Bayern 1 - Experten-Tipps


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Reisen und Verkehr Umweltbewusst unterwegs

Immer mehr Deutsche wollen umweltbewusst reisen. Denn im Schnitt verursacht jeder Bundesbürger beim Reisen mehr als eine Tonne Treibhausgase. Der Bayern 1-Umweltkommissar fragt sich, was ist besser: Bahn, Bus, Auto oder Flugzeug?

Von: Barbara Jelen

Stand: 04.09.2014

Illustration: Der Umweltkommissar steht grübelnd vor einem Schild, das nach links zu einem Bus und nach rechts zu einem Zug zeigt | Bild: BR/Susanne Baur, Creativ Collection

Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Aber auch das Umweltbewusstsein steigt. Laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) wünschen sich 40 Prozent der Bundesbürger einen "möglichst umweltschonenden und ressourcenfreundlichen Urlaub". Das ist die eine Seite der Medaille. In der Realität unternahmen die Deutschen 2011 knapp 70 Millionen Urlaubsreisen mit einer Länge von fünf oder mehr Tagen, dazu kommen laut FUR noch etwa 78 Millionen Kurztrips. Flugzeug und Auto sind dabei die beliebtesten Verkehrsmittel, wenn auch Bus und Bahn einen leichten Aufwärtstrend verzeichnen.

Anteil der Verkehrsmittel

Von 70 Millionen Urlaubsreisen werden

  • 46 Prozent mit dem PKW oder Wohnmobil
  • 37 Prozent mit dem Flugzeug
  • gut acht Prozent mit dem Bus
  • gut fünf Prozent mit der Bahn

zurückgelegt.
Bei Inlandsreisen dominiert das Auto, bzw. Wohnmobil, bei Auslandsreisen das Flugzeug.

Etwa zwei Drittel der Deutschen kann sich vorstellen, innerhalb von Deutschland mit dem Bus zu verreisen statt mit der Bahn oder dem privaten PKW, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov.

Treibhausgase

Im Durchschnitt produziert jeder Deutsche pro Jahr zwischen zehn und elf Tonnen CO2-Äquivalente. Eine Tonne davon entsteht laut WWF wegen der Reisen. Um die Erderwärmung bis 2050 auf zwei Grad zu begrenzen, dürfte jeder Erdbewohner nicht mehr als 2,5 Tonnen CO2-Äquivalente produzieren, heißt es beim Umweltbundesamt. Die Klimaschutzorganisation Atmosfair sieht die Grenze bereitsbei 2,3 Tonnen.

Erläuterung

Um besser vergleichen und berechnen zu können, wie unterschiedliche Treibhausgase zur Erderwärmung beitragen, wird der sogenannte CO2-Äquivalent zu Hilfe genommen. Dabei wird das jeweilige Treibhausgas ins Verhältnis zu CO2 gesetzt.

Beispiel: Das CO2-Äquivalent für Methan beträgt 25, das heißt der Treibhauseffekt von einem Kilo Methan ist 25 mal so stark wie von einem Kilo CO2.

Treibhausgas-Bilanz unterschiedlicher Verkehrsmittel

Flugzeuge schneiden in der Ökobilanz am schlechtesten ab. Sie setzen nicht nur Kohlendioxid (CO2) frei, sondern auch Stickoxide, Wasserdampf und Rußpartikel. Das wirkt sich aufs Klima aus und verstärkt den menschengemachten Treibhauseffekt. Für eine realistische Ökobilanz müssen diese Abgase mit in die CO2-Rechnung einbezogen werden. Wer sein schlechtes Ökogewissen beruhigen will, kann mit einem zusätzlichen Betrag zum Ticketpreis Klimaschutzprojekte unterstützen. Das soll die Klimabelastung durchs Fliegen ausgleichen. Allerdings ist es besser, erst gar keine Belastungen zu erzeugen.

