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Sonntagsgespräch mit Nena Schink "Instagram macht süchtiger als Zigaretten"

Nena Schink war süchtig nach Instagram, dem sozialen Netzwerk. Die Journalistin wurde für ein berufliches Experiment sogar Influencerin. Im Sonntagsgespräch verrät sie, was das mit ihr machte und wie sie einen Weg herausfand.

Stand: 29.04.2020

"Instagram macht süchtiger als Zigaretten", sagt die Münchner Journalistin Nena Schink. Stundenlang scrollte sie früher jeden Tag durch die gestellten Fotos auf den Instagram-Profilen. Und verglich sich mit den Schnappschüssen fremder Menschen – so wie es viele der mittlerweile insgesamt circa 1 Millliarde Nutzern tun.

Stichwort: Influencer

Das Wort "Influencer" kommt aus dem Englischen: to influence heißt übersetzt "beeinflussen". Als Influencer werden Menschen bezeichnet, die in den sozialen Netzwerken wie Instagram eine starke Präsenz und hohes Ansehen genießen, das sie nutzen, um für Produkte Werbung zu machen oder diese zu vermarkten.

Instagram machte die selbstbewusste Frau unsicher

Für ein Experiment des Jugendportals "Orange" wird die heute 27-Jährige schließlich selbst zur Influencerin. Die selbstbewusste junge Frau wurde auf Instagram plötzlich unsicher.

"Ich habe Freunde gefragt, ist das Bild von mir jetzt gut? Wenn ich keine Likes hatte, habe ich die Bilder wieder runtergenommen. Und ich konnte den Augenblick nicht mehr genießen. Ständig musste ich was tun, um es zu bloggen. Ich war mit meinem Freund im Hotel auf Mallorca. Anstatt den Ausblick zu genießen, musste mein Freund mich fotografieren. Für mich war nur noch wichtig, ein Foto zu machen. Das ist gefährlich."

Nena Schink, Journalistin

Instagram bringe die Menschen dazu, sehr viel von ihrem Privatleben preiszugeben. Auch sie selbst sei schließlich kaum noch von dem sozialen Netzwerk losgekommen. Außerdem traf sie andere Influencer. Denen sei es über Instagram "erfolgreich gelungen, ihre eigene Relevanz zu suggerieren – ohne ein besonderes Talent zu haben." Doch auch sie selbst habe dann bei Freundinnen um Likes und Kommentare gebettelt.

Gegen Selbstdarstellung, für das echte Leben

Nena Schink beginnt schließlich zu hinterfragen, warum eine ganze Generation, die alle Chancen hat, sich von virtuellen Likes abhängig macht. Und sie hat ein Buch darüber geschrieben. "Unfollow – wie Instagram unser Leben zerstört" heißt es und ist im Februar im Verlag Eden Books erschienen. Das Buch sei für alle, die sich gegen Selbstdarstellung und für das echte Leben entschieden haben.

Inzwischen hat Nena Schink ihr Instagram-Profil auf privat gestellt - damit kann sie selbst entscheiden, wer ihr folgt und damit ihre Fotos sieht. Auch verbringt sie nicht mehr so viel Zeit auf Instagram: Waren es früher bis zu zwei Stunden täglich, so sind es heute noch 30 Minuten am Tag.

Zur Person:

Nena Schink wird 1992 in Düsseldorf geboren. Heute lebt sie in München, ist Journalistin und für die Illustrierte Bunte als Society-Reporterin unterwegs. Sie setzt sich privat für das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein.


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