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Erpresser Mail Wurde mein Rechner wirklich gehackt? Das steckt dahinter

Haben Sie die Erpresser-Mail auch schon bekommen? Angeblich wurden Ihr Computer und Ihre Webcam gehackt - und wenn Sie nicht schnell bezahlen, werden Sie vor Ihren Freunden und Verwandten mit einem intimen Video bloß gestellt. Das steckt dahinter.

Stand: 09.12.2018

Frau sitzt am Computer | Bild: mauritius-images

Womit droht die Erpresser-Mail?

"Iсh hаbе diсh еinе Wеilе bеοbасhtеt, wеil iсh diсh in еinеr Wеrbung аuf еinеr Рοrnο-Wеbsitе durсh еinеn Virus gеhасkt hаbе." Ein typischer Beginn für eine der Erpressermails, die seit einiger Zeit in vielen Postfächern landen. Der Schreiber behauptet, dass er einen Trojaner, also eine Schadsoftware, auf Ihrem Rechner installiert hat, er alle Kontaktdaten von Ihren Freunden, Kollegen und Bekannten besitzt und auch Webcam und Mikrofon Ihres Rechners kontrolliert. Er habe zudem ein Video von Ihnen, das zeigt, wie Sie sich pornografische Filme anschauen und dabei masturbieren. Sollten Sie nicht innerhalb von 72 Stunden 500 Euro auf ein Bitcoin-Konto überweisen, droht der Erpresser, das Video an all Ihre Kontakte zu verschicken. Als zusätzliches Druckmittel enthalten manche dieser Mails sogar ein aktuelles oder älteres Passwort von Ihnen.

Was ist dran an den Erpresser-Mails?

"Das ist eine leere Drohung, auf gut Bairisch 'a Schmarrn' ", sagt Thomas Goger, stellvertretender Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg, wo alle Fälle aus Bayern gebündelt und bearbeitet werden. Immerhin rund 1.400 Anzeigen gab es dazu 2018 bisher in Bayern. Laut Thomas Goger ist das aber nur "die Spitze des Eisbergs". Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen und die Ermittlungen der Polizei dauern noch an, denn "der Schmarrn ist eine schwere Straftat, und zwar versuchte Erpressung".

Dennoch besteht kein Grund zur Sorge:

"Es ist in keinem einzigen Fall ein Rechner gehackt worden. In allen Fällen war es eine bloße Behauptung der Täter. Man setzt natürlich darauf, dass - falls derjenige wirkliche Pornos übers Internet angeschaut hat - er verschämt das Lösegeld bezahlen und nicht zur Polizei gehen wird."

Thomas Goger, stellvertretender Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg

Woher haben die Erpresser mein Passwort?

Im Internet gibt es viele Orte, wo komplette Datensätze mit Mailadressen, Zugangsdaten und Passwörtern verkauft werden. Diese stammen meist von Hackerangriffen auf Unternehmen, Shops oder auch soziale Netzwerke und sind, wie bei der aktuellen Erpresser-Mail-Serie, zum Teil auch schon einige Jahre alt. Dennoch verunsichern auch Mails mit "alten", nicht mehr benutzten Passwörtern die Empfänger, erklärt Thomas Goger: "Dadurch, dass die Passwörter verwendet werden, entsteht bei den Empfängern der Eindruck, dass vielleicht doch etwas dahinter steckt, dass sie doch wirklich gehackt worden sind."

Was soll ich jetzt tun?

Bezahlen Sie auf keinen Fall. Und wenn Sie sich die Zeit nehmen können: "Die Polizei ist sehr dankbar, wenn Menschen sich die Mühe machen, solche Fälle anzuzeigen", betont Thomas Goger, "sie helfen uns, den Tätern das Handwerk zu legen." Anzeigen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Wenn das Passwort, das in der Mail angegeben wurde, tatsächlich noch aktuell ist, sollten Sie es schleunigst ändern.

Generell wichtig: Verwenden Sie unterschiedliche Passwörter für die verschiedenen Dienste und Websites, die Sie nutzen. Ein Passwortmanager hilft Ihnen dabei, sie sich zu merken.


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