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Helfen Warum Helfen glücklich macht

Rund 5,2 Millionen Menschen in Bayern engagieren sich ehrenamtlich. Sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Ihr Ehrenamt macht glücklich. Warum uns Helfen glücklich macht, erfahren Sie hier. Außerdem: Anlaufstellen, wenn Sie sich auch ehrenamtlich in Ihrer Heimat engagieren möchten.

Stand: 07.03.2019

Alte Hände werden von Jungen gehalten | Bild: mauritius-images

Helfen basiert auf der philosophischen Idee des Altruismus. Augustus Comte definierte Altruismus als Gegenbegriff zum Egoismus. Wer altruistisch handelt, handelt demnach uneigennützig und selbstlos. Seit Jahrzehnten ist Altruismus eine Tugend, also eine sehr wünschenswerte menschliche Eigenschaft, erklärt Diplom-Psychologin Daniela Blickhan.

"Jemandem zu helfen ist eine ganz grundlegende menschliche Tendenz. Kinder tun das ganz automatisch: Sie trösten zum Beispiel jemanden, der weint. Daran erkennt man, dass Helfen nichts Erlerntes, sondern in unserer Natur veranlagt ist."

Dr. Daniela Blickhan, Diplom-Psychologin

Altruistisches Handeln ist nichts anderes als Freundlichkeit. Daniela Blickhan erklärt, dass Freundlichkeit und Dankbarkeit wie zwei Seiten einer Medaille sind. Ist man freundlich, dann wird einem Dankbarkeit entgegengebracht. Ist man dankbar, dann hat man die Kraft freundlich zu sein. Das bestätigen auch viele Forschungen. Sie besagen, dass dankbare Menschen freundlicher sind, als Menschen, die wenig Dankbarkeit empfinden.

Altruismus und Ehrenamt

Leider lässt sich Altruismus nicht einfach so in die Praxis umzusetzen. Selbstlose Taten haben nämlich nur dann eine positive Wirkung, wenn sie aus einer intrinsischen Motivation heraus getan werden. Kurz gesagt: Die gute Tat muss ehrlich gemeint sein, die Freundlichkeit muss aufrichtig sein, die Dankbarkeit muss aus tiefem Herzen kommen. Nur zu helfen, weil man es eben tun sollte oder weil es sich so gehört, funktioniert nicht. Gott sei Dank scheint es aber in Deutschland viele Menschen zu geben, die einen inneren Drang haben, Gutes zu tun:

"In Bayern engagieren sich 47 Prozent der Bürgerinnen und Bürger über 14 Jahre in einem Ehrenamt. Das sind rund 5,2 Mio. Menschen in Bayern."

Freiwilligensurvey Bayern 2014

Der Freiwilligensurvey ist aktuell die größte Untersuchung, die sich mit der Zivilgesellschaft und dem freiwilligen Engagement in Deutschland befasst. Diese Untersuchung wird vom Bayerischen Sozialministerium in Auftrag gegeben und seit 1999 alle fünf Jahre zur Verfügung gestellt. Ehrenamtliches Engagement hat in den vergangenen Jahren signifikant zugenommen. So waren bei der letzten Erhebung 2009 noch rund 36 Prozent der Bevölkerung in einem Ehrenamt aktiv - fast 10 Prozent weniger als 2014.

Vermittlungsagenturen für ehrenamtliche Tätigkeiten

Die LAGFA ist die Koordinationsstelle für fast alle Freiwilligenagenturen in Bayern. Zu den Freiwilligenagenturen kann man gehen, wenn man sich beraten lassen will. Diese schlagen einem dann passende Projekte vor. Auf der Homepage von der LAGFA findet man also die nächstgelegenen Freiwilligenagenturen.

Das LBE hat eine schöne Sammlung an Projekten, die schon nach Kategorien sortiert sind. Wenn man also schon weiß, dass man beispielsweise mit Kindern arbeiten möchtest, kann man diesen Filter setzen und gezielt danach suchen.

Warum macht helfen glücklich?

Dass helfen uns glücklich macht, lässt sich auf verschiedene Arten begründen. Eine Argumentation basiert auf Empathie und der zwischenmenschlichen Beziehung, die beim Helfen entsteht. Bei einer Freundlichkeit verändert sich die Beziehung zwischen dem Helfenden und demjenigen, der die Hilfe annimmt. In der Positiven Psychologie nennt man diesen Vorgang "safe and connect" (Sicherheit und Nähe).

Mann sitzt auf Couch mit Kopfhörer und singt | Bild: mauritius-images zum Artikel Singen Macht glücklich! Und gesund! Warum wir mehr singen sollten

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Alle guten Beziehungen basieren auf Nähe und Sicherheit. Wenn wir uns jemanden verbunden fühlen, dann fühlen wir uns bei ihm sicher, wir vertrauen ihm und wir sind ihm nahe. Wenn Sie jemandem helfen, dann lösen Sie bei Ihrem Gegenüber genau diese Gefühle aus: Sie geben ihm Nähe und Sicherheit. Und weil diese Gefühle auf Sie zurückgespiegelt werden, wird Ihre Beziehung stärker und Sie fühlen sich glücklicher. Der Helfende bekommt das Gefühl, gebraucht zu werden.

