Bayern plus


914

Jupiter, Saturn, Mars und Venus Die vier hellsten Planeten sind im Oktober zu sehen

Von abends bis morgens strahlen im Oktober helle Planeten am Firmament. Abends beeindruckt das Duo Jupiter-Saturn, doch der Star der Nacht ist unser Nachbar Mars, der jetzt in Opposition steht. Nur die Venus als Morgenstern übertrumpft ihn noch.

Von: Heike Westram

Stand: 30.09.2020

Collage der Planeten des Sonnensystems vor dem Sternenhimmel: Saturn, Merkur, Neptun, Venus, Mars, Uranus und Jupiter. | Bild: colourbox.com, NASA

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten von ihnen strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht reflektieren. Da die Planeten unterschiedlich schnell die Sonne umkreisen, wandern sie stetig durch die Sternbilder und liefern sich miteinander so manches Wettrennen. Jeden Monat stehen sie etwas anders, allabendlich wandern sie ein bisschen.

Die Planeten im Oktober im Überblick

Da die Nächte im Oktober deutlich früher beginnen, bleibt uns am Abend das Planeten-Duo Jupiter und Saturn im Süden erhalten. Und die beiden bleiben spannend, denn jetzt rücken sie sich allabendlich näher. Die Nacht gehört unserem Nachbarn Mars, der im Oktober in Opposition steht und so hell ist, dass er sogar den Riesen Jupiter übertrifft. Geübte Beobachter können auch Uranus und Neptun bei ihm finden. Die Morgenstunden gehören nach wie vor der Venus als strahlendem Morgenstern.

Jupiter und Saturn: immer früher, immer enger

Jupiter und Saturn im Oktober

Die beiden Planeten Jupiter und Saturn sind längst nicht mehr so dominant wie in den Sommermonaten. Jetzt im Oktober sind sie nur noch in den frühen Abendstunden zu sehen. Doch weil es immer früher dunkelt, begleiten uns die beiden noch bis in den Dezember hinein. Etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang taucht erst Jupiter in der Abenddämmerung auf, kurz nach ihm dann Saturn, der deutlich dunkler ist. Anfang Oktober können Sie die zwei etwa ab halb acht Uhr abends sehen, zum Monatsende etwa eine Stunde eher, ab halb sieben Uhr (in Winterzeit: ab halb sechs Uhr). Saturn verschwindet dann aber schon vor zehn Uhr abends (neun Uhr in Winterzeit), Jupiter kurz darauf. Anfang Oktober sind beide immerhin noch fast bis Mitternacht im Südwesten sichtbar.

Hell, heller, Jupiter

Jupiter und Saturn links der Milchstraße

Obwohl die beiden Gasplaneten recht tief im Süden (später am Abend im Südwesten) stehen, bleiben sie auffällig: Jupiter ist mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,2 mag weitaus heller als jeder Stern und nicht zu übersehen. Saturn ist zwar bei Weitem dunkler, übertrifft aber immer noch viele Sterne.

Jupiter rückt Saturn immer näher

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Besonders auffällig sind die beiden aber, weil sie so eng stehen: Nur knapp vier Fingerbreit sind Jupiter und Saturn zu Monatsbeginn entfernt. Und im Verlauf des Oktober wandert Jupiter weiter auf Saturn zu, um mehr als einen Fingerbreit. Ende Dezember wird er dicht an seinem Nachbarn vorüberziehen.

Rechts der beiden kann in dunklen, klaren Nächten noch die Milchstraße gesehen werden. Links von Jupiter und Saturn finden Sie das Sternbild Steinbock, wenn der Horizont klar ist.

Vom 21. bis 23. Oktober wandert der zunehmende Mond an den beiden Planeten vorüber und ist am 22. Oktober nur anderthalb Fingerbreit entfernt unter Jupiter zu sehen.

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Roter Nachbar Mars in Opposition

Der Star der Nacht ist im Oktober Mars: Unser äußerer Nachbar im Sonnensystem steht am 14. Oktober in Opposition. Das ist der Moment, wenn ihn die schnellere Erde auf der Innenbahn überholt. Dadurch ist unser Nachbarplanet genau auf der Nachtseite der Erde, wird voll von der Sonne angestrahlt wie der Vollmond und ist zugleich der Erde so nah wie nur alle zwei Jahre. Bis auf 62 Millionen Kilometer rückt die Erde an Mars heran - allerdings schon acht Tage vor der Opposition.

Mars wird sogar heller als Jupiter

Durch die Opposition ist Mars im Oktober besonders hell und groß: Er steigert seine scheinbaren Helligkeit von -2,5 mag noch ein bisschen auf -2,2 mag und ist am Monatsende sogar einen Tick heller als Jupiter - das gelingt sonst unter den Planeten nur der Venus. Im scheinbaren Durchmesser erreicht Mars etwa die Hälfte Jupiters: rund 21 Bogensekunden. Damit ist auch Mars ein dicker Brummer am Firmament.

So weit weg

Das Licht ist
1,3 Sekunden vom Mond,
3,5 Minuten von Mars,
8,3 Minuten von der Sonne,
4,2 Jahre vom nähesten Stern (Proxima Centauri) bis zur Erde unterwegs.

Ähnlich wie der Vollmond ist auch Mars jetzt nahezu die ganze Nacht zu sehen. Anfang Oktober können Sie ihn ab acht Uhr abends finden, bis es nach halb sieben Uhr morgens zu hell für Mars wird. Am Monatsende ist Mars wie Jupiter und Saturn schon in der frühen Abenddämmerung zu finden und bleibt bis halb sechs Uhr morgens (in Winterzeit: halb fünf Uhr) am Firmament.

Mond bei Mars

Mond Anfang Oktober bei Mars

Auch das Mondlicht schreckt Mars nicht. Zweimal kommt der Erdtrabant zum Wettleuchten bei Mars vorbei: Der Vollmond am 1. Oktober hat noch anderthalb Handbreit Abstand zu dem hellen Planeten und nähert sich von rechts. Am 2. Oktober ist der Mond nur noch zwei Fingerbreit von Mars entfernt, am Abend darauf steht er dann links von Mars, mit etwa vier Fingerbreit Abstand.

Mond Ende Oktober bei Mars

Zum Monatsende zieht der zunehmende Mond erneut an Mars vorüber, nähert sich am 28. Oktober bis auf anderthalb Handbreit, steht am 29. Oktober nur noch knappe zwei Fingerbreit entfernt rechts unter Mars, am folgenden Abend links unter ihm, mit einer guten Handbreit Abstand.

Mars hat wenig Konkurrenz um sich am Sternenhimmel, denn er wandert durch die eher unscheinbaren Fische. Einzig das Herbstviereck Pegasus über ihm ist etwas auffälliger. Daher ist auch schwer zu erkennen, wie schnell der Planet durch die Sternbilder wandert: Er zieht im Oktober einige Fingerbreit weit rechtswärts durch die Fische.

Neptun und Uranus für geübte Beobachter

Der helle Mars führt Sie zu zwei weiteren Planeten, die aber längst nicht so einfach zu entdecken sind: Neptun und Uranus sind in seiner Nähe zu finden, der erste etwa drei Handbreit rechts über Mars, der zweite anderthalb bis zwei Handbreit links unter Mars. Allerdings brauchen Sie ein sehr gutes Fernglas mit Stativ oder besser noch ein Teleskop, um diese zwei riesigen, fernen Gasriesen zu entdecken. Die beiden sind so weit weg, dass sie fürs bloße Auge unsichtbar sind. Uranus wäre unter Idealbedingungen theoretisch gerade noch sichtbar, doch so ideal sind die Bedingungen eben nur selten. Neptun, der äußerste Planet im Sonnensystem, ist selbst im Teleskop nur als kleines Scheibchen zu sehen.