Vergleich: CO2-Ausstoß

Pro Person und 100 Kilometer Entfernung:

  • Flugzeug (bei 73 Prozent Auslastung): 23 bis 27 Kilogramm berechnet für durchschnittlich 73% Auslastung)
  • Auto/Wohnmobil (durchschnittlich 1,5 Peronen/PKW): 14 bis 24 Kilogramm
  • Bahn (Fernzug mit 44 Prozent Auslastung): 4,5 Kilogramm. Das Bundesumweltministerium rechnet  mit fünf Kilogramm CO2-Verbrauch pro Person und 100 km und verweist darauf, dass die Deutsche Bahn bis 2020 den Anteil an regenerativer Energie beim Stromverbrauch auf mindestens ein Drittel erhöhen will)
  • Bus: drei Kilogramm

Fernbusse

Seit Anfang des Jahres 2013 ist der Markt für Fernbusse in Deutschland geöffnet. Derzeit gibt es etwa 40 Anbieter von Fernbus-Fahrten. Noch machen Fernbusse weniger als ein Prozent des bundesweiten Reiseverkehrs aus. Allerdings rechnen die Anbieter langfristig mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent. Im Vergleich zum PKW erzeugt der Reisebus nur knapp ein Fünftel der CO2-Emissionen.

Wohin bringt uns das?

Die Klimaschutzorganisation Atmosfair geht davon aus, dass jeder pro Jahr nur 2,3 Tonnen klimaschädlicher Gase produzieren darf, um die Erderwärmung bis 2020 auf zwei Grad zu begrenzen. Wenn wir diese 2,3 Tonnen allein fürs Reisen verbrauchen würden, kämen wir mit folgenden Verkehrsmitteln auf diese Strecken:

Wir müssten uns entscheiden: Mit dem Flugzeug könnten wir knapp 10.000 Kilometer zurücklegen, also einmal von München nach Tokio fliegen. Mit dem Auto bzw. Wohnmobil dürften 16.200 Kilometer auf dem Tacho stehen. Damit kämen wir theoretisch bis nach Melbourne. Oder wir könnten etwa dreimal quer durch Europa reisen.

Mit dem Zug könnten wir 50.000 Kilometer zurücklegen. Das entspricht einer Entfernung von ein-einviertel Mal am Äquator um die Erde. Mit dem Bus könnten wir die Erde am Äquator zweimal umrunden, das ergibt 76.000 Kilometer.

Studie über Gesamt-Ökobilanz von Verkehrsmitteln

Die kalifornischen Umweltforscher Mikhail Chester und Arpad Horvath von der University of California in Berkeley haben nicht nur den Energieverbrauch und CO2-Ausstoß pro Person und Kilometer bei unterschiedlichen Verkehrsmitteln berechnet. Sie haben zusätzlich berücksichtigt, welcher Energieaufwand nötig ist, um das jeweilige Verkehrssystem zu bauen und zu unterhalten. Dazu zählen Bahnhöfe, Schienen, Abfertigungsgebäude sowie Start- und Landebahnen. In ihre Berechnung floss auch ein, mit welchem Energieeinsatz die Rohstoffe (Stahl für Karosserien oder Waggons) beschafft werden.

Nach dieser Berechnung verschlechtert sich die CO2-Bilanz der Bahn deutlich: Die CO2-Menge steigt um mehr als das Doppelte. Die meisten Emissionen entstehen nach dieser Studie – im Gegensatz zu den anderen Verkehrsmitteln – nicht beim Betrieb der Züge selbst, sondern beim Bau und Unterhalt des Systems.

Mitentscheidend für die CO2-Bilanz ist auch, wie ausgelastet ein Verkehrsmittel ist. Ein fast leerer Bus ist demnach schädlicher für die Umwelt als ein Einzelner, der mit einem Geländewagen unterwegs ist. Umgekehrt ist ein vollbesetzter Bus die klimafreundlichste Alternative, von A nach B zu kommen.

Fazit

Wenn wir nicht laufen oder radln wollen, ist ein vollbesetzter Bus die klimafreundlichste Alternative, um ans Ziel zu kommen. 


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