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Freude bei Unterstützerkreis Erleichterung nach Freilassung von Mesale Tolu

Die Neu-Ulmer Journalistin Mesale Tolu kommt unter Auflagen frei. Das hat heute ein türkisches Gericht entschieden. Ihre Unterstützer wie auch Politiker aus Schwaben reagierten mit Erleichterung.

Von: Joseph Weidl und Barbara Leinfelder

Stand: 18.12.2017

Demo für Mesale Tolu | Bild: picture-alliance/dpa

Cengiz Dogan, Sprecher des Unterstützerkreises für Mesale Tolu, atmet nach der Freilassung der Journalistin aus Neu-Ulm erst einmal durch. In einer ersten Reaktion sagte dem BR:

"Wir sind alle erleichtert. Wir haben uns riesig gefreut, mir kommen schon die Tränen."

Cengiz Dogan

Natürlich müsse man jetzt auch nachdenken, mit welchen Auflagen die Freilassung verknüpft sei, so Dogan. Trotzdem überwiege momentan die Freude, nachdem man viele Wochen gekämpft habe. Nach der Entscheidung der türkischen Richter klingelte bei ihm unablässig das Handy. Derzeit ist jedoch noch unklar, wo sich Tolu befindet. Der deutsche Botschafter Martin Erdmann bestätigte, dass es unklar sei, wohin Tolu genau gebracht wurde. Erdmann hatte lange vor dem Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy gewartet und zeigte sich über das Vorgehen der türkischen Behörden empört.

"Wir suchen sie jetzt. Die spielen mit uns ein Versteckspiel."

Martin Erdmann, deutscher Botschafter in der Türkei

Grünen-Politikerin Roth erleichtert

Auch die schwäbische Bundestagasabgeordnete Claudia Roth ist erleichtert über die Entwicklung.

"Ich freue mich von ganzem Herzen für Mesale Tolu und die fünf weiteren Inhaftierten, die heute aus der türkischen Untersuchungshaft entlassen wurden. Nach einer langen persönlichen Tragödie des Bangens und Hoffens in ungewisser Untersuchungshaft ist es für sie ein wichtiger Schritt, sich wieder etwas freier bewegen zu können."

Claudia Roth

Frei sei sie dabei jedoch leider noch lange nicht, so Roth weiter. Darum warne sie auch vor optimistischen Erwartungen, denn Ablauf und Zeitpunkt des Gerichtsverfahrens würden einen unabhängigen Rechtstaat vermissen lassen. Mesale Tolu, Deniz Yücel und viele andere würden von Präsident Erdogan als "politisches Faustpfand" festgehalten.

Weiter politischer Druck nötig

Bundesregierung und EU müssten daher weiterhin allen politischen Druck aufrechterhalten, damit die vielen in der Türkei zu Unrecht festgehaltenen Journalisten, Menschenrechtler und Demokraten frei kommen und ein faires rechtsstaatliches Verfahren erhalten könnten, so die Forderung von Claudia Roth.

"Mesale Tolu muss endlich auch nach Deutschland ausreisen dürfen."

Claudia Roth

Auch Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg freute sich, dass Mesale Tolu das Gefängnis verlassen darf. Die Freude sei aber nicht ungetrübt, weil Frau Tolu nicht ausreisen dürfe, so Noerenberg.

Zuletzt war Tolus inhaftierter Ehemann gegen Auflagen entlassen worden. Wie bei ihr lauteten die Vorwürfe "Verbreitung von Terrorpropaganda" und "Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation".


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Renate E., Montag, 18.Dezember, 15:18 Uhr

1. Teilerfolg.

Da hat es sich doch gelohnt, oder? Grund zum Feiern ist damit genug vorhanden...

  • Antwort von Maria , Montag, 18.Dezember, 16:23 Uhr

    Unsere Agentin endlich wieder frei! Gott sei Dank!

  • Antwort von Andreas , Montag, 18.Dezember, 16:25 Uhr

    Geistige Brandstifterin wieder in der Freiheit? Glück gehabt.

  • Antwort von Squareman, Montag, 18.Dezember, 17:41 Uhr

    @Andreas Das ist keine Freiheit, denn sie darf die Türkei nicht verlassen. Sie ist Journalistin, ist sie deswegen für sie eine geistige Brandstifterin? Der wahre Brandstifter, nicht nur geistig, ist Erdogan.
    @Maria Sie ist Journalistin und keine Agentin. Das sind die unbewiesenen Anschuldigungen Erdogans die sie hier unreflektiert wiederholen.

    Was aber nicht vergessen werden darf ist das aus politischen Gründen tausende in türkischen Gefängnissen sitzen und zehntausende ihre Arbeit verloren haben. Solange Erdogan an der Macht ist wird sich daran auch nichts ändern. Wer das gutheisst soll doch bitte die Koffer packen und ins Paradies zu ihren Führer Erdogan auswandern.

  • Antwort von Banni, Dienstag, 19.Dezember, 11:38 Uhr

    Geehrter "Squareman",
    viell. hat sich "Andreas" unklar ausgedrückt mit geistiger Brandstifterin: Ist in der Türkei zu gefährlich wie Fr. Tolu nun erlebt. Aber schauen Sie sich lieber mal bitte die kurdischen Organisationen in unserem Land an bzw. informieren Sie sich z.Bsp. in Jahresberichten des Verfassungsschutzes jew. Bundesländer.
    Dort können Sie über geistige Brandstiftern hier im Land einiges lesen. Unseren Staat als Schutzschild hernehmen ist natürlich bequem, wird aber unbequem für unser Land, wenn bestimmte kurd. Organisationen selbst diesen Staat in seiner jetzigen Form "abschaffen" wollen. Ich möchte weder hier noch i.d. Türkei e. marxist.-leninist. Regierungsform
    Da muss man also nicht gleich Koffer packen bringen.
    Zutreff. Unrechtszustände i.d. Türkei sind eine Sache, die natürlich Respekt vor Personen wie Frau Tolu fordert, die darauf aufmerksam macht.
    Die andere Sache ist eben auch das Bestehen v. radikalen kurdischen Organisationen (AGIF-AvEG-Kon) in Deutschland.