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Wetterbeeinflussung Die Hagelflieger von Rosenheim

Hagelschlag kann immensen Schaden anrichten. Hagelflieger "impfen" Wolken, damit Hagelkörner möglichst klein bleiben oder sich in Regen verwandeln,. Georg Vogl ist Einsatzleiter Bayerns einziger Hagelfliegerstaffel in Rosenheim - er war zu Gast bei Bayern plus

Von: Sabine Schmalhofer und Bernd Pfauth

Stand: 26.07.2015 | Archiv

Hagelflieger | Bild: BR

Georg Vogl, Hagelflieger in Rosenheim

Georg Vogl ist seit 35 Jahren Einsatzleiter der Rosenheimer Hagelabwehr und natürlich auch slebst Pilot . Von April bis September rücken die Piloten mit ihren speziell umgebauten Fliegern aus. Ihr Einsatzgebiet in Bayern ist rund 4.400 Quadratkilometer groß. Es zieht sich über etwa vierzig Kilometer am nördlichen Alpenrand vom Allgäu bis ins Chiemgau. Statistisch gesehen gibt es in dieser Region sehr viele Hagelgewitter, die erheblichen Schaden anrichten können. Damit dem nicht so ist, werden die Wolken mit Silberjodidrauch "geimpft

Wenige Minuten später: eine Gewitterzelle mit Hagelpotenzial hat sich bildet. Jetzt muss es schnell gehen: am Flugplatz Vogtareuth wartet schon seine Maschine – startbereit für die Hagelabwehr. Insgesamt zwei Maschinene des Typs Partenavia P68 C-TC stehen zur Verfügung Flugzeuge, die bis in eine Höhe von 7.000 m steigen können.

Georg Vogl an der Maschine mit dem besonderene Silberjodid-Generator zur Wolkenimpfung

Es zählt jede Minute: der Pilot sollte bei der Gewitterwolke sein, bevor sich große Hagelkörner bilden können. An den Tragflächen seines Flugzeugs befinden sich zwei so genannte Generatoren: darin befindet sich das "Impfmaterial", Silberjodid.

Hat der Pilot die richtige Flugposition erreicht, setzt er die Mischung aus Silber- und Jodteilchen frei, damit sie durch die Aufwinde in die Wolken hineingezogen werden. Hagelkörner sollen so erst gar nicht entstehen. Aber wie soll das funktionieren?

Die Silberjodidteilchen bilden in der Wolke viele kleine Kondensationskeime, um die sich die Wassermoleküle gruppieren. Je mehr, umso besser, denn so bleibt es bei kleinen Regentropfen oder Graupeln. Und es bilden sich keine großen Hagelkörner. Die können so groß wie Taubeneier werden – ein Alptraum, nicht nur bei Landwirten.

Hochschule Rosenheim

Deshalb versuchte man schon früher, Hagel künstlich verhindern: Italienische Obstbauern schossen bis in die 70er Jahre mit Sprengstoff gefüllte Raketen in die Luft, um durch die Explosion die Hagelkörner zu zersetzen. Auch im oberbayerischen Rosenheim schossen die Menschen vom Boden aus in die Wolken, bis 1975 die Hagelabwehr mittels Flugzeug gestartet wurde.

Prof. Peter Zentgraf

Wichtige Messdaten erhält der Pilot in Echtzeit direkt ins Cockpit. Das gehört zu einem mehrjährigen Forschungsprojekt der Hochschule Rosenheim. Die Wissenschaftler wollen die Arbeit des Hagelpiloten effektiver machen.

"Wir sind eine Art Postbote: Wir transportieren die Messdaten des Deutschen Wetterdienstes in das Cockpit des Piloten. Dort sieht er, wo er ist, und dort sieht er, wo die Unwetter sind. Und er kann sich dann orientieren, wie er fliegen soll."

Prof. Peter Zentgraf, Hochschule Rosenheim, Mess- und Regelungstechnik

Die Forscher haben zudem eine App entwickelt, mit der man den Kurs des Hagelfliegers live verfolgen kann. Die Nutzer können außerdem eigene Wetterbeobachtungen schicken und somit wertvolle Daten liefern für das Einsatzgebiet des Piloten.

Die Hagelabwehr wird finanziert von Gemeinden, Landkreisen und privaten Sponsoren. Jährliche Kosten: rund 230.000 Euro. Ob das Geld gut angelegt ist? Viele sagen ja. Doch es gibt auch Kritik. Beim Deutschen Wetterdienst ist man skeptisch.

"Es gibt Fälle, da ist die Hagelabwehr sicher erfolgreich, aber eben nicht in jedem Fall. Und deshalb sind da noch offene Fragen, die man noch untersuchen und erforschen muss."

Volker Wünsche, Deutscher Wetterdienst

Inzwischen ist der Pilot nach rund einer Dreiviertelstunde wieder sicher gelandet. Sofort wird die Maschine sofort für den nächsten Hageleinsatz vorbereitet. Es könnten sich an diesem Tag noch weitere Gewitter bilden.


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