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In Bayern eingewanderte Tiere Waschbär und Nutria sind Neubayern

Bayern ist ihre neue Heimat: Fremde Tierarten wie Waschbären, Nilgans und Nutria fühlen sich im Freistaat wohl. Bisam und Marderhund ebenso. Diese tierischen Neu-Bayern machen sich in manchen Regionen zu breit.

Stand: 08.01.2018

Junger Waschbär guckt hinter einem Baum hervor. | Bild: picture-alliance/dpa

Sie sind ausgesetzt worden oder ausgerissen, in Frachträumen von Flugzeugen eingereist oder einfach auf vier Pfoten eingewandert: Unsere Tierwelt in Bayern hat über die Jahrzehnte einigen Zuwachs bekommen. Eingewanderte, nicht heimische Tierarten nennt man Neozoen. Manche Neozoen leben unbemerkt in der heimischen Tierwelt, andere sorgen für Probleme. Deswegen gibt es seit 2016 eine EU-Liste, die die als besonders gefährlich eingestuften Tierarten kennzeichnet.

Bestes Beispiel für eine eingewanderte Tierart, die man aktuell gerne wieder loswerden würde, sind die Waschbären. Sie haben sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark vermehrt. Die ersten Paare wurden 1934 in Nordhessen ausgesetzt. Zu diesen ersten Waschbären kamen noch die Ausbrecher aus den Pelzfarmen und diejenigen Exemplare, die sich im Frachtraum von Flugzeugen versteckt hatten, in den Lieferungen fürs US-Militär. Heute leben Waschbären in ganz Deutschland, auch in Bayern. Und sie erobern auch Großstädte für sich.

Waschbären sind mittlerweile in manchen Regionen eine Plage

Waschbären sind, was ihre Nahrung angeht, wenig wählerisch. Sie fressen Vogeleier und Jungvögel, Regenwürmer oder auch gerne Obst direkt vom Baum. Zur Not plündern sie auch Mülltonnen. Auf Nahrungs- oder Wohnungssuche zerlegen Waschbären gerne mal Dämmwände und Verkleidungen, schieben Ziegel vom Dach oder kommen manchmal sogar durch die Katzenklappe ins Haus. Sie sind ausgezeichnete Kletterer.

Waschbären dürfen das ganze Jahr über bejagt werden. 2014 wurden in Bayern 1.035 Waschbären erlegt, 2016 schon über 1.600, so der Bayerische Jagdverband. In ganz Deutschland waren es 2015/16 128.000 Tiere. Vielerorts sind die possierlichen Nachtaktiven eine Plage.

Marderhunde: immer hungrige Allesfresser

Sie kamen aus den Pelzfarmen in Russland und der Ukraine, die Marderhunde. Sie sind sehr anpassungsfähig und sehr, sehr gefräßig. Der erste Marderhund wurde 1982 in Deutschland gesichtet. Die Tiere sind fuchsgroß und haben eine dem Waschbären ähnliche Fellmaske. Sie lassen sich alles schmecken, was unsere heimische Tierwelt zu bieten hat: Vogeleier, Mäuse, Frösche und andere Amphibien. Und sie vermehren sich sehr schnell.

Nutrias leben schon seit den 1920-er Jahren in Deutschland

Ähnlich lang wie die Waschbären leben die Nutrias bei uns. Sie sind seit den 1920-er Jahren bei uns ansässig. Durch die milden Winter haben sie sich stark vermehrt, so Wildtierexperten. Von 2006 bis 2015 hat sich ihr Bestand in Deutschland verdoppelt. Nutria zerwühlen Flußufer, fressen seltene Röhrichtarten und sind Konkurrenten zum Biber, deswegen stehen sie auf der EU-Liste.

Diese Tierarten lieben ihre neue Heimat Bayern

Der Mythos vom bösen grauen Eichhörnchen

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