Bayern 1


6

Gipfel Rituale am Berggipfel

Gipfelbuch, Gipfelschnaps und Gipfelbussi - das alles gehört für Viele unumstritten zu einer Bergtour dazu. Doch woher kommen diese Rituale und wie verändert sich der Besuch auf den bayerischen Gipfeln?

Stand: 28.08.2019

Mann und Frau fotographieren sich auf dem Berg | Bild: mauritius-images

Nur noch eine Kurve, dann ist es soweit. Die Bäume lichten sich. Die Gipfel der umliegenden Berge blinzeln schon hinter dem letzten Hügel hervor. Noch ein paar Meter, dann ist der Weg zu Ende und der Blick wird frei auf das hölzerne Gipfelkreuz, das aus dem Felsen heraus in den endlosen Himmel ragt.

Der Moment, wenn man nach einer Bergtour den Gipfel erreicht ist immer wieder ein außergewöhnliches Erlebnis. "Gipfelglück" nennen Bergsteiger die Euphorie, die einem am höchsten Punkt überkommt. Doch wie verhält man sich an den scheinbar höchsten Orten der Welt? Welche Regeln und Rituale gibt es?

Gipfelkreuz berühren

Viele Bergsteiger berühren bei der Ankunft am Gipfel als aller erstes das Gipfelkreuz. Andreas Dick vom Deutschen Alpenverein vermutet, dass hinter der Geste der Drang steckt mit allen Sinnen den Gipfel zu erleben. In dem Moment in dem jemand das Kreuz berührt, zeigt er allen, dass er den Aufstieg wirklich geschafft hat. Das ist der Beweis.

Übrigens nicht auf allen Gipfeln stehen Kreuze. Es gibt auch Eisenstangen, Fahnen, Steinmänner oder Christus- und Marienstatuen. Die Symbole wurden aus ganz unterschiedlichen Intentionen auf die Berge gebracht und dort aufgestellt. Manche haben einen wissenschaftlichen oder grenzpolitischen Ursprung, andere sind Zeichen der Eroberung. Sie können aber auch als Andenken für verunglückte Bergsteiger aufgestellt worden sein. Im bayerischen und österreichischen Alpenraum findet man vorrangig Gipfelkreuze.

Gratulation

Auf dem Gipfel angekommen gratuliert man all seinen Bergsteigerkollegen zu dem gelungenen Aufstieg. Freunde umarmen sich, Paare küssen sich, Männer klopfen sich auf die Schulter und fremde Menschen geben sich die Hand. Zeigen Sie ihren Begleitern, dass Sie stolz darauf sind, die Tour gemeinsam gemeistert zu haben und teilen Sie Ihre Freude.

"Die Schweizer sagen am Gipfel direkt zueinander ‚Gratuliere!‘"

Andreas Dick, Deutscher Alpenverein, Redaktion Panorama und Bergführer

Berg Heil

Ein sehr alter Ausruf, den man auch heute noch auf vielen Gipfeln hören kann, ist "Berg Heil". Damit gratulieren sich seit hundert Jahren die Bergsteiger unterm Gipfelkreuz. Der Ausdruck "Berg Heil" setzte sich ab der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert unter Wanderern durch. Angeblich soll der Wiener Bergsteiger August von Böhm den Ausruf 1881 während einer Tour mit seinen Seilgefährten, den Extremalpinisten Emil und Otto Zsigmondy und Ludwig Purtscheller auf den Olperer erfunden haben.

Heilsgrüße, wie auch "Petri Heil" oder "Waldmannsheil" wurden damals vornehmlich als Glücks- und Segenswunsch gebraucht. Etymologisch stammt das Wort "Heil" aus dem englischen "Hail!", das so viel wie "Grüß dich!" und "Glück dir" bedeutet, erklärt Andreas Dick.

Trotzdem geht der Ausdruck "Berg Heil" dem einen oder anderen etwas schwer über die Lippen, da er sehr an die nationalsozialistischen Grüße "Sieg Heil!" oder "Heil Hitler!" erinnert. Zur Zeit des zweiten Weltkriegs wurden die Heilsausrufe in vaterländischen Liedern, in der antisemitischen Literatur und in der völkischen Jugendbewegung verwendet und damit zweckentfremdet. Trotzdem überdauerte "Berg Heil" die Zeit des Nationalsozialismus und die Entnazifizierung und wird auch heute noch als Gratulation am Gipfel gebraucht.

