Bayern 1 - Experten-Tipps


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Ahnenforschung Online nach dem Stammbaum suchen?

Woher kommen wir? Diese immerwährende Frage der Menschheit für sich und seine Familie zu beantworten, wird immer beliebter. Dank Internet ist die Ahnenforschung einfacher geworden. Mit der DNA-Analyse per Speichelprobe wurde sie noch einmal befeuert.

Stand: 27.12.2018

Alte Fotos aus dem Familienalbum | Bild: picture-alliance/dpa

Ahnenforschung im Internet

Das Internet ist für Ahnenforscher ein riesiger Schatz, der immer größer wird. Mit den Aktivitäten in den sozialen Netzwerken hat die Sache einen zusätzlichen Schwung erhalten. "Geni.com" heißt zum Beispiel eine Social-Web-Seite auf dem Genealogie-Sektor. Sie gehört zu dem Unternehmen "MyHeritage". 1 Millionen Mitglieder hat die Seite inzwischen, mehr als 120 Millionen Datensätze sind erfasst. Wissenschaftler haben vor Kurzem dieses Material aufbereitet, weil sie prüfen wollten, ob sich damit überhaupt wissenschaftlich arbeiten lässt. Sie haben einen gigantischen Stammbaum von 13 Millionen Mitgliedern generiert und dabei herausgefunden, dass es im 19. Jahrhundert weitflächig aufhörte, eine Cousine oder einen Cousin zu heiraten, was bis dahin weit verbreitet war. Eine weitere Erkenntnis: Wer ein Langlebigkeits-Gen trägt, lebt rechnerisch fünf Jahre länger als der Durchschnitt - weniger als bisher gedacht.

"Ancestry" heißt die nach eigenen Angaben weltweit größte Online-Quelle für Familien- und Ahnenforschung. 20 Milliarden historische Dokumente und Bilder lagern in der Datenbank, allein 500 Millionen aus dem deutschen Sprachraum. Man kann auf der Plattform Stammbäume erstellen, Suchmaschinen füttern und andere Familienforscher kontaktieren. Die Dienste kosten von 1,99 Euro bis 69 Euro (Stand: 12/2018).

Stammbaum-Kindergrafik

Kostenlos ist die Suche bei "FamiliySearch". Die Plattform wird geführt von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und hält vor allem Dokumente in englischer Sprache bereit. Die Mormonen betreiben seit mehr 120 Jahren in Salt Lake City eine genealogische Gesellschaft. 2007 hat sie ihre Daten ins Netz gestellt.

Anmelden muss man sich überall. Damit gibt man Daten preis. Das muss einem bewusst sein. Deshalb sollte man die Datenschutzbestimmung aufmerksam lesen. Überall wo in der Adresszeile einer Seite „https“ steht, findet eine verschlüsselte Datenübertragung statt. „Hypertext Transfer Protocol Secure“ heißt das: „sicheres Hypertext-Übertragungsprotokoll“.

Je weiter jemand in die Materie der Ahnenforschung eintaucht, umso mehr wird er sich Kenntnisse aneignen, die auch ein Studium der Geschichtswissenschaft oder Archivwissenschaft vermittelt. So wird er zum Beispiel erfahren, dass sich die Akten der Entnazifizierungsverfahren nicht im Bundesarchiv, sondern in den Landesarchiven befinden. Freilich ist nicht alles digitalisiert und im Netz verfügbar. Der Gang zu den papierenen Quellen bleibt demjenigen, der es ganz genau wissen und ein Dokument auch im Original einsehen möchte, nicht erspart.

Das Geschäft mit der DNA-Genealogie

Inzwischen gibt es Projekte, bei den Ahnen- und Genforschung gemeinsame Wege gehen. In Island hat die Firma Decode das Genmaterial von 60 Prozent der Bevölkerung ausgewertet. Aus dem Datenpool konnten die Forscher die DNA des einstigen Sklaven Hans Jonathan rekonstruieren. Der war vor 200 Jahren aus der Karibik nach Island gekommen, eine Ur-Ur-Ur-Enkelin lebt heute noch auf der Insel.  

Symbolbild DNA-Genealogie

DNA-Genealogie kann inzwischen auch der Privatmann betreiben. Man bestellt ein DNA-Kit bei einem Anbieter, spuckt in ein Röhrchen oder macht mit einem Wattestäbchen einen Abstrich und schickt die Speichelprobe zurück an das Unternehmen zur Analyse. Nach ein paar Wochen bekommt man Auskunft über seine Herkunft.

Auf dem Markt konkurrieren mehrere Dienstleister. "Ancestry" preist seinen Test mit den Worten an: "Erfahren Sie auf Basis von weltweit über 350 Regionen, wo Ihre Wurzeln liegen – 2 x so viele geografische Details wie alle anderen DNA-Tests".

