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LED-Lampen Wie gut sind Leuchten mit fest verbauten LEDs?

LEDs werden in Leuchten mittlerweile überwiegend fest verbaut. Wechseln unmöglich! Sind die LEDs mal kaputt, muss die ganze Leuchte weggeschmissen werden. Unser Umweltkommissar ermittelt.

Stand: 07.05.2018

Lampen mit fest verbauten LEDs | Bild: colourbox.com

Wirklich schlimm? Leuchten mit fest verbauten LEDs

Ob im Baumarkt, im Einrichtungshaus oder beim Möbelhändler: Wer sich heutzutage eine Leuchte kaufen möchte, stellt (oft erst zuhause) fest: Viele Leuchten haben gar keine Birne oder Lampe mehr zum Raus- oder Reindrehen.  LEDs werden mittlerweile überwiegend fest verbaut. Wechseln unmöglich! Und das Problem liegt auf der Hand: Sind die LEDs mal kaputt, muss die ganze Leuchte weggeschmissen werden.

Viele Verbraucher und auch Verbraucherschützer sind nicht gerade glücklich, dass es immer mehr fest verbaute LEDs gibt, die man nicht mehr austauschen kann. Schließlich scheint auf den ersten Blick noch mehr Elektroschrott anzufallen und die Industrie verdient sich eine goldene Nase. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat 2016 die Angebote Decken-, Tisch- und Stehleuchten untersucht und festgestellt:

"Waren im März 2016 bei 29 Prozent der angebotenen Wohnraumleuchten in Baumärkten die LED-Lampen nicht wechselbar, so sind es Ende Oktober bereits 42 Prozent."

Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Der Trend ist eindeutig. Mittlerweile werden bereits überwiegend Leuchten mit fest eingebauten Leuchtmitteln verkauft. Sehen wir uns den Fall mal genauer an. 

Wie umweltfreundlich sind LEDs?

Auch wenn festverbaute LEDs in Leuchten zunächst wie eine ökologische Katastrophe klingen: Physikalisch gesehen, macht die Technik durchaus Sinn. Erklärt Norbert Endres, Energieberater der Bayerischen Verbraucherzentrale: „Eine LED ist ein Halbleiterprodukt und Halbleiter, wissen wir aus der PC- oder Computertechnologie, brauchen  Kühlung. Wenn man die LEDs fest verklebt oder verbindet, mit einem Metallgehäuse, dann sorgt das für eine passive Kühlung, die wenn sie gut ausgeführt ist, dafür sorgt, dass die Lebensdauer sich verlängert“

Wenn auf der Verpackung der Leuchte 15.000 Betriebsstunden angegeben sind, entspricht das bei einer durchschnittlichen Nutzung von drei Stunden täglich, einer Gesamtlebensdauer von mehr als zehn Jahren. Nicht schlecht. In der Zeit müsste man sicher ganz schön viele LED-Birnchen austauschen. Die Wirklichkeit sieht aber oft anders aus, bemängelt Energieberater Norbert Endres. „Das sind halt oft Produkte von No-Name-Herstellern. Die versprechen vollmundig eine Lebensdauer Richtung 100 Tausend Betriebsstunden. Dem kann man nicht unbedingt glauben.“

Grundsätzlich gilt aber: Die lichtemittierenden Dioden – kurz: LEDs – sind in Sachen Lebensdauer und geringem Stromverbrauch den herkömmlichen Glühbirnen weit überlegen. So überlegen, dass früher übliche Langzeittests bis zum Totalausfall bei LEDs nicht mehr möglich bzw. den Herstellern nicht mehr zuzumuten sind. Die EU schreibt deshalb Rahmenbedingungen für die Angabe der Lebensdauer vor: So darf beispielsweise bei 6.000 Betriebsstunden höchstens jedes zehnte Birnchen kaputtgehen. Und auch nach dieser Zeit müssen die LEDs noch 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leuchtkraft erreichen können. Was die Angaben zur Lebenserwartung auf den Verpackungen angeht, heißt das aber, es sind keine Erfahrungswerte, sondern nur hochgerechnet Werte, sprich Prognosen zur Lebensdauer, die die Hersteller für ihre Leuchten angeben.

Dass viele Produkte vorzeitig ausfallen, liegt für Christoph Mordziol, Elektronikexperte für Energienutzung beim Umweltbundesamt (UBA) in Dessau, auf der Hand: „Wir haben zwar eine Marktaufsicht, aber die ist nicht so ausgestattet, dass sie einen sehr großen Teil der Produkte überprüfen könnte. Wenn also etwas ausfällt oder auffällt, dann nur in einzelnen Fällen.“

Fest verbaute LEDs können sich ökologisch rentieren

Grundsätzlich bemisst sich der Preis für eine Leuchte und die Leuchtmittel nicht am vagen Versprechen der Lebensdauer, sondern an der Lumenzahl bzw. der Helligkeit.

Seit 2014 müssen auch die Leuchten mit einem EU-Energielabel gekennzeichnet sein. Selbst die besten Energiewerte wie A++ beziehen sich aber ausschließlich auf das Leuchtmittel das entweder schon drin verbaut ist oder eventuelle eingesetzt werden kann, nicht jedoch auf die Leuchte selbst. Um auch das bereits auf der Verpackung klarer und deutlicher zu machen, soll bis November 2018 ein besseres Energielabel eingeführt werden, das Käufern einer Leuchte eine bessere Orientierung gibt wie es mit der Energiebilanz der gesamten Leuchte aussieht.

Im Keller beispielsweise rechnen sich die festverbauten LEDs natürlich weniger, aber dort wo Leuchten sehr lange und dauerhaft für Licht sorgen müssen, stimmt unter Umständen auch die Ökobilanz, sagt Energieberater Endres: „Zum Beispiel vier Stunden, also im Sommer weniger und im Winter länger, aber im Mittel vier Stunden täglich. Dann rechnet sich das sehr schnell, innerhalb weniger Monate oft. Es sei denn ich setze auf ein Designprodukt, was nach oben offene Preise erwarten lässt.“ 

In vielen Einrichtungshäusern gibt es, wie bereits erwähnt, mittlerweile überwiegend Leuchten mit fest installierten Lampen. Auch wenn beispielsweise die XXXL-Gruppe, eine der größten Möbelhändler in Deutschland, auf Anfrage mitteilt: „Wir führen in unserem Sortiment auch eine große Auswahl an Beleuchtungskörper mit wechselbaren Leuchtmittel. Dieser Anteil steigt derzeit sogar stark an, da wohnliche Leuchten wieder stark im Trend liegen und aufgrund deren Größe sich die Vorrichtung zum Wechseln von Leuchtmitteln gut umsetzen lässt.“

Tatsächlich gibt es im sehr hochpreisigen Leuchten-Segment eine neue Generation, die speziell für LEDs konstruiert worden ist und deren LED-Chips sich sogar auswechseln lassen. In Baumärkten und Einrichtungshäusern dominieren jedoch die Billigvarianten mit festverbauten LEDs.

Keine Frage der Umwelt: Feste oder Wechsel-LED?

Im ersten Moment, erscheint es vielleicht nicht logisch, aber auch wenn die Ökobilanz sogar für eine qualitativ hochwertige Leuchte mit festverbauten LEDs spricht, rät Energieberater Norbert Endres von der Verbraucherzentrale Bayern trotzdem: „Wenn man die Wahl hat, und man sollte gezielt danach fragen, sollte man sich eher für ein Produkt  mit wechselbaren Leuchtmitteln entscheiden.“

Das hat weniger etwas mit der Umwelt, als vielmehr mit der gesetzlichen Gewährleistungspflicht zu tun. Denn selbst wenn eine Lebensdauer von mehr als zehn Jahren versprochen wird, hat der Kunde nichts davon, wenn die Lampe nach drei Jahren hin ist, sagt der Würzburger Verbraucheranwalt Kay Rodegra: „Innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf gilt die gesetzliche Vermutung, dass der Defekt schon beim Kauf vorlag. Nach Ablauf von sechs Monaten kommt es zu einer so genannten Beweislastumkehr, dann muss der Kunde beweisen, dass der Defekt bereits beim Kauf vorhanden war. 

Heißt im Klartext. Der Verbraucher schaut nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung in die Röhre. Einige Möbelhäuser und auch renommierte Leuchtenhersteller  geben deshalb auch  fünf, sieben oder sogar 10 Jahre Garantie auf LED-Leuchten. Genau nachzufragen, lohnt sich, sagt Verbraucheranwalt Rodegra: „Geht das Leuchtmittel innerhalb der Garantiezeit kaputt, kann der Verbraucher dann Ersatz fordern und muss auch nicht, anders als bei der Gewährleistung, beweisen, dass der Defekt bereits beim Kauf vorhanden war.“

Eins sollte man beim Kauf immer im Hinterkopf behalten: Eine zu erwartende Lebensdauer stellt nur einen durchschnittlichen Wert dar. Manche Leuchten halten vielleicht sogar 15 Jahre, andere eben dafür nur fünf. Wenn eine einzelne, auswechselbare  LED-Birne mal früher kaputt geht, ist das zwar auch ärgerlich, geht aber dann nicht ganz so ins Geld.

Links/Quellen:

https://www.verbraucherzentrale-rlp.de/anteil-leuchten-mit-fest-eingebauten-led-lampen-1
https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/fest-verbaute-leds-machen-wechsel-unmoeglich
http://www.deutschlandfunk.de/ressourcenverbrauch-viele-led-lampen-sind-inzwischen-fest.697.de.html?dram:article_id=396393
https://www.test.de/Einwegleuchten-Elektroschrott-von-Hoeffner-und-XXXL-5142214-0/


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