Bayern 1 - Experten-Tipps


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Umweltkommissar Hilft Ökostrom wirklich der Umwelt?

Wer Ökostrom kauft, will alternative Stromquellen fördern. Doch engagiert sich der gewählte Stromlieferant auch wirklich im Bereich erneuerbare Energien? Das Qualitätssiegel "Ok-Power" verrät es dem Verbraucher. Und auch der Umweltverband BUND gibt Tipps.

Von: Lorenz Storch

Stand: 20.04.2016

Illustration: Der Umweltkommissar und die Biene stehen bzw. sitzen nachdenklich neben Windrädern und einer Photovoltaikanlage | Bild: BR/Susanne Baur

Der Strom kommt aus der Steckdose! Das ist offensichtlich. Und tatsächlich: Physikalisch gesehen ist es auch immer der gleiche Strom, der da raus kommt - egal, wo man ihn kauft. Denn das Stromnetz ist wie ein großer See, wo sich die Elektrizität aus allen Quellen mischt, sodass man sie nicht mehr trennen kann. Allerdings: Wer Ökostrom kauft, will zumindest bestimmen, aus welchen Quellen sich der Stromsee speist. Und er will, dass dadurch mehr Windräder und Solarzellen gebaut werden.

Das allerdings bietet nicht jeder Ökostromtarif! Einige machen einfach ihren Reibach mit Kraftwerken, die es sowieso schon gibt, sagt Volker Quaschning, Professor für Erneuerbare Energiesysteme von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin:

"Es gibt hier Wasserkraftwerke in Deutschland, die schon seit über 100 Jahren ihren Dienst tun. Wenn ich das gesondert nochmal verkaufe, dann mache ich mit Altanlagen nochmal Geschäft. Das ist ja auch okay. Aber das hilft dann nicht der Energiewende weiter."

Volker Quaschning

Oft werden auch Ökostromzertifikate im Ausland gekauft. Norwegen zum Beispiel ist so umtriebig beim Herkunftsnachweise verscheppern, dass rein rechnerisch dort der Wasserkraftanteil im Strommix nur noch neun Prozent beträgt! Obwohl sich die Norweger in Wirklichkeit fast vollständig mit Wasserkraft selbst versorgen. Ein reiner Verschiebebahnhof.

Der Begriff "Öko" ist beim Strom nicht geschützt

Viele Ökostromtarife können so auch sehr billig sein. Nach dem Motto: Kostet nichts, bringt aber auch nichts. Das Problem: Anders als im Lebensmittelbereich ist beim Strom der Begriff "Öko" nicht gesetzlich geschützt. Deswegen ist das Kleingedruckte wichtig. Kommt der Strom wenigstens zu einem gewissen Anteil aus neu gebauten Anlagen? Engagiert sich die Firma im Bereich erneuerbare Energien, oder handelt sie einfach nur mit Strom? Wer das nicht alles selber erforschen will, kann auf ein Qualitätssiegel achten, hinter dem unter anderem die Verbraucherzentrale steht. "OK-Power" heißt es, Robert Werner ist dort Geschäftsführer:

"Das OK-Power-Label hat sich zum Ziel gesetzt, in diesem für den Verbraucher als Dschungel darstellenden Ökostrommarkt Orientierung zu geben. Nämlich die Ökostromtarife herauszustellen, die einen besonderen Nutzen für die Energiewende haben. Das ist das Ziel."

Robert Werner

Empfohlen werden folgende Ökostromanbieter ...

Der Umweltverband BUND empfiehlt vier deutschlandweit tätige Ökostromanbieter: Lichtblick und Greenpeace Energy aus Hamburg, Elektrizitätswerke Schönau aus dem Schwarzwald und Naturstrom mit Sitz in Düsseldorf und Forchheim. Auch einige Stadtwerke und Kommunalversorger engagieren sich für erneuerbare Energien. Und die bayerischen Energiegenossenschaften bieten seit einigen Monaten auch einen Tarif mit regionalem Bürger-Ökostrom an – unter dem Namen "Bavaria-Strom". Es gibt ihn also durchaus: Den Ökostrom der auch wirklich etwas bewirkt. Man muss aber etwas genauer hinschauen.

Auch der Normalverbraucher trägt zur Energiewende bei

Und das gehört auch zur Wahrheit: Auch wer beim ganz normalen Strom bleibt, leistet seinen Beitrag zur Energiewende. Zwangsweise, über die EEG-Umlage. Sie kostet sechs Cent pro Kilowattstunde (und hat damit mehr Aufschlag als die meisten Ökostromtarife). Als Gegenleistung stammt auch im deutschen Durchschnitts-Strommix mittlerweile immerhin ein Drittel aus erneuerbaren Energien.


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