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Feuerwehr Was macht eigentlich die Feuerwehr?

Alle zwei bis zweieinhalb Minuten rückt in Bayern die Feuerwehr aus. Dabei ist das Löschen von Bränden schon lange nicht mehr die größte Aufgabe der Feuerwehren. Was macht eigentlich die Feuerwehr? Plus: "Twitter-Gewitter" aus Bayern!

Stand: 06.02.2019

Kind spielt mit Feuerwehrauto | Bild: mauritius-images

"Wenn ich groß bin, dann werde ich Feuerwehrmann." Kennen Sie diesen Satz? Für viele Männer und Frauen in Bayern ist der Kindheitstraum ein paar Jahre später in Erfüllung gegangen. Heute sind über 315.000 Menschen in Bayern in Feuerwehren aktiv. Vor allem die Anzahl der Feuerwehrfrauen hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Die Feuerwehrler arbeiten ehrenamtlich in ca. 7.600 Freiwilligen Feuerwehren in kleinen Dörfern, Gemeinden und Städten. Die meisten Freiwilligen Feuerwehren gibt es in Oberbayern, dicht gefolgt von Oberfranken.

Wie sind Feuerwehren organisiert?

Alle Freiwilligen Feuerwehren sind öffentliche Einrichtungen der Gemeinden. Die Aufgaben sind im Bayerischen Feuerwehrgesetz festgelegt:

"Der Feuerwehrdienst wird, soweit nichts anderes bestimmt ist, ehrenamtlich geleistet. Feuerwehrdienstleistende haben an Einsätzen, Ausbildungsveranstaltungen, Sicherheitswachen und am Bereitschaftsdienst teilzunehmen und die Weisungen ihrer Vorgesetzten zu befolgen."

Bayerisches Feuerwehrgesetz

Die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr und alle dafür notwendigen Geräte werden von den Gemeinden und Kommunen finanziell getragen. In jeder Stadt, in der mehr als 100.000 Menschen leben, muss es eine Berufsfeuerwehr geben. In Bayern ist das in sieben Städten der Fall: Augsburg, Fürth, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. In manchen größeren Städten haben Freiwillige Feuerwehren auch ein paar hauptamtliche Kräfte, die die Geräte warten und immer einsatzbereit sind.

Welche Aufgaben hat die Feuerwehr?

1. Löschen

Egal, ob der Adventskranz Feuer fängt, ein Heizlüfter zu rauchen beginnt, jemand das Mittagessen auf dem Herd hat stehen lassen oder ganze Wohnhäuser und Bauernhöfe abbrennen, die Feuerwehr ist immer zur Stelle. 19.000 Brände mussten die bayerischen Feuerwehren 2017 löschen. Die Ehrenamtlichen bedienen Feuerlöscher, pumpen Wasser aus Hydranten, löschen aus der Luft mit Helikoptern und wenn es sein muss, dann stürzen sie sich auch mit Schutzkleidung und Atemschutzmasken in die Flammen um Menschenleben zu retten.

2. Technische Hilfeleistungen

Unter technischen Hilfeleistungen versteht der Feuerwehrler alle anderen Gefahren neben dem Feuer. Dazu gehören unter anderem:

  • Unfälle im Straßenverkehr - In diesen Einsätzen sichert die Feuerwehr die Unfallstelle ab, richtet Umleitungen ein oder befreit verletzte Personen aus dem Unfallwagen. Fahrzeuge werden von der Feuerwehr aus dem Straßengraben geborgen und am Ende reinigt die Feuerwehr die Unfallstelle.
  • Unfälle mit gefährlichen Stoffen - Egal, ob bei einer harmlosen Ölspur oder bei größeren Chemieunfällen mit radioaktiven, biologischen oder chemischen Stoffen, die Augebe der Feuerwehren ist es den Schaden zu beseitigen.
  • Die Feuerwehr ist Teil des Katastrophenschutzes. Sie ist im Einsatz bei Hochwasser, Sturm, Starkregen oder Hagel. Dann pumpen sie vollgelaufene Keller aus oder befreien Landstraßen von umgefallenen Bäumen.
  • Natürlich helfen Feuerwehrmänner und -frauen auch bei kleineren Problemen. Sie holen zum Beispiel die ängstliche Katze vom Baum, machen sich auf die Suche nach vermissten Personen und befreien Kühe oder Pferde aus Schneemassen oder anderen misslichen Lagen. An manchen Orten in Bayern beseitigt die Feuerwehr auch Wespennester.