"iGenea" hat den nach eigenen Angaben weltweit ausführlichsten Test in seinem Angebot. Er kostet dann auch stolze 1299 Euro.

Bei "MyHeritage" gibt es den Service gerade im Weihnachts-Sonderangebot für 59 Euro, 20 Euro billiger als sonst. "Unsere Technologie vergleicht Ihre DNA Daten mit den DNA Daten anderer und identifiziert gemeinsame genetische Sequenzen, die auf eine eventuelle familiäre Verbindung hindeuten".

Die Ahnenforschung mittels Gentest jedenfalls boomt. Kritiker wenden ein, dass die Ergebnisse die Aussagekraft von Horoskopen hätten. Geliefert würde eine vage Statistik, keine Information über die individuelle Herkunft. Die Entschlüsselung der Identität löst sich auf in Schuabildern zur allgemeinen Menschheitsgeschichte von Völkerwanderung und Seßhaftwerden.

Ahnenforschung und Stammbaum erstellen immer beliebter

Logo der Website "Die Familieforscher"

Timo Kracke hat schon als junger Bursche zur Ahnenforschung gefunden. Der 43-Jährige stammt aus der Nähe von Bremen und arbeitet im Vorstand des Vereins für Computer-Genealogie mit. Seit mehr als 20 Jahren ist er als Familienforscher unterwegs und betreibt seit ein paar Jahren auch eine gleichnamige Website. Er hat seine Abstammung bis ins Mittelalter zurückverfolgt.

Auf seiner Internetplattform kracke.org erfährt man, dass sein Stammbaum 8.163 Personen umfasst, bis 1415 zurückreicht, seine Vorfahren meistens an einem Donnerstag geboren wurden und über die Jahrhunderte im Durchschnitt 52 Jahre alt wurden. Kracke hat einen Blog, einen Podcast und einen Newsletter zur Ahnenforschung am Laufen. Regelmäßig trifft er sich mit Gleichgesinnten auf Genealogen-Tagen in ganz Deutschland und hält Vorträge.

Könnte sein, dass er auch zum nächsten Deutschen Genealogen-Tag fährt. Der findet im September 2019 in Gotha statt, dort, wo der "Gotha" herkommt. Das Nachschlagewerk mit den Stammbäumen Adeliger heißt inzwischen Genealogisches Handbuch des Adels (GHdA). "Besuchen Sie die Wiege der Genealogie", steht in der Einladung zum Genealogenteffen in Gotha. Es kommen nicht wenige zu solchen Veranstaltungen. In den USA ziehen Genealogie-Messen 30.000 Menschen und mehr an.

Imagewandel und Promifaktor

Ariernachweis aus der 1930-Jahren

Das Image der Ahnenforschung hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Es ist nicht mehr vorderhand mit dem Bild staubiger Archive und rassistischer Arier-Nachweise verbunden. Der Nationalsozialismus hatte die Ahnenforschung ja in Misskredit gebracht. Das Blut- und Boden-Image konnte die Ahnenforschung nicht so ohne Weiteres abschütteln.

Im digitalen Zeitalter geht es vielen Herkunftsforschern weniger um den "reinen" Stammbaum und Abgrenzung als vielmehr um die internationale Vernetzung. Im "World Wide Web" sind inzwischen Massen an Daten "gelagert", die aus Melderegistern und Kirchbüchern, aus Passagierlisten und Amtsakten digitalisiert wurden. Oft sind sie frei oder gegen Entgelt für jedermann zugänglich.

Thomas Anders (Mitte) mit Gästen in "Du ahnst es nicht"

Auch im Fernsehen ist das Thema Ahnenforschung schon länger präsent. Das ZDF hat seit Oktober 2018 die Show "Du ahnst es nicht" mit Popstar Thomas Anders im Programm. In der Pressemitteilung zu der neuen Sendung lesen wir: "Er und seine Ahnenforscher nehmen ihre Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit – zu den Wurzeln ihrer Stammbäume. Sie erfahren mehr darüber, woher sie stammen, ob ihre Vorfahren große Persönlichkeiten der Geschichte waren und was sie durchlebt haben: von Hexenverbrennungen, Auswanderungen, Kriegen bis zu Liebschaften."

Schon 2008 lief im Ersten die Dokureihe "Das Geheimnis meiner Familie". Damals ging unter anderen Marie-Luise Marjan ihrer Abstammung nach. Die "Mutter Beimer" aus der "Lindenstraße" war von ihrer Mutter nach der Geburt 1940 zur Adoption freigegeben worden. Erst viel später erfuhr sie davon. Bei den Recherchen zur TV-Reihe kam dann heraus, dass ihr Vater aus Würzburg stammte und ihr Halbbruder im Allgäu wohnt. Über den genauen Hergang der Nachforschungen erzählte sie damals auf der "Blauen Couch" von BAYERN 1.


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