Bayern 1 - Experten-Tipps


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Zeitumstellung Spart die Sommerzeit Energie?

Eine bestechende Idee: Wenn wir das Tageslicht besser nutzen, können wir Energie sparen. Das war einer der Gründe zur Einführung der Sommerzeit. Ob's wirklich was bringt? Ein neuer Fall für den Bayern 1-Umweltkommissar.

Von: Barbara Jelen

Stand: 26.03.2013

Illustration: Der Umweltkommissar schiebt die Zeiger einer Uhr von 2 auf 3 Uhr und denkt dabei an das Geld, das er durch die Zeitumstellung spart | Bild: BR/Susanne Baur

Die Idee ist alt: Wenn wir das Tageslicht besser ausnützen, muss sich doch Energie einsparen lassen! Schon der Erfinder und Staatsmann Benjamin Franklin hat im 18. Jahrhundert auf Abhilfe gesonnen. Wenn wir morgens aufwachen, ist es im Sommer längst hell draußen. Abends brauchen wir dann künstliches Licht, weil wir bei Sonnenuntergang noch lange nicht ins Bett gehen.

Geschichte der Sommerzeit

Im Ersten und auch im Zweiten Weltkrieg wurde vorübergehend bei uns die Sommerzeit eingeführt, von 1950 bis 1979 gab es in Deutschland keine Sommerzeit. Nach der Ölkrise 1973 ist die Idee von einigen europäischen Ländern wieder aufgegriffen worden. Seit 1980 gilt in der Bundesrepublik wieder die Sommerzeit. Seit 1996 ist in allen Ländern der Europäischen Union die Sommerzeit einheitlich geregelt. Sie dauert seither vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober.

Sommerzeit ist keine Energiesparzeit

"Im Hinblick auf den Energieverbrauch bietet die Sommerzeit keine Vorteile. Danach wird die Einsparung an Strom für Beleuchtung, insbesondere bei vermehrtem Einsatz effizienter Beleuchtungssysteme, durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert."

Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP zur Zeitumstellung im Jahr 2005.

Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass durch die Umstellung der Uhren der Energieverbrauch nicht sinkt. Die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) hat bei einer Befragung ihrer Mitglieder 1994 keinen konkreten  Einspareffekt festgestellt.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat 2010 mitgeteilt, dass seit Jahren keine Sparwirkung durch die Sommerzeit zu erkennen ist.

Auswertung in den USA

Im US-Bundesstaat Indiana wurde drei Jahre lang der Stromverbrauch von mehr als sieben Millionen Privathaushalten ausgewertet, mit dem Ergebnis, dass nach Einführung der Sommerzeit 2006 der Stromverbrauch um etwa ein bis vier Prozent angestiegen war. Eine der Ursachen war der größere Heizbedarf am Morgen und der Einsatz von Klimaanlagen an warmen Sommerabenden.

Mehr Heizen dank Sommerzeit - da ist die Stromersparnis schnell futsch.

Ursache dafür ist, dass an den langen Abenden zwar weniger Licht benötigt wird, dafür aber muss vor allem in der Übergangszeit (vor allem im März, April und Oktober) morgens mehr geheizt werden. Dadurch wird die Stromersparnis am Abend mehr als wett gemacht. Nur ewa acht Prozent des Stromverbrauchs in Privathaushalten geht auf das Konto von Lampen und sinkt außerdem noch weiter durch Energiesparlampen. Außerdem steigt der Energiebedarf durch vermehrte Freizeitaktivitäten am Abend.

Fazit

Aus umweltpolitischer Sicht bringt die Zeitumstellung eher Nach- als Vorteile.

Diskussion um Vor- und Nachteile der Sommerzeit

In einer Umfrage des Emnid-Instituts vom März 2009 sprachen sich 55 Prozent der Befragten dafür aus, die Sommer- und Winterzeit abzuschaffen. Für die Zeitumstellung waren 41 Prozent.

Bayern 1-Umfrage

Unsere (allerdings nicht repräsentative) TED-Abstimmung im Herbst 2012 auf Bayern 1 hat ergeben:

  • nur 6 Prozent sind dafür, zweimal pro Jahr die Uhren umzustellen
  • 20 Prozent möchten die Sommerzeit auf Dauer (ohne Zeitumstellung)
  • 74 Prozent sind dafür, dass das ganze Jahr über die Normalzeit gilt

Der "Mini-Jetlag" durch die Zeitumstellung führt bei manchen zu Befindlichkeitsstörungen, sie fühlen sich müde und schlapp. Hiervon sind auch Kinder betroffen, die eine Stunde früher in die Schule müssen. Je nachdem, wie unsere innere biologische Uhr läuft, kann es einige Zeit dauern, bis sich der Körper an den neuen Zeitrhythmus gewöhnt hat. Frühaufsteher, sogenannte Lerchen, stellen sich schneller auf die Sommerzeit ein als "Eulen", Spätaufsteher.

Mehr Unfälle durch Zeitumstellung?

Für die Behauptung, dass es infolge der Zeitumstellung auf den Straßen häufiger kracht, gibt es keine eindeutigen Belege. Der ADAC kann keinen Zusammenhang zwischen Zeitumstellung und Zunahme von Verkehrsunfällen feststellen - im Gegensatz zum Auto Club Europa (ACE). 

Sommerzeit

Illustration: Uhrenzahnwerk mit dem Hinweis, eine Stunde zurück zustellen | Bild: BR/Tanja Begovic zum Thema Zeitumstellung Ein Tag mit 23 Stunden

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Der ACE hat festgestellt, dass in der Woche nach der Zeitumstellung im Vergleich zur Woche davor fast in jedem Jahr die Zahl der schweren Verkehrsunfälle steigt, und zwar um bis zu 30 Prozent. Eine auffällige Tendenz, für die laut ACE auch das Schlafdefizit durch die Zeitumstellung in Kombination mit der Umstellung des menschlichen Organismus im Frühling verantwortlich sein könnte. Genauere Untersuchungen dazu stehen aber noch aus.

Eine britische Studie über die Entwicklung der Unfallzahlen von 1996 bis 2006 hat ergeben, dass nach der Zeitumstellung die Zahl der schweren und tödlichen Verkehrsunfälle deutlich steigt. Diese Studie hat allerdings nur die Stunden berücksichtigt, an denen sich durch die Zeitumstellung die Lichtverhältnisse ändern. Inwieweit die Zunahme der Unfallzahlen auf geänderte und ungewohnte Lichtverhältnisse oder möglicherweise auf eine Störung der inneren Uhr bei den Autofahrern zurückzuführen ist, ist bisher nicht geklärt.

Es bleibt bei der Sommerzeitregelung in der EU

An eine Abschaffung der Sommerzeit ist nicht gedacht. Eine EU-einheitliche Sommerzeitregelung ist für den europäischen Binnenmarkt wesentlich, heißt es von Seiten der Bundesregierung. "Angesichts der zunehmenden Globalisierung in allen Bereichen ist an einer dauerhaften einheitlichen Zeit in Europa festzuhalten." Es bleibt bei der Sommerzeit, solange sie von den Mitgliedstaaten der EU nicht gemeinsam wieder abgeschafft wird.


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