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Jazz-Tipp für April "The State Between us" und mehr

Bigband-Swing ist größtenteils Musik mit einem Bein im Grab, trotzdem lässt sich im Jazz der jüngsten Zeit das Comeback junger Großformationen beobachten. Das gilt auch für die Neuerscheinungen, die Markus Mayer als Jazz-Alben des Monats ausgewählt hat.

Von: Markus Mayer

Stand: 14.04.2019

Illustration: Saxophon und CD  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Matthew Herbert Big Band: "The State Between us"

Matthew Herbert ist ein Engländer, der seinen Status als ausgefallener Künstler gerne zelebriert. Der Pianist und Klangkünstler liebt es - typisch britisch eben - schräge Experimente zu konzipieren, field-recordings zu verfremden oder bis dato unbekannte Klangerzeuger zu verwenden. Angesichts des Brexits hat er, wie viele andere Künstler, ein Album entworfen, das den Austritt aus der Staatengemeinschaft thematisiert.

Natürlich ist Matthew Herbert nicht der Einzige mit einem Brexit-Album. Auch auf "Fool", Joe Jacksons neuem Studio-Album etwa, lässt sich jeder zweite Titel als Brexit-Kommentar verstehen. Für einen spleenigen Typ wie Matthew Herbert bietet das Thema jedenfalls eine Steilvorlage, um gewagte Stil-Assemblagen mit Titeln wie "You’re Welcome Here" oder "Backstop" zu versehen.

Eine seiner besten Veröffentlichungen. "The State Between Us", das neue Opus magnum der Matthew Herbert Bigband, ist bei Caroline/ Universal Music erschienen.

Kendrick Scott Oracle: "A Wall Becomes a Bridge"

US-Schlagzeuger Kendrick Scott hat einen Turntablisten, einen höchstvirtuosen, menschlichen Plattenspieler also, in sein Quintett geholt. Mit einem derartigen DJ, der das gesamte Schallarchiv der aufgezeichneten Musik anzapfen kann, würde Scotts Oracle-Band zu einer Großformation.

Leider nur business as usual, außer ein paar dekorativen Einspielungen nichts gewesen. DJ Jahi Sundance macht das Kraut nicht fett, ansonsten gibt es braven, amerikanischen Jazz in Quintett-Stärke zu hören. Hübsch, harmlos und exzellent aufgenommen, trotzdem funkt es nicht. "A Wall Becomes a Bridge" von Kendrick Scotts Oracle ist bei Blue Note Records erschienen.  

Seit 20 Jahren gibt es die Flat Earth Society, jene Bigband aus Antwerpen, die schon mal Improvisatoren wie den Cellisten Ernst Reijseger und den Saxophonisten Jimi Tenor als Gäste einlud. Zum 20. Jubiläum hat sich Leiter Peter Vermeersch ein Sonderprogramm ausgedacht.

Flat Earth Society: "Untitled #0"

Die Flat Earth Society zieht den langweiligen Bigband-Swing durch den Kakao, die Rhythmusfraktion liefert krumme Rhythmen ab und die Herren Gitarreros lassen es dementsprechend krachen. Mal stimmt FES Kirmesmusik an, veritablen Jazzrock, seltsame Walzer oder man versteigt sich urplötzlich in Lärmattacken. Großer Spaß jedenfalls! Zum 20. Jubiläum veröffentlicht das belgische Igloo Label am 26. April das Doppelalbum "Untitled #0 " der Flat Earth Society.


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