Bayern 1


9

Apps für Schulkinder Nachhilfe per Smartphone - wie erkenne ich eine gute Lern-App?

Lern-Apps gibt es unzählige. Doch wie erkenne ich eine gute App, die meinem Kind beim Lernen hilft? Drei Tipps und Empfehlungen der Experten.

Stand: 22.02.2018

Vater und Tochter sehen sich ein Lern-Video an. | Bild: picture-alliance/dpa

Sinnvolle Lern-Apps

In den Grundschulen ist das Lernen am und mit dem Computer längst ganz normal. Die allermeisten Grundschulkinder sind im Internet unterwegs, auch für die Hausaufgaben. Wikipedia und YouTube gehören heute einfach dazu. Jedes vierte Kind in der Altergruppe sechs bis 13 Jahre sieht sich mindestens einmal in der Woche ein Video auf YouTube zu Themen aus der Schule an.

97 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen haben Zugang zu einem Computer und kommen damit ins Internet, so eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest von 2016. Bei den Teenagern ist das Smartphone das Allroundgerät. An vielen weiterführenden Schulen in Bayern gibt es mittlerweile Tablet-Klassen.

Vom digitalen Klassenzimmer ist es nur ein Schritt zur digital unterstützten Nachhilfe. Doch allzu viel sollten sich Eltern nicht von Lern-Apps erwarten. Lernen am Smartphone kann höchstens eine Ergänzung zu Hausaufgaben und normalem Lernen sein, das betonen alle Experten. Und Nachhilfe durch das Smartphone ist immer nur so gut wie die Auswahl der Lern-App und die Begleitung durch die Eltern, zumindest bis zur Mittelstufe. Es gibt unzählige Apps, die Unterstützung in der Schule versprechen: Lernspiele, digitale Vokabelhefte, Sprachkurse, Apps für bestimmte Fächer wie Mathematik, Nachschlagewerke und Apps mit Erklärvideos. Der Markt ist riesig.

Diese drei Kriterien sollte eine Lern-App erfüllen:

1. App für Kinder - an Alterstufe und Entwicklung angepasst

Sicherheit im Straßenverkehr muss gelernt werden. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Sicherer Schulweg Deshalb sollten Kinder zu Fuß zur Schule gehen

Wer sein Kind mit dem Auto in die Schule fährt, will es meist beschützen - oder ihm den langen Fußmarsch ersparen. Doch Verkehrsexperten warnen, dass das "Elterntaxi" negative Folgen haben kann. [mehr]

Wählen Sie eine Lern-App nach Altersangabe aus und testen Sie sie am besten erst einmal selbst, bevor Sie Ihren Nachwuchs daran setzen. Denn nur, wenn sie sehen, welches Vorwissen das Kind mitbringen muss, können Sie beurteilen, ob ihr Kind mit dem Lernspiel vielleicht über- oder unterfordert ist. Oder ob die App mit viel Werbung nervt.

Die Stiftung Warentest hat 2017 Bestseller-Spiele-Apps getestet und kam zu dem Schluss, dass viele der Apps Kinder zu wenig vor der Kontaktaufnahme durch Dritte schützen und Spieler immer wieder massiv zu In-App-Käufen drängen.

Deshalb sollten Sie unbedingt die Sicherheitseinstellungen am genutzten Gerät wie die Alterbeschränkung aktivieren und auch selbständige "Einkäufe" Ihres Kindes in den Stores einschränken. Wie das geht, steht bei www.surfen-ohne-risiko.net: Sicher mobil.

Apps umtauschen

Gefällt Ihnen die App doch nicht, können Sie sie auch wieder umtauschen: Bei Android-Apps innerhalb von 48 Stunden. Nach dieser Frist verweist Google die Käufer an die Hersteller der Apps.
Im Apple Store kann man App-Käufe sogar bis zu 14 Tage stornieren.

