Bayern 1 - Experten-Tipps


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Duftlampen & Co. Sind Raumdüfte problematisch?

Duftbaum und Räucherstäbchen sind Vergangenheit. Längst finden sich "frische Düfte" nicht nur im Auto oder in Hippie-Haushalten - sie sind omnipräsent. Ob Raumdüfte problematisch sind, fragt sich der Bayern 1-Umweltkommissar.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 15.12.2015

Illustration: Die Biene schnuppert an einer Duftlampe, der Umweltkommissar hält sich die Nase zu | Bild: BR/Susanne Baur

Eines ist wirklich erstaunlich: Wenn man sich heutzutage in Drogeriemärkten oder Kaufhäusern umschaut, bekommt man den Eindruck, wir hätten vor 20 Jahren allesamt in stinkigen Miefbuden gelebt. Natürlich gab es immer schon Parfums und Duftstoffe, die auch im Haushalt gezielt eingesetzt worden sind, aber nicht in dieser Fülle.

Nach dem berüchtigten "Duftbaum" im Auto und dem duftigen Weichspüler erobern seit einigen Jahren auch verstärkt Sprays, Duftkerzen und Duftöle unseren muffigen Alltag. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ein frischer Duft das Gefühl von Sauberkeit und Hygiene verstärkt.

In der Toilette sorgt die Duftspülung für gute Luft.

Während in den 70ern und 80ern noch Räucherstäbchen angezündet wurden, werden heutzutage Düfte bereits automatisch oder auf Knopfdruck versprüht. Nicht nur in Bad und WC oder der Wohnung - auch in Modegeschäften, Kaufhäusern, ja selbst in Arztpraxen werden gezielt Duftstoffe über die Klimaanlagen verbreitet.

Unsere Kleidung kommt duftend aus der Waschmaschine, im Mülleimer und sogar in der Spülmaschine hängen kleine Duftkapseln. In der Toilette setzen wir Duftspüler ein, wir benutzen ganz selbstverständlich Deoroller und Parfums und möchten mit Aromakerzen oder Aromaölen in den Zimmern Rosen-, Vanille- oder weihnachtliche Apfel-Zimt-Düfte verteilen.

Nase riecht mehr als nur Düfte

Und tatsächlich bestätigen auch die neusten Erkenntnisse von Evolutionsbiologen, dass wir Menschen mit der Nase mehr riechen als nur gute oder schlechte Gerüche. Unbewusst erfassen beispielsweise Frauen an Männern die immungenetische Ergänzung für mögliche gemeinsame Kinder. Und zwar um diese optimal gegen Krankheitserreger zu schützen. Das bedeutet aber, dass wir idealerweise ein Parfüm finden, das unseren eigenen Körpergeruch nachahmt und verstärkt. Das hat mit Zitrone, Moschus oder Waldfrucht in der Raumluft nichts zu tun.

Riechzellen blockieren Düfte

Schon nach kurzer Zeit blendet unsere Wahrnehmung Düfte aus.

Wir sind permanent Gerüchen ausgesetzt. Mit Raumdüften setzen wir uns zusätzlich noch Gerüchen aus, die wir als angenehm und schön empfinden. Gerade bei Raumdüften kann das zu einem negativen Effekt führen. Wie an der Ruhr-Uni in Bochum bewiesen worden ist, können unsere Riechzellen auch ganz bewusst die Wahrnehmung blockieren, das heißt wir nehmen auch intensive Düfte nach einer gewissen Zeit nicht mehr wahr, weil wir uns daran gewöhnt haben. Das führt unter Umständen dazu, dass wir den sowieso schon intensiven Duft nochmals verstärken, um ihn wieder wahrzunehmen.

Das Umweltbundesamt in Berlin warnt beispielsweise in einem kürzlich herausgegebenen Ratgeber: "Duftstoffe erfüllen keinen gesundheitlichen Zweck und manche Menschen reagieren sehr empfindlich auf sie. Daher stellen sie eine Belastung für die ideale Raumluftqualität dar." Duftstoffallergien gehören zu den häufigsten Kontaktallergien, eben weil wir diese Stoffe nicht nur über die Nase, sondern auch über die Haut aufnehmen. Außerdem gelangen die Duftstoffe in unsere Lungen, verteilen sich dort und breiten sich im gesamten Körper aus. Etwa 3.000 verschiedene Duftstoffe sind derzeit auf dem Markt und wir kommen mit diesen Sprays, Ölen oder Kerzen in Berührung. Die Frage ist also, ob sie mehr als nur Kopfschmerzen oder Allergien auslösen können. 

