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Landesamt gibt Entwarnung Betroffene und SPD kritisieren PFOA-Studie Altötting

Betroffene und die SPD kritisieren die PFOA-Studie wegen überhöhter Werte dieser möglicherweise krebserregenden Chemikalie. Das Landesamt für Gesundheit und Umwelt hatte zuvor Entwarnung für die Bevölkerung im Landkreis Altötting gegeben

Von: Martin Binder

Stand: 11.07.2018

Nahaufnahme einer Blutentnahme | Bild: Bayerischer Rundfunk

Die Belastung des Trinkwassers im Raum Altötting mit der möglicherweise krebserregenden Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) ist nicht schädlich für die Menschen der Region. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), die heute präsentiert wurde.

Höhere PFOA-Werte bedeuten keine Gesundheitsgefährdung, so das Amt

Zwar seien fast alle der 965 untersuchten Blutproben höher gewesen als im bayerischen Durchschnitt. Das sei aber nicht mit einer Gesundheitsgefährdung gleichzusetzen, so das LGL. Betroffene Menschen sehen das nicht so. Zum Beispiel Toni Dingl. Er ist Umweltreferent und Stadtrat in Altötting. In seinem Blut wurden 12,39 Mikrogramm pro Liter Spuren von PFOA festgestellt, von Perfluoroctansäure.

Altöttinger Umweltreferent kritisiert sechsfach überschrittenen Grenzwert bei PFOA in seinem Blut

Laut Bundesumweltamt sind 2 Mikrogramm pro Liter der Grenzwert, ab dem zumindest Vorsorgeanstrengungen empfohlen werden, um die Ursache für die Belastung zu ermitteln. Dingl kritisiert, dass sich die Studie auf Durchschnittswerte beziehe, die den konkret Betroffenen nicht weiterhelfen würden. PFOA wird nicht im Körper abgebaut, es wird innerhalb von etwa drei Jahren unverändert über die Niere wieder ausgeschieden. Jetzt gelte das Prinzip Hoffnung, dass es keine Folgen gebe, so Dingl.

SPD - Umweltexperte von Brunn spricht von "mehr als besorgniserregenden Werten"

Ähnlich sieht es SPD-Umweltexperte Florian von Brunn. Von einer Entwarnung könne überhaupt nicht die Rede sein. Die im Blut festgestellten Werte des Umweltgifts seien mehr als besorgniserregend. Sie entsprächen im Durchschnitt dem Zehnfachen des Wertes, den das Umweltbundesamt noch für akzeptabel hält. Die Verharmlosungsversuche müssten endlich aufhören. Die Menschen hätten ein Recht darauf, die ganze Wahrheit zu erfahren und in Zukunft besser geschützt zu werden, so von Brunn in einer Pressemitteilung.

Gesundheitsministerin Huml will erhöhte Werte besser erklären

Gesundheitsministerin Melanie Huml verwies im Gespräch mit dem BR darauf, dass es für die Menschen vor Ort wichtig sei zu wissen, dass erhöhte Werte nicht gleich eine Gesundheitsgefährdung bedeuten würden. Ihnen müssten jetzt ihre einzelnen Werte erklärt werden, dazu sei eine Informations-Hotline eingerichtet worden. Nächste Woche soll es Informationsveranstaltungen in der Region geben.

PFOA belastete Trinkwasserbrunnen werden saniert

Entscheidend sei, so Huml, dass Maßnahmen ergriffen worden seien, um alle Trinkwasserbrunnen zu sanieren. Muttermilchtests laufen laut Huml derzeit noch. Hier stehe noch ein schriftliches Ergebnis der nationalen Stillkommission aus. Nach ersten Erkenntnissen könnten Mütter aber ihre Kinder weiter stillen. PFOA wurde bis zum Jahr 2006 von der Firma Dyneon im Industriepark Gendorf (Landkreis Altötting) produziert und bis 2008 dort noch eingesetzt. Rückstände dieser Chemikalie sind in die Umwelt und letztendlich auch ins Trinkwasser gelangt.

PFOA hat wasser-, öl- und schmutzabweisende Wirkung

PFOA und ihre Vorläufersubstanzen werden verwendet, um Oberflächen wasser-, öl- und schmutzabweisende Eigenschaften zu verleihen, sie werden deshalb in vielen Bereichen eingesetzt, beispielsweise zur Ausrüstung von Textilien und zur Veredlung von Papier. Das Landratsamt Altötting wird die Studie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Freitag im Großen Sitzungssaal des Landratsamts den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden und den Kreistagsmitgliedern vorstellen.

Info für die Bürger in Burgkirchen und beim Spirklwirt

Die Öffentlichkeit soll am 16.07. im Bürgerzentrum in Burgkirchen und am 17.07. beim Spirklwirt in Kastl jeweils um 19.30 Uhr informiert werden.


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