3. Erste Hilfe

Berufsfeuerwehren in Bayern übernehmen in vielen Orten auch den Rettungsdienst. Das bedeutet, dass einige der Angestellten ausgebildete Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten sind. Sie werden bei einem Notruf gemeinsam mit dem Notarzt alarmiert.

Unter der Notruf Nummer 112 erreichen Sie alle Blaulichtorganisationen: Rettungsdienst, Feuerwehr, THW, Bergwacht, Wasserwacht und viele mehr.

Kleinere Ortschaften, die keine eigene Rettungswache haben und vergleichsweise weit entfernt von der nächsten Rettungswache liegen, bilden Ehrenamtliche zu sogenannten "First Responder" aus. Das sind Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen, mit einer Fortbildung zum Einsatzsanitäter. Sie werden in einem Notfall als Ersthelfer alarmiert und überbrücken dann die Zeit bis der Rettungsdienst eintrifft.

4. Sicherheitswache

Im Jahr 2017 leisteten die Feuerwehren in Bayern 52.000 Sicherheitswachen. Dazu zählt die Verkehrsabsicherung bei größeren Veranstaltungen, die Absicherung bei Sonnwendfeuern, Motor- und Luftsportveranstaltungen.

5. Jugendarbeit

Die Feuerwehrgruppen vor Ort übernehmen häufig die Förderung von Kindern und Jugendlichen. Die jungen Feuerwehler treffen sich regelmäßig und werden spielerisch an die Thematik herangeführt. Die Kinder und Jugendlichen lernen im Team zu agieren und finden bei der Feuerwehr neue Freunde. So wird auch die Freude am Ehrenamt gefördert.

6. Lebendiges Dorfleben

Die Freiwillige Feuerwehr ist nicht nur eine öffentliche Einrichtung, sie ist häufig auch als Verein organisiert, der das öffentliche Leben in kleinen Dörfern und Gemeinden aktiv mitgestaltet. Sie organisieren Faschingsbälle, stellen den Maibaum auf, schmeißen Jugendpartys und veranstalten das jährliche Sonnwendfeuer. Durch dieses Engagament ist die Feuerwehr maßgeblich beteiligt an dem gesellschaftlichen Leben auf dem Dorf.

Gibt es genug Nachwuchs?

Leider wird es immer schwieriger, Ehrenamtliche für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr zu begeistern. Deshalb sind viele Feuerwehren werktags durchgehend unbesetzt, da die Mitglieder nicht mehr vor Ort arbeiten und ihre Arbeitsstelle zu weit weg vom eigenen Gemeindegebiet liegt. Wenn also ein Einsatz kommt, dann ist kein Feuerwehrler rechtzeitig da. Aus diesem Grund meldet der Kommandant, also der Chef der Feuerwehr, die sogenannte Tagesstärke der eigenen Mannschaft an die Leitstelle. Diese alarmiert dann im Notfall auch die Feuerwehren der Nachbargemeinden um sicherzustellen, dass genug Feuerwehrler vor Ort sind.

Es wir immer schwieriger Ehrenamtliche für die Arbeit bei der Feuerwehr zu motivieren.

Jedes Jahr werden sogenannte Brandschutzbedarfspläne aufgestellt, die festlegen, wie viele und welche Geräte eine Feuerwehr benötigt. Eine Drehleiter, zum Beispiel, wird nur bei sehr wenigen Einsätzen gebraucht. Deshalb hat nicht jede Feuerwehr eine Drehleiter. Bei der Alarmierung muss also auch dieser Faktor berücksichtigt werden.

Trotzdem ist es nicht so einfach, Feuerwehren zu schließen oder zusammen zu legen. Grund dafür ist die sogenannte Hilfsfrist. Das ist die Zeit, die zwischen dem Eingang einer Meldung und dem Eintreffen der Einsatzkräfte am Unfallort liegt. Dieses Zeitintervall darf in Bayern nur 10 Minuten lang sein. Würde es weniger Feuerwehren geben, dann wären die Anfahrtswege weiter und die Hilfsfrist von 10 Minuten nicht mehr gewährleistet. Deshalb brauchen die Feuerwehren mehr ehrenamtliche Helfer.