Nicht alles, was "natürlich" ist, ist auch gut!

Blumen, Kräuter, Gräser, Bäume oder Harze haben ihre spezifischen Gerüche in der Natur. An diese Duftessenzen hat sich unser Organismus über die Jahrtausende gewohnt. Diese Düfte wirken ganz natürlich auch auf unseren Körper und Geist. Die Aromatherapie versucht diese Wirkung positiv für unser Wohlbefinden zu nutzen.

Lavendel duftet von Natur aus.

Sogenannte ätherische Duftstoffe werden aus Pflanzen oder Pflanzenteilen gewonnen und haben einen signifikanten Geruch, wie zum Beispiel Lavendel, Eukalyptus oder Orange. Dabei ist der Duft einer Vanilleschote natürlich wesentlich komplexer aufgebaut als ein synthetisch hergestellter Duft, der mit Vanillin erzeugt wird. Natürlicher Orangen- oder Kaffeeduft basiert beispielsweise auf jeweils rund 100 verschiedenen, gemischten Komponenten. Bei uns Menschen werden die entsprechenden hundert (von insgesamt etwa 350) Rezeptoren aktiviert, die wir dann in dieser Kombination wiederum abspeichern.

"Unsere Riechzellen können natürlich zwischen einem chemisch produzierten und einem von der Pflanze produzierten Molekül nicht unterscheiden."

Professor Hans Hatt, Deutschlands 'Duftpapst'. von der Ruhr-Universität Bochum

Natürliche Duftstoffe sind daher im Allgemeinen nicht weniger belästigend oder weniger allergieauslösend als synthetisch hergestellte Duftstoffe.

Düfte stimulieren Gehirn

Unbestritten wirken bestimmte Düfte stimulierend auf unser Gehirn. Zitrusdüfte, wie Grapefruit oder Limette, sollen erfrischend und motivierend sein, Lavendel dagegen beruhigend. Gerade im Zusammenhang mit Stressabbau setzt beispielsweise die Aromatherapie auf die entspannende Wirkung von ätherischen Ölen, die in ihren jeweiligen Verbindung über die Luft verbreitet werden. 

In Taiwan haben Forscher an 100 gesunden, jungen Mitarbeitern in verschiedenen Spa-Bereichen in Tapei untersucht, wie Herz und Gefäße auf ätherische Öle dauerhaft reagieren, berichtete das European Journal of Preventive Cardiology (November 2012). Interessant war, dass zu Beginn tatsächlich der Blutdruck und auch die Herzfrequenz zu sinken begannen. Allerdings hielt dieser Effekt nur etwa eine Stunde an, anschließend stiegen sämtliche untersuchten Werte jedoch wieder an und lagen nach knapp zwei Stunden wiederum weit über dem ermittelten Ausgangswert der Probanden. 

Es ist nicht immer ganz klar, welche Inhaltsstoffe in Raumsprays versprüht werden.

Ein großes Problem bei Raumerfrischern oder Sprays, die im Handel erhältlich sind, ist, dass oft nicht klar ausgewiesen ist, welche einzelnen Inhaltsstoffe versprüht werden. Zudem ist noch weitgehend unerforscht, wie die Kombination der Inhaltsstoffe langfristig wirkt. Bestimmte Produkte werben auch damit, über Cyclodextrinderivate Verbindungen, die für unangenehme Gerüche verantwortlichen sind, durch einen Hohlraum in der molekularen Struktur binden zu können; dabei sind sie gleichermaßen wiederum Träger von Duftstoffen.

EU-Richtlinien zu Duftstoffen

Um den Einsatz von Chemikalien, und darunter fallen auch Duftstoffe, innerhalb der EU einheitlich kontrollieren und regeln zu können, gibt es die EU-Chemikalienverordnung REACH. Dabei ergibt sich jedoch das Problem, dass vor allem jene Duftstoffe besonders streng geprüft werden, die besonders häufig, bzw. in großer Menge jährlich produziert werden.

