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Tipps Homöopathie: Was steckt dahinter?

Weil sich immer mehr Patienten sanfte Therapien wünschen, befinden sich homöopathische Mittel seit Jahren im Aufschwung – allen Widerständen und wissenschaftlichen Zweifeln zum Trotz.

Stand: 16.05.2018

Globuli | Bild: picture-alliance/dpa

In der Küche drückt die Zwiebel kräftig auf die Tränendrüsen und lässt die Nase laufen, bevor sie fein gehackt im Salat landet. Verdünnt dagegen findet sie unter dem Namen "Allium cepa" Verwendung als homöopathisches Medikament. "Allium cepa hilft Menschen, die an einem Heuschnupfen mit scharfem Nasensekret und milden Tränen leiden", erklärt Dr. Marieluise Schmittdiel. Die Münchner Allgemeinärztin ist Vorsitzende des Landesverbands Bayern des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte. Seit rund 20 Jahren behandelt sie Patienten mit homöopathischen Mitteln.

Worauf sollte man achten?

"Zudem sollten sich die Symptome im Freien und in der Kälte bessern und bei Wärme verschlimmern", sagt Schmittdiel. Das ist wichtig, denn sollte Wärme die Beschwerden bessern und Kälte sie verschlechtern, oder sollten gar die Tränen scharf, das Nasensekret dagegen mild sein, dann braucht der Patient – nach homöopathischen Kriterien – nicht Allium cepa sondern zum Beispiel Augentrost (Euphrasia).

Gleiches mit Gleichem behandeln

Das Beispiel illustriert das Grundprinzip der Homöopathie, dem sie übrigens auch ihren Namen verdankt: Als der deutsche Apotheker und Arzt Samuel Hahnemann Ende des 18. Jahrhunderts den medizinischen Grundsatz aufstellte, demzufolge Ähnliches Ähnliches heilt, schuf er aus den griechischen Wörtern Homoion (für "ähnlich") und Pathos (für "Leiden") das Wort Homöopathie. "Sie ist eine völlig eigenständige Therapieform und arbeitet mit Einzelarzneien, die am gesunden Menschen geprüft sind und nach der Ähnlichkeitsregel in potenzierter Form verordnet werden", erklärt Allgemeinärztin Schmittdiel das Wesen der Heilkunst.

Rund 2.500 verschiedene homöopathische Arzneien gibt es heute – hergestellt aus Mineralien, Pflanzen, Tieren und Tierprodukten. Jeder dieser Stoffe ruft bei einem gesunden Menschen eine ganz bestimmte Kombination von Symptomen hervor. Und für genau dieses Beschwerdebild eignet sich die Substanz – laut Hahnemanns Lehre – als Heilmittel.

Streitpunkt: wissenschaftliche Beweise

In wissenschaftlichen Kreisen kämpft dieses Therapie-Konzept allerdings bis heute um seine Anerkennung. Viele Untersuchungen widmen sich der Homöopathie, wobei die meisten Studien eine Wirkung bestreiten, die über einen Placebo-Effekt hinausgeht. Dem widersprechen andere Veröffentlichungen, die ihre Wirksamkeit zu belegen scheinen. Nur: Deren wissenschaftlicher Wert wird meist harsch kritisiert. Der Hauptvorwurf lautet: Die üblichen Maßstäbe und Richtlinien klinischer Studien seien nicht eingehalten worden.

Viele Kassen zahlen homöopathische Behandlungen

Die kontroverse und oft sehr emotional geführte Diskussion beschäftigt vor allem Wissenschaftler. Viele Patienten, die auf homöopathische Mittel zurückgreifen, sagen sich vermutlich: Vielleicht hilft es, und schaden tut es auch nicht. Dem zunehmenden Wunsch nach homöopathischer Behandlung tragen viele Krankenkassen Rechnung und übernehmen in die Kosten.


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