Gipfelbuch

Wenn der Rucksack am Gipfel abgeschnallt ist und die Bergsteiger einen Sitzplatz zum Verschnaufen gefunden haben, dann bleibt Zeit für das Gipfelbuch, das Gästebuch im Gipfelkreuz. Normalerweise findet man das kleine Notizbuch samt Stift in einer wetterfesten Hülle in einem Blechkasten, der direkt am Gipfelkreuz angebracht ist.  

Früher diente das Buch der Bergrettung um zum Beispiel die Namen von verunglückten oder vermissen Personen am Berg herauszufinden. Ihren Ursprung haben Gipfelbücher in den 1820er-Jahren. Damals begannen Bergsteiger, auf gedruckte Visitenkärtchen Datum, Wetterverhältnisse und ihren Namen zu notieren und dieses als Beweisstück der Besteigung in einer Flasche am Gipfel zu verwahren. Der nächste Gipfelstürmer entnahm der Flasche die Karte, hinterließ eine eigene und schickte die gefundene an den Eigentümer. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Flaschen und Kärtchen dann allmählich durch Metallkassetten mit Büchern ersetzt.

Heute wird in den Büchern nicht mehr ausführlich dokumentiert, wer den Gipfel wann und wo bestiegen hat. Meistens findet man kurze Verse und Reime, kleine Zeichnungen und lustige Bemerkungen zur Wanderung. Sich in das Gipfelbuch einzutragen, ist definitiv zum Ritual geworden.

Brotzeit und Gipfelschnaps

Viele Rituale am Gipfel haben sich aus der Notwenigkeit heraus ergeben. Immerhin ist es der Zeitpunkt einer Bergtour an dem eine Pause gemacht wird. Dazu gehört das verschwitzte T-Shirt zu wechseln, sich hinzusetzen, Wasser zu trinken und die mitgebrachte Brotzeit zu verspeisen. Für Viele ist der Gipfelschnaps ein fester Bestandteil einer Bergbesteigung.

"Schnaps und Alkohol wird immer dann getrunken wird, wenn es etwas zu feiern gibt. Der Gipfel ist definitiv ein Grund zum feiern. Zudem ist Schnaps eine Art Verbründerungsdroge, so werden alle Bergsteiger zu Freunden."

Andreas Dick, Deutscher Alpenverein, Redaktion Panorama und Bergführer

Gipfelfoto

In den letzten Jahren haben sich ein paar neue Rituale und Trends auf dem Berggipfel entwickelt. Für immer mehr Menschen spielt die persönliche, sportliche Leistung eine große Rolle beim Bergsteigen. Sie prüfen auf dem Gipfel den Puls, werfen einen Blick auf das Fitness-Armband und kontrollieren den Zeitplan. Diese Dinge sind wichtig um die eigene Besteigung in Zahlen und Daten festzuhalten.

Der Gipfel ist auch der Ort geworden, an dem man bei einem Tagesausflug Kontakt zu all denjenigen aufnimmt, die Zuhause geblieben sind. Viele führen ein Telefonat oder checken ihre Social-Media-Kanäle. Auch das Gipfelbild spielt eine immer größere Rolle. Es ist der moderne Beweis dafür, dass man den Gipfel erreicht hat und dient auch dazu sein eigenes Erlebnis über Social Media mit all seinen Freunden zu teilen.

Ausblick genießen

Dort am Gipfel liegt einem die Welt zu Füßen. Deshalb sollte man sich natürlich auch einen Augenblick Zeit nehmen, um die grandiose Aussicht zu genießen. Dabei hat man oft das Bedürfnis die umliegenden Berge zu benennen und auch herauszufinden, welche Häuseransammlungen im Tal welchen Namen tragen. Für viele Bergsteiger ist es wichtig sich auf dem Gipfel zu orientieren.

"Für mich ist das Benennen der umliegenden Berge, Täler und Seen wie Puzzle spielen. Dann verstehe ich, wo ich letzte Woche war und wie der Berg aus dieser Perspektive aussieht. So mache ich mich in meiner Bergheimat heimisch und fühle mich sicher."

Andreas Dick, Deutscher Alpenverein, Redaktion Panorama und Bergführer

Nach dem Gipfelglück bleibt einem nur noch der Abstieg. Man verabschiedet sich vom Gipfel, schnallt den leichter gewordenen Rucksack um und wirft einen letzten Blick ins Tal. Auf dem Weg nach unten schmiedet man meistens schon Pläne für die nächste Gipfelbesteigung.

Haben Sie jetzt Lust bekommen auf's Wandern? Dann packen Sie Ihren Wanderrucksack!


6

Kommentare

Inhalt kommentieren

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: