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Podcasttipps Geschichten gegen den Hass

Viele Deutsche sorgen sich, dass die Gesellschaft immer weiter auseinander driftet - das hat im September auch der ARD-Deutschlandtrend bestätigt. Es scheint zunehmend schwierig, diese Spaltung zu verhindern. Fälle, in denen genau das trotzdem funktioniert hat, erzählt ein neuer Podcast des NDR.

Von: Veronika Süß

Stand: 08.10.2019

Ein junger Mann mit Kopfhörern und einem Smartphone | Bild: BR, colourbox.com, Montage: BR

Bastian Berbner hat Geschichten gegen den Hass gesammelt. So lautet auch der Untertitel seines Podcasts "180 Grad". Darin berichtet er von Menschen, die durch ein Erlebnis ihre Meinung von einer bestimmten anderen Personengruppe komplett geändert und Vorurteile abgebaut haben. Die Quintessenz klingt einfach: Wenn Menschen einander kennenlernen, fällt es ihnen schwerer, sich gegenseitig zu hassen. Beispiele dafür hat der Reporter in mehr als drei Jahren Recherche auf der ganzen Welt gefunden. In einer Folge berichtet er von einem Neonazi, einem Punk und einem Afrikaner, die gezwungenermaßen miteinander in der Wüste sind. Sie müssen sich gegenseitig helfen und es entsteht tatsächlich so etwas wie Freundschaft. Die Idee gilt aber nicht nur für Begegnungen zwischen einzelnen Menschen. Der Podcast zeigt deshalb auch Beispiele dafür, wie der Staat Individuen so begegnet, dass sie ihn nicht mehr als Feind sehen. Zwei Polizisten in der Stadt Aarhus in Dänemark haben beschlossen, gezielt auf Jugendliche zuzugehen, die sich radikalisieren. Sie laden die jungen Männer zum Kaffee ein, reden mit ihnen und stellen ihnen Mentoren zur Seite.

Verblüffende 180-Grad-Wende der Protagonisten

Die Geschichten in diesem Podcast sind zum Teil unglaublich, und trotzdem alle wahr. Durch die Interviews, die Bastian Berbner mit den Protagonisten geführt hat und die immer wieder eingespielt werden, sind die Folgen sehr lebendig erzählt und kurzweilig zu hören, auch wenn sie im Schnitt etwa eine Stunde dauern. Besonders anrührend ist zum Beispiel die aktuelle Folge, die Geschichte eines homophoben irischen Postboten. Er war Teil der verfassungsgebenden Bürgerversammlung vor einigen Jahren. In der ist er auf einen jungen Schwulen getroffen und die beiden sind tatsächlich Freunde geworden. Am Ende hat sich der Postbote sogar in dieser Versammlung für die gleichgeschlechtliche Ehe stark gemacht. Man verfolgt beim Hören mit, wie der Sinneswandel – die 180-Grad-Wende – bei den Menschen in diesen Geschichten abläuft. Das lässt den Hörer an einigen Stellen staunen, bringt aber auch zum Nachdenken. Vier Folgen des Podcasts "180 Grad - Geschichten gegen den Hass" gibt es bereits, drei weitere folgen in den kommenden Wochen noch. Immer zuerst exklusiv in der ARD Audiothek, eine Woche später dann überall, wo es Podcasts gibt.


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