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Podcasttipps Erster Pulitzer-Preis für Audios geht an "This American Life"

Der Pulitzer-Preis ist sowas wie der Oscar des Journalismus. Seit mehr als einem Jahrhundert wird er an Journalisten und Autoren vergeben – bisher aber nicht an Radioreporter. Das hat sich heuer geändert. Monika Griebeler stellt den ersten Gewinner in der Kategorie "Audio Reporting" vor.

Von: Monika Griebeler

Stand: 19.05.2020

Ein junger Mann mit Kopfhörern und einem Smartphone | Bild: BR, colourbox.com, Montage: BR

Geschichten von Menschen erzählen, bei denen man geradezu zuhören muss - keiner beherrscht das so gut wie "This American Life".

Host Ira Glass regt zum Nachdenken an und ist dabei oft persönlich – etwa wenn er, wie in Folge 361, "Fear of Sleep", über seine Angst vor dem Tod redet. "Es fing an, als ich sechs Jahre alt war. Mein Onkel Lenny ging nach Vietnam. Und ab da war ich besessen vom Tod", erzählt Glass.

"Ich wusste, dass ich sterben würde, weil ich pummelig war und schlecht in Sport. Und im Fernsehen ging es beim Krieg immer ums Rennen. Nachts lag ich wach, voller Angst davor, einzuschlafen, weil Schlaf schien mir nichts anderes zu sein als der Tod."

Ira Glass, Host von This American Life

Auszeichnung für Folge über Trumps Mexiko-Politik

Die Grundidee von "This American Life": Jeder hat eine spannende Geschichte. Und das Team erzählt sie - seit Mitte der 90er Jahre. Zunächst nur im Radio. Inzwischen gibt es mehr als 700 Folgen - und jetzt den Pulitzer-Preis für Nummer 688, "The Out Crowd".

Die Jury lobte den "aufschlussreichen, innig-vertrauten Journalismus, der beleuchtet, wie sich die 'Bleibt in Mexiko'-Politik der Trump-Regierung auf das Leben der Menschen auswirkt".

Kondome gegen Vergewaltiger

Ira Glass und das Team reden mit Asylsuchenden und Helfern in einem provisorischen Flüchtlingslager an der Grenze von Mexiko zu den USA. Es geht ums Leben – und Überleben.

Eine Krankenschwester zum Beispiel erzählt von einer Frau: Die hat nach Kondomen gefragt, damit sie – bei einer erneuten Vergewaltigung – nicht schwanger wird.

Es geht aber auch um US-Asylbeamte und ihre Arbeit. Einer erzählt: Jetzt würden sie die Menschen nach Mexiko zurückschicken, wo sie vergewaltigt und getötet werden.

Das Team bleibt an den Menschen dran

Gestern hat "This American Life" die Folge nochmal eingestellt – und sie ergänzt mit Updates zu politischen Entwicklungen und wie es den Menschen geht, die sie getroffen haben.

Genau deshalb wäre "This American Life" auch ohne den Pulitzer-Preis meine Hörempfehlung. Denn die Folgen sind aufwendig recherchierter, gut erzählter Journalismus. Und herzerwärmend sind sie oft auch.

Trennungslieder mit Phil Collins

In Folge 339 zum Beispiel, "Break-Up", erzählt Starlee Kine, wie ihr Superstar Phil Collins geholfen hat, ein Trennungslied zu schreiben. Oder Folge 513 - "129 Cars" – wo das Team einen Monat bei einem Autohändler verbringt, der fast schon planwirtschaftlich versucht, in dieser Zeit 129 Autos zu verkaufen.

Nach einer Stunde "This American Life" ist man oft klüger – und wurde auf jeden Fall gut unterhalten. Egal, ob es um Rassenpolitik, das Altern, ungeliebte Fähigkeiten oder um Freizeitparks geht.


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