2. Gute Lern-App: verschiedene Schwierigkeits-Level sind wichtig

Eine gute Lern-App sollte verschiedene Level haben. Sonst wird es den Kindern schnell langweilig - neue Anreize sind für den Lernerfolg entscheidend. Die Kinder verstehen die Mechanismen des Spiels normalerweise sehr schnell, aber "lernen" den Inhalt nicht, wenn das Spiel immer gleichförmig abläuft. Gute Apps wecken die Neugier und Kreativität der Kinder.

3. Kein Lernerfolg ohne genaues Feedback

Grundschulkinder besser begleiten bei der Nachhilfe per Smartphone,

Es reicht nicht, wenn die App dem Kind meldet, dass die Anwort richtig oder falsch ist. Das Kind weiß dann nicht, wie es zur richtigen Lösung gelangt und lernt nichts. Eine App kann nicht "sehen", was das Kind nicht versteht. Und versagt dort, wo echte Nachhilfe ansetzt. Gute Nachhilfe - zum Beispiel durch einen Nachhilfelehrer oder einen Mitschüler - schafft es, den Lernprozess des Gegenübers nachzuvollziehen und zu erkennen, wo das Verständnisproblem liegt.

Auch wichtig: Ein Belohnungssystem, das die Kinder für erzielte Erfolge durch höhere "Ränge" oder Punkte belohnt. Wenn es etwas zu erreichen gibt, bleiben die Kinder länger dran.

Lern-Apps Grundschule kostenlos

Das Deutsche Jugendinstitut in München hat über 500 Lern-Apps und Lern-Spiele bewertet: Datenbank Apps für Kinder
Suchen kann man ganz gezielt nach Art der App, Themenbereich und Klassenstufe. Besonders für Vorschul- und Grundschulkinder wird man fündig. Die Apps sind in ihrem pädagogischen Nutzen bewertet und auch zu Sicherheit und Kosten der App gibt es sehr detaillierte Informationen.

Auch auf klick-tipps.net finden sich viele gute Lern-Apps für Kinder bis zehn Jahre - mit detaillierter Bewertung. Die Seite ist eine Kooperation von der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest und dem Bundesfamilienministerium. Die App-Tipps gibt es unter www.klick-tipps.net/eltern/app-tipps/
Suchen kann man nur nach dem Alter des Kindes unter "Filter".

Gemeinsam lesen mit Grundschulkindern

Gemeinsam Lesen ist durch keine App zu ersetzen.

Auch wenn Ihr Kind sehr gerne spielerisch mit Apps lernt, kümmern müssen sich Eltern und Großeltern trotzdem. Das heißt, Ihr Grundschulkind sollte Apps nur in ihrer Anwesenheit nutzen. Gerade bei Grundschülern ersetzt zum Beispiel die Leselern-App nicht das gemeinsame Lesen und Vorlesen.

Gut getestete Nachhilfe Apps

Die Lese-App "Antolin" vom Westermann Verlag wird an Grundschulen häufiger verwendet und von Lehrern empfohlen. Auch die Olchis-App zum ersten Kennenlernen von Buchstaben und Wörtern empfehlen Experten. Beide sind allerdings kostenpflichtig. Bei Antolin lassen sich Klassenlizenzen erwerben.

Mathematik lernen Apps

Von der App "König der Mathematik Junior" gibt es eine kostenlose Lite-Version und eine kostenpflichtige Vollversion. Das Deutsche Jugendinstitut bewertet sie so:

"Die Junior-Variante der bekannten App 'König der Mathematik' vermittelt die Grundlagen der Mathematik mit viel Spielspaß und durchdachter Didaktik. Kinder können in der mittelalterlich gestalteten App-Umgebung durch das Lösen der zahlreichen Aufgaben und Rätsel Punkte und Sterne sammeln. Das Ziel ist klar: Die eigene Spielfigur vom Bauern zum König aufsteigen zu lassen."

Deutsches Jugendinstitut

Wenn Ihr Kind oder Enkelkind vor Prüfungen steht, können Sie ihm helfen: Nervös vor dem Abitur? So helfen Sie Ihrem Kind in der Prüfungszeit


9