Wie kann ich Feuerwehrler werden?

"Den Feuerwehrdienst können alle geeigneten Personen vom vollendeten 18. bis zum vollendeten 65. Lebensjahr in der Gemeinde leisten, in der sie eine Wohnung haben und in der Gemeinde, in der sie einer regelmäßigen Beschäftigung oder Ausbildung nachgehen. In besonderen Fällen auch in den jeweiligen Nachbargemeinden."

Bayerisches Feuerwehrgesetz

Wenn Sie Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau werden wollen, dann können Sie einfach in Ihren Feuerwehrverein vor Ort eintreten. Danach bekommen Sie die Ausbildung, die Sie für Ihre ehrenamtliche Arbeit benötigen. Die Ausbildung wird von der jeweiligen Gemeinde finanziert. Das Bayerische Feuerwehrgesetz bestimmt den Kommandanten zum Leiter der örtlichen Feuerwehrausbildung. Für bestimmte Ausbildungen, wie zum Beispiel die Fortbildung zum Atemschutzträger, gibt es eigene Landesfeuerwehrschulen in Bayern.

Nicht alle Feuerwehrmänner und -frauen sind gleich. Die Mitglieder übernehmen verschiedene Rollen. Es gibt Löschmeister, Oberlöschmeister, einen Kommandanten, Gerätewarte oder Maschinisten, die die Feuerwehrautos fahren und große Pumpen bedienen können. Es gibt auch Gruppenführer, die in einem Einsatz die Rolle des Einsatzleiters übernehmen oder die Besatzung eines Feuerwehrautos leiten. Der Chef aller Gruppenführer ist der Zugführer.

Freiwillige des THW bergen ein Opfer aus den Trümmer eines eingestürzten Hauses. | Bild: BR zum Artikel THW Was macht eigentlich das Technische Hilfswerk?

Das THW feiert Geburtstag - und wir gratulieren mit einem ganz speziellen Ständchen. Plus: Was macht eigentlich das THW? Wo hilft es? Wie kann ich mitmachen? [mehr]

Als Ehrenamtlicher werden Sie bei einem Einsatz von Ihrer Arbeitsstelle freigestellt. Sie müssen Ihrem Arbeitgeber nur Ihre Abwesenheit melden. Dieser ist dann verpflichtet Sie auch in der Zeit eines Einsatzes zu bezahlen. Der Arbeitgeber kann sich, die für ihn entstandenen Kosten von der jeweiligen Kommune rückerstatten lassen. Auch volljährige Schüler und Studenten sind während der Teilnahme an Einsätzen von der Teilnahme am Unterricht und an Ausbildungsveranstaltungen befreit.

"Twitter-Gewitter" am 11.2.

Der 11.2. ist der Tag des Notrufs (112). Unter der Notrufnummer 112 können Sie jederzeit einen Notruf absetzen. Ihr Anruf landet in sogenannten Integrierten Leitstellen. Von dort aus werden alle Blaulichtorganisationen, wie Rettungsdienst, THW, Bergwacht, Wasserwacht, Feuerwehr und viele mehr alarmiert. Den Tag des Notrufs haben sich 41 Berufsfeuerwehren in Deutschland zum Anlass genommen - darunter auch Fürth, Augsburg und München - einen Tag lang über ihre Einsätze auf Twitter zu berichten. Auf Twitter können Sie von Einsätzen bis hin zu interessanten Fakten und charmanten Beobachtungen alles lesen. Hier haben wir einige der Tweets aus Bayern vom "Twitter-Gewitter" für Sie zusammengestellt:

Die Feuerwehr München macht sich Gedanken über das "Studentenleben":

Wie kommt das Radl auf das Schuldach:

Interessante Fakten zur Notrufnummer gab es aus Augsburg:

Katzen-Scherze aus Fürth (und Osnabrück):

Und wieviel Kilometer legen Feuerwehrwagen pro Jahr eigentlich zurück?

Sind Sie auf den Ernstfall vorbereitet? Hier lesen Sie alles über die Grundlagen der Ersten Hilfe.


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