Bayern 1 - Experten-Tipps


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Der Bayern 1-Umweltkommissar Zusatzstoffe in veganen Produkten

Vegan ist in. Die Zahl derer, die sich komplett ohne tierische Produkte ernähren steigt stetig. Große Lebensmittelhersteller bieten unzählige tierlose Alternativen an. Doch sind diese rein pflanzlichen Produkte wirklich gesund? Der Bayern 1-Umweltkommissar prüft die Zusatzstoffe.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 26.01.2017

Illustration: Der Umweltkommissar denkt über Zusatzstoffe in veganen Produkten nach | Bild: BR/Susanne Baur

Der erste Eindruck

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum vegetarische oder vegane Ernährung in Misskredit zu bringen. Der Fall liegt anders: Es geht ums Geschäft! Und den Anspruch der Verbraucher, sich gesund und nachhaltig zu ernähren.

Die Industrie weiß das! Auch die großen Hersteller haben gemerkt, dass damit wirklich Geld zu machen ist. Bestes Beispiel ist der Fleischkonzern „Rügenwalder Mühle“, der sein Ziel ein Drittel des Umsatzes über das Veggie-Sortiment zu machen, sicher einhalten kann und dafür sogar eine eigene Fabrik aufbaut.

Statt Fleisch, und das ist insbesondere Veganern ein Graus, werden hier tierische Produkte durch andere tierische Produkte ersetzt. Statt Hühnchen- oder Putenfleisch wird jetzt eben Hühnerei verwendet. Ein tierisches Eiweiß ersetzt das andere. Das ist nicht schändlich, aber eben wissenswert, wenn  man es unter nachhaltigen und ernährungswissenschaftlichen Aspekten betrachtet.

Aber selbst wenn auf typische, pflanzliche Zutaten für Fleischersatzprodukte wie Soja oder Weizeneiweiß zurückgegriffen würde: Ist das denn zweifelsfrei nachhaltiger? Nicht unbedingt! Und gesünder, das zeigt das Kleingedruckte, auch nicht!

Sieht alles gesund aus

"Es ist natürlich so, dass die Industrie auch mit diesem Image spielt, wenn man sich die Produkte mal anschaut, sind die immer sehr grün und auf Gesundheit ausgelegt."

Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern

Aber machen wir uns nichts vor. Wir wollen Geschmack! Und das was nicht da ist, muss eben ersetzt werden. Fette, tierische Eiweiße und so weiter. Das Problem ist, die Ersatzstoffe machen den Inhalt nicht automatisch besser. Erklärt auch Daniela Krehl: „Bei einem vegetarischen oder veganen Schnitzel oder Würstchen, ist es häufig so, dass der Fettgehalt genauso hoch ist, dass der Salzgehalt sehr hoch ist, der Kaloriengehalt und natürlich immer, aufgrund dessen man ein Lebensmittel imitiert, sehr viele Zusatzstoffe eingesetzt werden.“

Es soll wie Fleisch schmecken

Veagen Produkte aus dem Supermarkt

Die Nachahmung – gerade von tierischen Produkten – erfordert eben in der industriellen Herstellung auch einen größeren Einsatz von Zusatzstoffen.  Wie zum Beispiel Salz! Viel Salz! Ein annehmbarer Geschmack wäre nämlich so in den meisten Fällen gar nicht möglich. Und dass es ähnlich schmeckt wie Fleisch, ist gerade für die wichtig, die umstellen, also auf Fleisch ganz oder zumindest teilweise verzichten wollen. 

Geschmacksverstärker, Aroma- und Farbstoffe, Konservierungsmittel, Verdickungsmittel wie „Guarkernmehl“ und zahlreiche Konservierungsmittel, hat die  Verbraucherzentrale Hamburg bei einer Untersuchung vor drei Jahren bereits zuhauf in veganen Lebensmitteln gefunden. Kritisiert wurde jedoch, dass damals nur 20 Produkte auf den Prüfstand kamen. Was im April 2014 mit der Untersuchung der Inhaltsstoffe belegt wurde, kann Ernährungsexpertin  und Autorin Katarina Schickling („Aber bitte mit Butter“) in der Praxis nur bestätigen: „Das was an veganen oder vegetarischen Schnitzeln gut schmeckt, ist letztlich die Panade. Da kann ich dann aber ein Stück Gemüse genau so lecker panieren und mit wahrscheinlich gesundheitlich was Gutes. Was man auch bedenken muss: Gerade die Panade ist natürlich das, was unglaublich kalorienreich ist. Je besser sie schmeckt, desto fetter ist sie.“

Wenig Orientierung für Verbraucher

Es gibt bislang kein einheitliches staatliches oder ausreichend zertifiziertes Siegel, das Verbrauchern mehr Sicherheit beim Einkauf geben würde. Dafür aber zahlreiche Kunstlabels, die die Hersteller oft selbst entworfen haben. Die Bezeichnung „vegan“ ist schließlich auch nicht genau rechtlich definiert und damit auch nicht geschützt.

Das Problem, sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern, ist es, sich auf verbindliche Standards zu einigen: „Also wichtig wäre es, dass es ein Siegel ist, das ganz klar definierte Kriterien und Standards hat, so dass es auch eine Orientierung für den Verbraucher ist. Das gibt es leider im Moment nicht auf dem Markt. Es gibt ein einheitliches vom Tierschutz, dann gibt es eins von den Herstellern, dann gibt es ein drittes und ein viertes und da wäre es schon wichtig, dass man den Siegelwald mal klarer definiert, dass ich dann als Vegetarier oder Veganer eine klare Orientierung habe“. 

Viele vertrauen auf die Vegan-Blume, die zum Beispiel auch die Bio-Marke Alnatura verwendet, um vegane Produkte zu kennzeichnen. Dieses Siegel wird von Vegan Society England vergeben. Das Produkt garantiert jedoch lediglich ein hundertprozentig veganes Produkt zu sein, das ohne Tierversuche hergestellt ist und auch auf tierische Produkte wie Gelatine verzichtet. 

Kein Siegel. Kein Fleisch. Was nun?

Wie kann ich als Otto-Normal-Veganer denn erkennen, welche Produkte Sinn machen und welche nicht. Ernährungsexpertin Katarina Schickling hat da eine sehr einfache Strategie entwickelt: „Ich würde schauen, dass da kein Hefeextrakt drin ist. Ich würde schauen, dass es ohne Aromen auskommt, und zwar egal ob da natürlich dabei steht oder nicht. Ich würde darauf achten, dass möglichst wenig Verdicker drin sind. Und ich würde überhaupt schauen, dass da möglichst viele Zutaten auf der Liste stehen, die meine Oma auch schon gekannt hat. Weil damit, finde ich macht man nicht so viel falsch."


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