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Klassik-CD-Tipp "Silver Age" - Trifonov spielt Werke von Prokofjew, Strawinsky und Skrjabin

Er wird mit Ende 20 jetzt schon als einer der großen Pianisten des 21. Jahrhunderts gefeiert. 2011 gewann er den legendären Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb. Mittlerweile lebt er in seiner Wahlheimat New York und ist auf den internationalen Podien gefragt: Daniil Trifonov. Geboren in der russischen Stadt Nischni Nowgorod, studierte Trifonov zunächst in Moskau, später in den USA. Sein aktuelles Doppelalbum ist eine Hommage an die Musik seines Heimatlandes und ist als seine neunte Publikation bei der Deutschen Grammophon erschienen.

Von: Meret Forster

Stand: 13.11.2020

Illustration: Klassik-CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Diese Musik fließt und ist dabei unglaublich reich an melodischen, harmonischen und motivischen Ideen. Alexander Skrjabin komponiert sein einziges Solokonzert innerhalb einer Woche. Er ist damals im Jahr 1896 gerade mal 24 Jahre jung. Rückblickend ist das Stück ein Werk des Übergangs: Gefühlsbetonte romantische Sehnsucht verschmilzt mit gewagteren Harmonien und individuellem Ausdrucksbedürfnis.

Skrjabins Klavierkonzert

"Skrjabin komponiert, als würde er improvisieren", meint Daniil Trifonov im Booklet. Skrjabin war früher Trifonovs Lieblingskomponist. Wegen seiner Musik hätte er das Klavier überhaupt erst ernst genommen, meint der russische Pianist. Dafür kann man jetzt nur dankbar sein. Zusammen mit dem Mariinsky Orchestra und unter Leitung von Valery Gergiev erkundet Trifonov bezwingend Skrjabins Klavierkonzert, gestaltet unheimlich differenziert die vielseitige Farbpalette und lässt nach der Klangwucht des Beginns im Mittelsatz Thema und Variationen in glänzendem Licht ertönen.

Silbernes Zeitalter

"Silver Age" - Silbernes Zeitalter - heißt Trifonovs Doppelalbum. Der Starpianist vereint unter diesem Motto Musik von Skrjabin, Strawinsky und Prokofjew. Skrjabins Klavierkonzert ist das einzige Stück aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die anderen Werke: Prokofjews 2. Klavierkonzert, seine Sarkasmen und 8. Klaviersonate, Strawinskys Serenade, Feuervogel und Petruschka. Diese Stücke erinnern an eine Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, in der russische Musiker, Autoren und Künstler mit originellen Kreationen von sich Reden machten. Vieles bündelte sich um Sergej Diaghilew, dem Gründer der Ballets Russes. Er war wichtiger Initiator und Anreger vieler Kompositionen: Diaghilew programmierte die Uraufführung von Skrjabins Klavierkonzert im Rahmen seiner Pariser Konzertreihe. Er beauftragte Strawinskys "Feuervogel". Er lernte 1914 in London den jungen Sergej Prokofjew kennen, als Europa bereits taumelnd am Abgrund des Ersten Weltkriegs stand.

Einzigartig pianistisches Können

Daniil Trifonov beleuchtet mit der Referenz an das russische Silberne Zeitalter wichtige musikalische Etappen der 1910er und 20er-Jahre und die daraus folgenden weitreichenden Entwicklungen. Und er bringt die Klaviermusik der drei russischen Komponisten in ihrer kreativen Eigensprachlichkeit brillant zum Klingen: Mal mit saftiger Geste, dann bizarr, blitzblank und ironisch, aber momentweise auch intim und zurückhaltend. Mag sein, dass Trifonov diese vor etwa hundert Jahren geschriebene Musik durch seine Ausbildung besonders vertraut und nahe ist. Sympathisch ist die keineswegs nach reinen Popularitätskriterien getroffene Albumzusammenstellung, einzigartig das pianistische Können. Allein die Aufnahme des Skrjabin-Konzerts hat schon jetzt Referenzcharakter.

Angaben zur CD

Daniil Trifonov - Silver Age - Skrjabin, Strawinsky, Prokofjew
Mariinsky Orchestra
Leitung: Valery Gergiev
Label: Deutsche Grammophon


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