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Bohnen vermehren So einfach gewinnen Sie Ihren eigenen Gemüsesamen

Den eigenen Gemüsesamen zu gewinnen, ist einfacher als man denkt. Wie's funktioniert und welche Arten für Einsteiger geeignet sind.

Stand: 07.08.2020

Eine Frau steckt kleine Samen in Vorziehtöpfe | Bild: colourbox.com

Um eigene Samen gewinnen zu können, müssen Sie zuerst Pflanzen haben, die aus sogenanntem "samenfesten Saatgut" gezogen wurden.

Hybrid oder samenfest

Das weit verbreitete Hybrid- oder F1-Saatgut liefert zwar höhere Erträge, ist in Sachen natürlicher Vermehrung aber eine Sackgasse: Die Samen können nur einmal ausgesät werden, da in der nächsten Pflanzengeneration die sortentypischen Eigenschaften verloren gehen. Samen müssen immer wieder neu nachgekauft werden.

Das sind - im Unterschied zu den üblichen Hybrid-Samen aus dem Bau-, Supermarkt oder Gartencenter - Pflanzen, die ihre sortentypischen Eigenschaften von einer Generation zur nächsten weitervererben. Sie liefern damit auch im nächsten Jahr Früchte, die genauso aussehen und schmecken wie die der Mutter-Pflanze.

Samenfestes Saatgut finden Sie oft in Bioläden, Hofläden, in einigen gut sortierten Gartencentern oder auch übers Internet direkt bei Biosaatgut-Shops. Entscheidend ist der Zusatz "samenfeste Sorte" auf der Samentüte.

Welches Gemüse ist für Einsteiger in die Saatgut-Gewinnung geeignet?

Gut für Einsteiger in die Saatgut-Gewinnung: Tomaten, Erbsen, Bohnen und Salat.

Wenn Sie sich zum ersten Mal mit der Saatgut-Gewinnung beschäftigen, ein Tipp: Versuchen Sie es mit Tomaten, Bohnen, Erbsen, Paprika und Pflücksalat, rät Mara Müller vom Verein "Arche Noah", der sich in Österreich um den Erhalt alter Obst- und Gemüsesorten kümmert.

Wann Samen ernten?

Wichtig, wenn die erste Ernte ansteht: Die Früchte für die Samengewinnung müssen voll ausgereift sein. Bohnen sollten etwa trocken in der Schale rascheln, die Tomaten rot ausgereift am Stock hängen. Und auch, wenn's schwer fällt: Wählen Sie nur die schönsten und besten Früchte für die Samengewinnung aus. Sie sollten genauso aussehen, wie Sie sich idealerweise Ihre nächste Ernte vorstellen. Wer für die Vermehrung nur die Mickerlinge heranzieht, bekommt die Quittung im nächsten Jahr.

Saatgut von Erbsen und Bohnen gewinnen

Samen bei Bohnen und Erbsen erst ernten, wenn die Hülsen rascheln.

Bohnen und Erbsen sind Selbstbestäuber - die nächsten Generationen werden daher mit hoher Wahrscheinlichkeit die gleichen Eigenschaften aufweisen wie die ursprünglich angebauten Pflanzen. Um guten Samen zu bekommen, warten Sie, bis die Hülsen braun und brüchig sind und die Früchte darin trocken rascheln. Dann zwei bis drei Wochen an einem luftigen und schattigem Ort trocknen lassen und in einer beschrifteten Tüte lagern.

Salatsamen gewinnen - Pflücksalat

Pflücksalat kommt im Unterschied zu den Kopfsalaten schon im ersten Jahr zur Samenreife. Dabei sollte man allerdings die Samen nicht von den Blütentrieben nehmen, die als Erste schießen, sondern von denen, die sich damit Zeit lassen, rät Mara Müller. Sonst zieht man sich damit ausgerechnet Pflücksalat-Pflanzen heran, die frühzeitig schießen. Sie sollten warten, bis sich an der Blüte die typischen Löwenzahn-Schirmchen zeigen, dann die Samenstände über einer Schüssel ausschütteln. Danach wie bei Erbsensamen trocknen und lagern.

So gewinnen Sie Paprikasamen - ohne Chili-Einfluss

Etwas umsichtiger muss man mit der Gemüsepaprika umgehen: Sie ist ein potenzieller Selbstbestäuber, kann aber auch von Insekten bestäubt werden. Und das bedeutet: Wenn es in der Nachbarschaft Chili-Pflanzen gibt, können aus den milden Paprika in der nächsten Generation scharfe Schoten werden: Die Schärfe der Chili wird dominant weitervererbt - und falls Chili-Pollen auf der Paprika-Blüte landet, war's das mit dem mildem Geschmack. Wer das vermeiden will, zieht einen (ausgeleerten) Teebeutel über die Blüte und nimmt ihn erst dann wieder ab, wenn der Fruchtansatz sichtbar wird. Das Saatgut ist erntereif, sobald die Farbe umschlägt: Aufschneiden, die Kerne von Fruchtfleisch befreien, trocknen - und in eine beschriftete Papiertüte abfüllen.

Perfekt für Einsteiger in die Saatgut-Gewinnung: So gewinnen Sie Tomaten-Samen selber

Wie Samen richtig lagern?

Dunkel, kühl, trocken - so lagert Saatgut richtig.

Damit das Saatgut möglichst lange keimfähig bleibt, lagern Sie es unbedingt trocken, dunkel und im kühlsten Raum, den Sie haben. Die Samen in Teebeutel oder -filter, Stoffsäckchen oder Papiertüten füllen - genau beschriftet mit Sortennamen und Erntedatum - und diese dann in Gläser oder Dosen packen, die eine Gummidichtung haben.

Vorsicht mit selbst gewonnenem Zucchini-Saatgut

Die Zucchini gehören zu den Kürbisgewächsen, die fremdbefruchtend sind, also oft durch Wind und Insekten befruchtet werden. Ihre Sorten kreuzen sich leicht untereinander - sind also nicht gerade erste Wahl für Einsteiger ins Saatgut-Metier. Wer den Samen eventuell angeboten bekommt, sollte allerdings besonders vorsichtig sein: Vor drei Jahren hat sich ein Rentner an einem Gericht aus selbst angebauten Zucchini vergiftet. Nachforschungen ergaben, dass die Pflanze durch Pollen von Zierkürbissen in der Nachbarschaft bestäubt worden war, und dadurch einen viel höheren Gehalt von gesundheitsschädlichen Bitterstoffen enthielt. Wenn Sie schon eine Pflanze unsicherer Herkunft im Garten stehen haben: Achten Sie auf mögliche Bitterstoffe in der rohen Frucht. Ein winziges Stück probieren, und im Zweifelsfall ausspucken und mitsamt der Pflanze sofort entsorgen. 


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