Bayern 1


57

Corona App So funktioniert die Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App gibt es zum Download in den App Stores. Wie sie funktioniert, wieviele Meldungen es schon gab und wie es mit dem Datenschutz ausssieht.

Stand: 27.07.2020 | Archiv

Symbolbild zur Verbreitung des Corona-Virus | Bild: iStock, Dmytro Varavin

Corona App Entwicklung

Die deutsche Bundesregierung hat beschlossen, eine App von der Telekom und SAP entwickeln zu lassen. Alle Dokumente und Vorgänge sowie der Quellcode während der Entwicklung waren und sind stets öffentlich und transparent, jeder kann also wie beim Auto unter die Motorhaube schauen. Herausgeber der App ist das Robert-Koch-Institut (RKI). Darauf sollten Sie auch beim Download im App-Store, sei es bei Google oder iTunes, auch unbedingt achten: Dass der Herausgeber das Robert-Koch-Institut ist und Sie nicht aus Versehen eine Nachahmer-App laden.

App downloaden

Wenn Sie sich entschieden haben, die App zu nutzen, dann können Sie sie direkt hier downloaden:
Corona-Warn-App im itunes Store
oder:
Corona-Warn-App bei Google Play

Probleme und Fehlermeldungen

"Riesenblamage"! "Vertrauen verspielt"! Nur zwei Schlagzeilen der letzten Tage rund um die Corona App fürs Handy. 16,4 Millionen Deutsche haben sie sich schon runtergeladen (Stand: 27.7.2020) – in der Hoffnung, gewarnt zu werden, wenn es Risiko-Kontakte gibt. Das aber hat nicht so funktioniert wie versprochen. Die App hat sich im Hintergrund nicht regelmäßig aktualisiert, weil das die Betriebssysteme der Handys (egal ob Apple oder Android) nicht zugelassen haben.

"Das ist kein Supergau, weil nicht alle Geräte betroffen waren. Außerdem nützt die App erst bei der zweiten Welle. Man kann froh sein, dass wir noch pünktlich diese Probleme gesehen haben. Und weil die App ja trotzdem funktioniert hat."

Christian Schiffer, BR-Netzexperte

Viele richtige Warnmeldungen beweisen, dass die App funktioniert. Einige Corona-Tests wurden nach einer Warnmeldung gemacht und ergaben positive Ergebnisse. Weitere Infektionsmöglichkeiten wurden so ausgeschlossen, so Schiffer.

"Deutschland ist das einzige Land derzeit, dass eine funktionierende Corona-Warn-App hat. Die App wird sich verbessern, die App wird immer klüger werden, weil man sie trainieren kann. Es wird nicht perfekt sein, aber immerhin ist es etwas, mit dem wir arbeiten können."

Christian Schiffer, BR-Netzexperte

Fehlermeldung bei iPhones

Auf einigen Apple-Geräten erschien regelmäßig eine Systemmeldung, die sagt: "COVID-19-Kontaktmitteilungen werden von "Corona-Warn" in dieser Region möglicherweise nicht unterstützt. Du solltest in "Einstellungen" bestätigen, welche App du verwendest."

Dieser Fehler wurde mittlerweile durch ein Software-Update von Apple behoben, die Meldung taucht nicht nach dem Installieren des Update nicht mehr auf.

Das Robert-Koch-Institut hat zur Corona-App eine Seite mit den häufigsten Fehlermeldungen für iPhones und Android-Handys und deren Ursachen veröffentlicht - FAQ Corona-Warn-App.

Funktioniert die App auf meinem Smartphone

Um zu überprüfen, ob sich die App auf Ihrem Gerät ordnungsgemäß im Hintergrund aktualisiert, müssen Sie Folgendes tun:

Android: Öffnen Sie die App und drücken Sie auf die drei Punkte oben rechts. Wählen Sie in den sich öffnenden Einstellungen "Priorisierte Hintergrundaktivität". Stellen Sie den Regler auf "an", die App wird sich zukünftig automatisch aktualisieren. Um zu sehen, ob alles richtig läuft, suchen Sie die Einstellungen auf Ihrem Smartphone auf. Dort wählen Sie den Menüpunkt "Google" und dann "Covid-19-Benachrichtigungen". Gehen Sie zu "Überprüfung auf mögliche Begegnungen", und bestätigen Sie Ihre Identität. Dann erhalten Sie eine lange Liste mit Daten und Uhrzeiten. Dies zeigt, dass die App richtig funktioniert.

iOS: Öffnen Sie die "Einstellungen" auf Ihrem iPhone. Wählen Sie dann "Datenschutz" und dann "Health". Unter "Covid-19-Kontaktprotokoll" oder "Covid-19-Begegnungsaufzeichnungen" finden Sie den Menüpunkt "Kontaktüberprüfungen" oder "Begegnungsüberprüfungen". Bestätigen Sie Ihre Identität, erhalten Sie eine lange Liste an Daten und Uhrzeiten. Die App funktioniert richtig.

Funktioniert die App im Ausland?

Die App funktioniert, wenn die Menschen um einen herum die App ebenfalls installiert haben. In der Theorie funktioniert dies natürlich auch im Ausland. Sollten Sie also im Urlaub auf viele Deutsche treffen, die diese App installiert haben, werden Sie gewarnt. Je weniger Deutsche, um so geringer die Chance, dass die App "Kontakte knüpfen" kann.

