserenthärter, die gerade bei Pulver oft verwendet werden. Einerseits sparen die Stoffe gerade bei hartem Wasser auch Pulver ein, andererseits gelten sie teils als extrem umweltschädlich. Gerade in Großstädten mit sehr hartem Wasser dürfte jedoch kein Weg daran vorführen, wenn die Waschmaschine nicht allzu schnell verkalken soll. Der Einsatz von Phosphaten, die in der Vergangenheit oft dafür verantwortlich waren, dass ganze Gewässer "umgekippt", ist glücklicherweise deutlich zurückgegangen. Phosphate sind zudem nur noch in sehr geringen Mengen erlaubt.

Wie ökologisch sind Waschmittelkonzentrate?

Hochkonzentrierte Waschmittel, so genannte Superkompaktate, bedeuten eine geringere Belastung für das Abwasser und enthalten weniger Zusatzstoffe. Es wird weniger Pulver benötigt als bei den klassischen Großpackungen - pro Waschgang gelangen damit weniger Chemikalien ins Abwasser. Und: Es fällt weniger Verpackungsmaterial an, hinzu kommen ein leichterer Transport, weniger Platzbedarf und eine Herstellung mit geringerem Energieaufwand. Hier wichtig: Auf die Dosierung achten!

Was ist "bio" am Biowaschmittel?

Anders als bei Lebensmitteln gibt es keine gesetzlich festgelegten Anforderungen für diese Bezeichnung. Die meisten "Bio-Waschmittel" enthalten oft weniger Duft- und Farbstoffe und optische Aufheller. Zudem setzen sie auf nachwachsende Rohstoffe, was aber nicht in jedem Fall für die Umwelt besser sein muss. Stichwort Anbaubedingungen! Die Bezeichnung "Nachwachsender Rohstoff" sagt aber nichts über die Giftigkeit der Stoffe für Wasserorganismen und über ihre biologische Abbaubarkeit in Gewässern aus. Ein Beispiel für diese Problematik ist das Orangenschalenöl – ein nachwachsender Rohstoff, der in Gewässern schlecht biologisch abbaubar und stark giftig für Wasserorganismen ist.

Um überhaupt als Bio-Waschmittel und -Waschpulver bezeichnet werden zu können, dürfen beispielsweise keine Phosphate enthalten sein. Tenside, verwendete Seifen oder Enthärter müssen aus pflanzlichen oder mineralischen Rohstoffen stammen. Mikroplastik darf genauso wenig enthalten sein, wie Inhaltsstoffe, die auf petrochemischer oder Erdölbasis hergestellt worden sind. Umwelt-Siegel wie Ecocert oder die EU-Umweltblume garantieren, dass ein Waschmittel bestimmte Umweltkriterien erfüllt - auch wenn es sich nicht ausdrücklich Biowaschmittel nennt. Berücksichtigt wird zum Beispiel auch die Dosierungsanforderungen, die Toxizität/Giftigkeit der Inhaltsstoffe gegenüber Wasserorganismen, die biologische Abbaubarkeit von organischen Stoffen, Verpackungsanforderungen und die Waschleistung. 

Waschmittel im Baukastensystem sind sehr sinnvoll in Gegenden mit weichem Wasser - dann ist praktisch kein Wasserenthärter notwendig. In Gebieten mit mittelhartem oder hartem Wasser relativieren sich die Vorteile des Baukastensystems.

Wie umweltfreundlich sind Waschnüsse und Waschkastanien?

Waschnüsse gelten als nachhaltige Alternative zum Waschmittel

Schon seit Jahren werden Naturprodukte wie die Schalen von Waschnüssen oder auch das Granulat von Rosskastanien im Handel angeboten und gerne gekauft. Schließlich stecken dort so genannte Saponine drin, die ähnlich wie Tenside in herkömmlichen Waschmitteln wirken und in Verbindung mit Wasser eine seifenartige Lösung ergeben. Die Saponine setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab, lagern sich an Schmutzpartikeln an und sollen diese so aus der Wäsche lösen. Vor allem Waschnüssen wird nachgesagt, dass sie besonders nachhaltig sind, weil die Wäsche nicht nur angenehm weich wird, sondern die Waschleistung zugleich auch enorm sei.

Stiftung Warentest testet Waschnüsse und Waschkastanien

Die Stiftung Warentest ist bei einem umfangreichen Test zu einem eher ernüchternden Ergebnis gekommen. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Flüssigwaschmittel, haben sowohl die Schalen der Waschnüsse wie auch das Granulat der Waschkastanien sehr viel schlechter abgeschnitten.

"Die Waschwirkung ist dermaßen miserabel, dass die Wäsche schon nach fünf Waschgängen sehr vergraut aussieht und zum Tragen nicht mehr zumutbar ist."

Testleiter Konrad Giersdorf bei der Stiftung Warentest

Außerdem ist die Fleckentfernung mangelhaft, weil es den Waschnüssen an Enzymen fehlt, die die Fleckentfernung erst ermöglichen.