In der Aufsuchkarte zu Mars weiter oben sind auch Neptun und Uranus markiert. Beobachten können Sie die beiden Anfang Oktober zwischen neun Uhr abends und halb vier Uhr morgens (Uranus noch länger), am Monatsende ab kurz nach halb acht Uhr abends (halb sieben Uhr in Winterzeit MEZ). Neptun verschwindet dann allerdings schon gegen halb zwei Uhr (halb ein Uhr MEZ) im Horizontdunst, während Uranus zu sehen ist, bis es ihm um Viertel nach sechs Uhr (Viertel nach fünf Uhr MEZ) morgens zu hell wird.

Venus bleibt strahlender Morgenstern

Was die Venus so hell macht

Wenn Mars sich in den frühen Morgenstunden langsam westwärts wendet, erscheint im Osten die Königin von Nacht und Morgen: Venus. Auch im Oktober bleibt sie unser strahlender Morgenstern. Es ändert sich wenig für die Venus. Zwar geht sie tagtäglich etwas später auf, aber da auch die Sonne immer später erscheint, verschiebt sich der Zeitraum, in dem Sie die Venus sehen, nur etwas nach hinten. Anfang Oktober taucht sie gegen vier Uhr morgens über dem Horizont im Osten auf, am Monatsende erst kurz nach fünf Uhr (kurz nach vier Uhr Winterzeit). Zu sehen ist sie bis kurz vor Sonnenaufgang: Anfang Oktober bis kurz vor sieben Uhr, Ende Oktober bis nach halb acht Uhr (halb sieben Uhr MEZ) - zur besten Frühstückszeit.

Hellstes Objekt nach Sonne und Mond

Auch wenn sich die Venus gerade immer weiter von der Erde entfernt auf ihrer Runde um die Sonne, ist sie mit einer scheinbaren Helligkeit von -4,0 mag das hellste Objekt am Himmel, nach Sonne und Mond. Selbst Mars, der gerade in Opposition steht, ist fast zwei Größenklassen dunkler als die Venus. Allerdings schrumpft ihr Scheibchen: Der scheinbare Durchmesser der Venus nimmt im Oktober auf 13 Bogensekunden ab, damit ist sie deutlich kleiner als Mars.

Liebesgöttin dicht beim hellsten Löwen-Stern

Venus passiert Regulus im Löwen

Gleich zu Monatsbeginn hat die Venus eine sehenswerte Begegnung am Firmament, für die Sie allerdings früh aufstehen müssen: In den ersten Oktobernächten zieht die Venus an Regulus vorüber, dem hellsten Stern im großen Frühlings-Sternbild Löwe, das jetzt morgens in der ersten Dämmerung im Osten erscheint. Am 2. und 3. Oktober ist die Venus jeweils nur einen halben Fingerbreit von dem hellen Stern entfernt, tags davor und danach weniger als zwei Fingerbreit. An dieser Begegnung können Sie gut beobachten, wie rasend schnell die Venus durch die Sternbilder zieht, denn unsere innere Nachbarin ist sehr flott unterwegs auf ihrer Runde um die Sonne. Um den Löwen und Regulus zu sehen, muss allerdings der Himmel noch dunkel genug sein - bis etwa sechs Uhr könnte das gehen.

Mondsichel beim Morgenstern

Mondsichel beim Morgenstern

Die zweite schöne Begegnung der Venus ist - wie in jedem Monat - die Zusammenkunft mit der dünnen Mondsichel, diesmal zur Monatsmitte. Am Morgen des 13. Oktober ist der Mond noch eine Handbreit von der Venus entfernt und steht fast senkrecht über ihrem hellen Licht. Am 14. Oktober sitzt die Mondsichel mit nur zwei Fingerbreit Abstand links unter dem Morgenstern, am Morgen darauf dann schon mit anderthalb Handbreit. Das können Sie auch noch in der späten Morgendämmerung beobachten.


914