Wie viele Meldungen bisher

Bisher sind wohl bereits über 300 Infektionen über die App gemeldet worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bezog sich bei seiner Schätzung dabei auf "die Zahl der Verschlüsselungscodes", die von der zugehörigen Hotline ausgegeben worden seien, um andere zu warnen. Aus Datenschutzgründen seien keine weiteren Angaben möglich, da die App Daten nur lokal auf dem Smartphone speichert (siehe unten).

Insgesamt wurde die App bisher 16,4 Millionen mal heruntergeladen, so das RKI auf seiner Website (Stand: 27.7.2020).

Auf welchen Geräten läuft die App

Bisher ist die App für Geräte vorgesehen, die iOS oder Android verwenden. Vorraussetzung sind bei Apple die iOS-Version 13.5, die ab dem iPhone 6s funktioniert. Ältere Modelle reichen nicht aus. Android-Handys müssen Bluetooth LE unterstützen und über Android 6 oder eine neuere Version verfügen. Zudem müssen die Google Play Services aktiviert sein, damit die App die richtige Schnittstelle verwenden kann.

Was muss ich tun?

Die App auf dem Smartphone installieren und sicherstellen, dass die Bluetooth-Funktion eingeschaltet ist. Das war's.

Wie funktioniert die Corona-App

Basis der App ist die Bluetooth-Technologie, die man von kabellosen Kopfhörern kennt. Ist diese Funktion auf dem Smartphone eingeschaltet, können im näheren Umfeld andere Geräte mit eingeschaltetem Bluetooth aufgespürt und erkannt werden. Halten sich zwei Geräte länger in diesem Umfeld auf, wird diese Begegnung anonym für 20 Tage gespeichert.

Erkrankt jemand an Covid-19, muss er das in seiner App eingeben. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden erhalten die zuvor gespeicherten Kontake daraufhin eine Warnung sowie den Hinweis, sich testen zu lassen und sich bis zum Testergebnis in Quarantäne zu begeben. Die Gesundheitsbehörden und der Infizierte erfahren hierbei nicht, wer eine solche Warnung erhält.

Missbrauch der App?

Um zu verhindern, dass sich jemand aus Spaßgründen fälschlicherweise als Corona-Patient ausgibt und damit unnötigerweise Menschen in die Quarantäne oder zum Test schickt, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wird das Ergebnis des eigenen Tests an die App direkt geschickt und man erhält die Möglichkeit der Status-Freischaltung. Oder man bekommt mit einem positiven Testergebnis eine Art TAN, um die Postiv-Meldung freizuschalten.

Eine Infektion muss also immer von einem Arzt oder Gesundheitsamt bestätigt werden. Der Datenschutz wird dadurch nicht verletzt, da Covid-19 sowieso eine meldepflichtige Krankheit ist.

Vorteil der Corona App

Die Speicherung der Daten erfolgt ausschließlich lokal auf dem eigenen Smartphone und ist anonymisiert. Im Gegensatz zu Singapur soll nicht einmal eine Handynummer erfasst werden. Auch Bewegungs-, Standort- oder Kontaktdaten bleiben außen vor. Nur im Fall einer Infektion soll es zum Datenaustausch kommen.

"Diese ganzen Faktoren führen dazu, dass es eine außerordentlich datenschutzfreundliche App ist, von der keine Gefahr ausgeht für die Privatssphäre der Nutzer."

Christian Schiffer, BR-Netzexperte

Die Technik soll so punktgenau entwickelt werden, dass die App sogar erkennt, ob zwischen den einzelnen Smartphones eine Wand oder Scheibe vorhanden war. Eine fälschliche Warnung durch zum Beispiel Nachbarn soll somit vermieden werden. Ob das funktioniert oder es doch zu Fehlalarmen kommt, kann aber erst die Praxis zeigen.

Nachteil der Corona App

Mindestens 50, eher 60 bis 70 Prozent der deutschen Bevölkerung müssten sich die App freiwillig installieren und zur Verwendung freischalten, so die Einschätzung des Fraunhofer-Instituts. Nur dann wäre eine Flächendeckung gegeben.

Eine solche App könnte ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Anwender könnten sich zu sehr darauf verlassen, nur auf diese App und weniger auf eigene Symptome oder die Einhaltung der anderen Anti-Corona-Maßnahmen zu achten, so das Forschungsinstitut.

Corona-App in anderen Ländern

In Zeiten des Corona-Virus' wünschen sich viele Menschen mehr Sicherheit, wann und ob sie sich infizieren könnten. Besonders der Aspekt der Vorwarnung beim Kontakt mit Infizierten spielt eine große Rolle. Denn das Tückische am Corona-Virus ist, dass es bei vielen keine oder nur milde Symptome verusacht. Ungewollt stecken wir uns gegenseitig an, so dass eine Kontaktnachverfolgung bei erkannten Infektionen sinnvoll erscheint.

In Asien haben Länder wie Südkorea und Singapur schon länger sogenannte Corona-Warn-Apps im Einsatz. In Südkorea greifen solche Apps dabei sensible Daten von Kreditkarten und Überwachungskameras ab, um Standorte von Infizierten und deren Kontakte zu ermitteln. Das ist mit der deutschen bzw. europäischen Datenschutzverordnung nicht vereinbar, da der Eingriff in die persönliche Privatsphäre nicht erlaubt ist. Zudem ist unklar, wo und ob solche sensiblen Daten gespeichert werden. In Europa wird bereits in Österreich und Frankreich eine App eingesetzt, die wesentlich sensibler mit den Nutzerdaten umgeht.


57