Das Bundesumweltamt in Berlin sieht darin eine Lücke, weil "viele Duftstoffe ihre Duftwirkung schon in sehr geringen Konzentrationen entfalten. Die Lücke besteht also gerade bei solchen Stoffen, die hinsichtlich der biologischen Wirkung über den Riechsinn schon in kleinsten Mengen eine Relevanz für empfindliche Menschen haben." Es gibt natürlich aber auch eine Reihe Duftstoffe, die bereits über die EU- Kosmetikverordnung verboten sind, wie zum Beispiel Moschus Ambrette. Bestimmte Moschusverbindungen sind in der Umwelt nämlich nur schwer abbaubar und reichern sich mit der Zeit in Umwelt, Tier und Mensch an. Weitere, oft verwendete Duftstoffe, die als sensibilisierend eingestuft werden, müssen zudem auf der Verpackung angegeben werden.

Gesundheitliche Auswirkung von Raumdüften

Duftkerzen verbreiten in der Luft nicht nur Duft, sondern auch Schadstoffe.

Immer wieder kritisiert wird, dass Raumdüfte die Verbraucher darüber hinwegtäuschen, dass das Raumklima bereits schwer belastet ist. Verschlechtert wird das Klima nämlich durch die zusätzlichen, chemischen Substanzen, den sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Durch die Verbrennung werden mit Duftkerzen und Duftlampen natürlich auch Ruß, Kohlenmonoxid und Feinstaub erzeugt.

Kerzen aus Paraffin und Duftkerzen verdampfen beim Abbrennen nicht nur Dioxine oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, sondern auch Terpene, Aromaten und Lösungsmittel. Es ist bekannt, dass diese Verbrennungsprodukte nicht nur Schleimhautreizungen oder Kopfschmerzen verursachen, sondern auch das Risiko für chronische Atemwegserkrankungen erhöhen. Das bedeutet, dass bei einer hohen Konzentration von allergenen Duftstoffen Allergien auch über die Raumluft ausgelöst werden können. Ob das auch für niedrigere Konzentrationen gilt, ist noch nicht ausreichend erforscht und deshalb noch nicht nachzuweisen.

Benzol oder Formaldehyd sind weitere bekannte, krebserregende Giftstoffe, die im Zusammenhang mit Raumdüften immer wieder in Verbindung gebracht werden. Bei einem Test von sechzehn  Raumerfrischern (handelsübliche Sprays, Duftkerzen etc.) im Auftrag des Deutschen Allergie- und Asthmabundes wurde Formaledhyd zwar nicht in bedenklichen Konzentrationen nachgewiesen, dafür gaben die meisten Produkte "signifikante Mengen an dem Terpen Limonen an die Raumluft ab. Limonen sind als potentes Allergen bekannt und gelten als (Haut-)reizend und sensibilisierend".

Fazit

Prinzipiell ist nichts dagegen zu sagen, ab und an mal ein paar Tropfen Duftöl in eine Duftlampe zu geben, um damit zuhause eine behagliche Atmosphäre zu schaffen, gerade zur Weihnachtszeit. Allerdings sollte jeder selbst kurz überschlagen, wie viele zusätzliche Duftstoffe täglich nur in den eigenen vier Wänden auf einen einströmen. Schließlich duftet heutzutage beinahe alles. Selbst aus dem Mülleimer kommt noch ein "frischer Zitrusduft". Dass Duftstoffallergien immer häufiger auftreten, scheint nicht sonderlich überraschend angesichts der Fülle an Duftstoffen, denen wir in allen Bereichen unseres Lebens begegnen.

Duftstoffe können über die Atmung in den Organismus gelangen und sich über die Blutbahn im gesamten Körper verteilen. Auch wenn es nur in seltenen Fällen, das heißt bei extrem hohen Konzentrationen, nachgewiesen werden kann, dass auch das Einatmen von Duftstoffen allergische Symptome hervorrufen kann, müssen wir es ja nicht übertreiben. Insbesondere im Kinderzimmer haben Raumerfrischer nichts verloren. Regelmäßiges Durchlüften sorgt für ein wesentlich besseres Raumklima.


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