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Coronavirus Reiserücktritt Wann kann ich Reisen kostenfrei stornieren

Von wem kann ein Land zum Risikogebiet erklärt werden und was bedeutet das? Unter welchen Voraussetzungen kann ich kostenfrei stornieren? Konkrete Infos rund ums Reiserecht in Zeiten von Corona.

Stand: 11.09.2020

Frau steht mit Reisepass an einem Flughafenschalter | Bild: mauritius images

Coronavirus Risikogebiete - so erfahren Sie, ob Ihr Reiseland Risikogebiet ist und ob es eine Reisewarnung gibt

Ob für ein Land eine aktuelle Reisewarnung gilt, das erfahren Sie auf den Webseiten des Auswärtigen Amtes. Auch innerhalb Europas gibt es immer wieder Reisewarnungen - für einzelne Städte, Gebiete oder ganze Länder.

Reiserechtsexperten raten, die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes, die ständig aktualisiert werden, auch deshalb sehr genau zu lesen, um informiert darüber zu sein, welche Bestimmungen am Urlaubsort zum Beispiel in Hinsicht auf Maskenpflicht oder Abstandsregeln gelten. Alternativ kann man auch bei seinem Reiseveranstalter nachfragen.

Für fast alle außereuropäischen Länder gilt bis zum 30. September eine generelle Reisewarnung, danach soll es Einzelbewertungen der Länder geben. Welche Länder als Risikogebiete eingestuft werden, das finden Sie immer aktuell auf der Liste des Robert Koch-Instituts.

Wann wird ein Land Risikogebiet und was gilt für Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet

Das Robert-Koch-Institut stuft Ländern als Risikogebiet ein, wenn mehr als 50 Neuinfaktionen pro 100.000 Einwohner auftreten - kumulativ in den vergangenen sieben Tagen. Wer aus einem solchen Gebiet nach Deutschland einreist, muss sich zwei Wochen in Quarantäne begeben und seit der ersten Augustwoche verpflichtend einen Corona-Test an einem deutschen Flughafen oder beim Arzt ablegen. Mehr Informationen zu Corona-Tests für Urlaubsheimkehrer lesen Sie hier.

Reisen in der Corona-Pandemie: Darum ist eine Auslandskrankenversicherung so wichtig

Grundsätzlich sollte jeder Tourist eine Auslandskrankenversicherung haben. Aber: Lesen Sie das Kleingedruckte und achten Sie darauf, dass Ihre Auslandskrankenversicherung den Pandemiefall nicht ausschließt. Manche Versicherungen gewähren auch keine Leistung, wenn eine Reisewarnung für das Urlaubsland besteht. Lassen Sie sich also vor der Reise von Ihrer Versicherung bestätigen, dass Sie im Krankheitsfall abgesichert sind, raten Rechtsexperten.

Für besondere Fälle ist auch eine Reiseabbruchversicherung vernünftig. Diese greift, wenn man krankheitsbedingt die Reise abbrechen muss. Wenn man dann im Reiseland in Quarantäne oder ins Krankenhaus muss, bekommt man dann zusätzlich wenigstens einen Teil der Reiseleistung erstattet.

Gebuchte Reise in einigen Wochen - kann ich kostenfrei stornieren, wenn ich nicht reisen mag?

Pauschaltouristen können immer dann kostenfrei vom Vertrag zurücktreten, wenn es zu unvorhersehbaren, außergewöhnlichen Umständen kommt, es also erhebliche Beeinträchtigungen oder Gefahren am Urlaubsort gibt und wenn die Infektionszahlen im Urlaubsort auf einmal plötzlich steigen oder auch, wenn kurz vor Reiseantritt eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt für meine Urlaubsregion besteht.

Auch wenn gebuchte Leistungen in einem Hotel, wie Sauna, Kinderanimation oder ähnliches wegen der Situation vor Ort nicht angeboten werden, kann man kostenfrei vom Vertrag zurücktreten.

Anders verhält es sich, wenn die Reisewarnung für mein Urlaubsland aufgehoben wird. Wer jetzt schon seine Reise im Herbst stornieren will, weil er sich Sorgen macht und in Zeiten der Corona-Pandemie nicht verreisen will, könnte auf seinen Stornokosten sitzenbleiben. Entscheidend ist hier der Zeitpunkt des Reiseantritts. Da niemand weiß, wie die Situation in den kommenden Monaten sein wird, ist Geduld und Abwarten angesagt.

Was ist, wenn sich während meines Urlaubs die Corona-Lage wieder verschärft und mein Rückflug gestrichen wird?

Pauschalreisende sind da auf der sicheren Seite. Haben sie Flug und Hotel pauschal gebucht, ist der Reiseveranstalter auch für den Rücktransport der Reisenden verantwortlich und muss diesen bezahlen.

Was kann ich tun, wenn meine Pauschalreise vom Veranstalter gestrichen wird?

Wird ein Pauschalurlaub vom Veranstalter selbst wegen der Corona-Pandemie storniert, sollten Sie die eigenen Schadensersatzansprüche prüfen. Mit etwas Glück bekommen Sie eine Entschädigung für den geplatzten Urlaub.

Die Gutschein-Lösung

Viele Reiseveranstalter, Hotels oder Fluggesellschaften bieten als Entschädigung gerne Gutscheine an. Diese muss man als Reisender nicht annehmen. Man kann auf einer Rückzahlung bestehen. Jedoch unterstützen Sie mit einem Gutschein die Reisebranche natürlich sehr, die durch die Pandemie sehr angeschlagen ist. Diese Gutscheine sind immer bis 31.12.2021 gültig und sollten auch bis dahin eingelöst werden. Wenn nicht, bekommt der Reisende sein Geld zurück, erklären Rechtsexperten. Sollte der Reiseveranstalter in der Zwischenzeit pleite gehen und die Gutscheine verlieren ihren Wert, dann erstattet die Bundesregierung den Wert des Gutscheins, wenn dieser aufgrund der Covid-19-Situation ausgestellt wurde.  

Was nützt eine Reiserücktrittkostenversicherung?

Die Reiserücktrittkostenversicherung hilft nur, wenn Sie selbst tatsächlich am Coronavirus erkranken und damit nicht reisefähig sind. Dies gilt auch, wenn Sie einen Unfall erleiden oder beim Tod eines nahen Angehörigen. Wenn diese Gründe vorliegen, dann schützt Sie eine Reiserücktrittskostenversicherung vor hohen Stornokosten. Und auch hier sollten Sie auf das Kleingedruckte achten: Nicht jede Reiserücktrittsversicherung greift im Pandemiefall. Manche Versicherungen schließen einen solchen Fall explizit aus. Erkundigen Sie sich also vor der Reise bei Ihrer Versicherung. Übrigens: Wenn Sie selbst unter Quarantäne gestellt werden, weil Sie Kontakt mit infizierten Personen hatten, um das Risiko zu minimieren, dann ist das kein Fall für die Reiserücktrittskostenversicherung und Sie müssen meist die Stornokosten selbst tragen.

Das sollten Sie über den Coronavirus wissen: alle Informationen zum Corona-Virus.


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