Ein weiterer Grund, warum Helfen glücklich macht, ist die gesteigerte Selbstwirksamkeit. Wer jemandem hilft oder eine Freude macht, der hat ein Erfolgserlebnis. Die positive Rückmeldung steigert den eigenen Selbstwert und damit das Wohlbefinden. Es ist sogar noch besser: Das Erfolgserlebnis ist eine sogenannte "positive Selbstwirksamkeitserwartung". Das bedeutet, dass wir von jetzt an davon ausgehen, dass sich Helfen immer positiv auf uns selbst auswirken wird. Laut Diplom-Psychologin Dr. Blickhan hält diese Einstellung gesund und kann Despressionen vorbeugen.

Warum ich mich ehrenamtlich engagiere?

Die Stiftung "Gute Tat" arbeitet mit vielen Ehrenamtlichen zusammen und hat viele davon nach den Beweggründen für das Engagement gefragt: Die Ehrenamtlichen geben an, die Arbeit zu tun, weil sie viel mehr zurück bekommen, als sie investieren. Ihr Lohn ist Dankbarkeit, Anerkennung, Lob, wachsendes Selbstbewusstsein und öffentliche Wertschätzung. Sie hätten durch ihr Ehrenamt neue Kontakte geknüpft und viele neue Erfahrungen gemacht. Das Ehrenamt erweitere den eigenen Horizont.

Diese Ergebnisse werden übrigens nur erziehlt, wenn das Ehrenamt im direkten persönlichen Kontakt stattfindet. Einfach nur Spenden macht in diesem Fall nicht richtig glücklich.

Helfen reduziert Stress

Eine Studie der Emory University ergab, dass Helfen denselben Teil des Gehirns anspricht, wie Belohnungen oder Vergnügen. Während wir etwas Gutes tun, werden nämlich verschiedene Hormone in unserem Körper freigesetzt: Dopamin ist besonders für das Empfinden von Vorfreude verantwortlich, Serotonin wird freigesetzt, wenn wir Anerkennung und Wertschätzung erhalten und das Bindungshormon Oxytocin, wenn wir Verbundenheit und Zusammengehörigkeit spühren.

Währenddessen werden Stresshormone abgebaut. Deshalb kann es sein, dass sich Menschen, die ihre Zeit investieren um anderen zu helfen, weniger gestresst fühlen. Wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA belegen diese Beobachtung: Je sinnvoller die Probanden ihre Zeit verbrachten, desto mehr hatten sie das Gefühl, reichlich Zeit zur Verfügung zu haben.

Richtig helfen

Diplom-Psychologin Daniela Blickhan empfiehlt eine Technik der Positiven Psychologie. Sie nennt sich "Random acts of kindness", also ungeplante kleine Gefälligkeiten im Alltag. Es muss nicht immer die große Heldentat sein, manchmal reicht auch eine freundliche Geste: Halten Sie eine Tür auf, bezahlen Sie im Café eine zweite Tasse Cappuccino, die sie dann verschenken oder heben Sie Müll vom Boden auf. In verschiedenen Studien wurde bewiesen, dass es unser Wohlbefinden deutlich steigert, wenn wir etwas für andere tun. Tun wir dasselbe nur für uns selbst, befriedigt uns das nicht.

In einer weiteren Untersuchung wurde einer Gruppe von Probanden aufgetragen, eine Woche lang jeden Tag eine gute Tat zu tun. Die andere Gruppe sollte nur an einem Tag helfen, dann jedoch gleich fünf Mal. Das Ergebnis: Die geballte Ladung Freundlichkeit an einem Tag steigerte das Wohlbefinden viel mehr, als jeden Tag eine Nettigkeit. Die Probanden der zweiten Gruppe mussten erfinderischer und kreativer sein, um fünf mal an einem Tag zu helfen. Sie beschäftigten sich gedanklich mehr damit als die andere Gruppe. Deshalb empfiehlt Daniela Blickhan einen "Freundlichkeitstag" einzuführen. Nehmen Sie sich einen Tag in der Woche vor, mindestens fünf Menschen zu helfen oder einen Gefallen zu tun. Dr. Blickhan hat einen weiteren wichtigen Tipp:

"Wenn Sie sich ehrenamtlich engagieren, dann fragen Sie sich, ob das, was Sie tun, zu Ihnen passt. Passen die Werte und die Verhaltensweisen meiner ehrenamtlichen Arbeit zu mir? Wenn Sie beim Helfen authentisch bleiben, dann ist die positive Wirkung umso stärker."

Daniela Blickhan, Vorsitzende des Deutschsprachigen Dachverbands für Positive Psychologie DACH-PP


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Sonja Götz, Mittwoch, 16.Januar, 09:46 Uhr

1. Helfen

Hallo BR1-Team,
Mir persönlich ist helfen wichtig (sehr wichtig)! Familär hatte ich zuhause meine Schwiegervater (Lungenkrebs) in spe, den wir mit ihm ,gemeinsam, den letzten weg zuhause bestritten haben und wir haben es gern getan. Zeitgleich seine Frau ( Unsere MAMA) pflegegrad 5 , dement und bettlägerig, auch das tun wir aus vollsten Herzen.
Es gibt sehr viele liebe Menschen, die helfen wollen und es auch tun. Für mich und meiner FAMILIE ist es selbstverständlich dem zu helfen der HILFE benötigt.
Liebe Grüße
Sonja aus der schönen Oberpfalz

P.s. macht weiter so :-)))))