Grauschleier und Wäschegeruch bei Waschnüssen

Gelten als ökologisches Waschmittel schlechthin: Waschnüsse

Insgesamt haben die Waschkastanien noch etwas besser abgeschnitten als die Waschnüsse, die bei den Tests vor allem auch durch schlechte Gerüche aufgefallen sind, sagt Konrad Giersdorf: "Die Nüsse riechen dermaßen unangenehm nach Essig, dass die Wäsche nicht nur grau ist, sondern auch sehr unangenehm riecht." Der Grauschleier auf der Wäsche entsteht übrigens dadurch, erklärt Prof. Dirk Bockmühl, Hygieneforscher von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve, "dass Schmutz von der Oberfläche zwar durch das Waschmittel abgetragen wird, dann aber nicht richtig in der Waschflotte gehalten bzw. abtransportiert wird. Was dann passiert, ist, dass dieser sehr fein verteilte Schmutz sich wieder auf das Textil setzt und dann diesen Grauschleier bildet."

Schlussendlich lässt sich sagen: Waschnüsse und auch Waschkastanien sind nicht umweltfreundlicher als herkömmliche Waschmittel, weil sie durch mangelhafte Waschergebnisse die Kleidung untragbar machen und damit die Nachhaltigkeit in Frage stellen. T-Shirts oder Hemden sollten auch nach 30 oder 40 Waschgängen noch in Form und tragbar sein. Wenn das bereits nach 5 Waschgängen fast nicht mehr möglich ist, stellt das die gesamte Ökobilanz auf den Kopf. Außerdem sind durch die Nachfrage bei Waschnüssen in Europa die Preise in den Herkunftsländern in Asien, wo sie traditionell zum Waschen genutzt werden, geradezu explodiert und für viele zu teuer geworden.

Wie wäscht man umweltschonend?

Entscheidend für umweltbewusstes Waschen ist die Energieeffizienz der Waschmaschine, die Wahl der der Waschtemperatur und die richtige Dosierung. Trotz geringerem Energieverbrauch haben moderne Waschmaschinen heutzutage eine wesentlich höhere Waschleistung (40-Grad-Wäsche ist vergleichbar mit 60-Grad-Wäsche und entsprechend höherem Energieverbrauch bei einer älteren Maschine). Durch das Absenken der Waschtemperatur lässt sich Energie sparen, das Drehen der Waschtrommel verbraucht vergleichsweise wenig Energie. Ein 40-Grad-Programm erzielt beispielsweise bei langer Waschdauer etwa die gleiche Waschleistung wie ein 60-Grad-Programm bei kurzer Waschdauer. Gleichzeitig wird bis zu 50 Prozent der Energie eingespart.

Moderne Waschmittel waschen zudem heutzutage auch bei geringen Wasch-Temperaturen von 30°C bereits relativ gut. Somit sind hohe Waschtemperaturen bei leicht verschmutzter Wäsche eigentlich nicht erforderlich. Letztendlich entscheidet der Verbraucher über die Umweltverträglichkeit – sowohl Biowaschmittel als auch moderne herkömmliche Vollwaschmittel sind eine gute Wahl. "Der wichtigste Grundsatz ist, dass der Verwender eines Waschmittels eigentlich am größten Rad trägt, wenn man die Ökobilanz betrachtet, sagt Bernd Glassl, Leiter des Bereichs Haushaltspflege beim Industrieverband Körperpflege und Waschmittel.

"Die sparsame, richtige Verwendung eines Waschmittels hat eine viel größere Auswirkung auf die Ökobilanz als die Produktionsschritte und auch die Herstellung der Rohstoffe für das Waschmittel."

Bernd Glassl, Leiter des Bereichs Haushaltspflege beim Industrieverband Körperpflege und Waschmittel.

Die richtige Dosierung macht's. Zum einen in Bezug auf die Wasserhärte - je weicher das Wasser, desto weniger Waschmittel wird benötigt - zum anderen in Bezug auf den Verschmutzungsgrad - je geringer die Verschmutzung, desto weniger Waschmittel ist notwendig. Die Waschmaschine sollte möglichst voll beladen sein. Die Ausnahme bilden Fein- und Wollwäsche. Waschmittel sollte wirklich sparsam in Abhängigkeit von Wasserhärte und Verschmutzungsgrad gemäß der Dosierempfehlung auf der Verpackung eingesetzt werden. Eher weniger, als mehr.

Tipps für nachhaltiges Waschen

  • Waschen Sie mit möglichst geringer Temperatur.
  • Verwenden Sie hochkonzentrierte Waschpulver.
  • Verzichten Sie auf Weichspüler.

Wissen Sie welche Wäsche man bei wieviel Grad waschen soll? Wir klären: Wird Unterwäsche bei 30 Grad wirklich sauber?

Links zum Thema:

www.test.de: Waschnüsse und Waschkastanien im Test

https://www.umweltbundesamt.de: Gesundheitliche Wirkungen von Duftstoffen

https://www.umweltbundesamt.de: Wäsche waschen

https://www.umweltbundesamt.de: Phosphatfreie Textilwaschmittel

https://www.bfr.bund.de: Bewertung von Duftstoffen beim Bundesamt für Risikobewertung BfR

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