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Klassik-CD-Tipp Joseph Haydn: Missa Cellensis

Haydns Chormusik hat mehr zu bieten als nur die "Schöpfung" und die "Jahreszeiten" – zum Beispiel dien frühe Missa Cellensis. Langeweile kommt hier keine auf, zumal wenn die Solisten, der RIAS Kammerchor und die Akademie für Alte Musik Berlin unter der sprudelnden Leitung von Justin Doyle so zupackend, frisch und energisch zu Werke gehen.

Von: Ursula Adamski-Störmer

Stand: 10.01.2020

Illustration: Klassik-CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Er hatte es geschafft. Man schrieb das Jahr 1766, Joseph Haydn war gerade 34 Jahre alt, und das Schicksal wollte es, dass er nach dem Tod des alten Hofkapellmeisters Gregor Joseph Werner dessen Erbe als neuer Hofkapellmeister derer von Esterhazy im burgenländischen Eisenstadt antrat. Eine Lebensstellung!

Warum aber begann er er nun ausgerechnet im selben Jahr mit seiner Missa Cellensis, die offenbar von der Wallfahrtskirche Mariazell inspiriert war, die er schon als 20-jähriger aufgesucht hatte, um dort Sängerknabe zu werden? Erfolglos seinerzeit. Die Esterhazys hatten mit Mariazell rein nichts zu tun. Die Beweggründe sind unklar. Vielleicht war es einfach nur ein überschwänglicher Lobgesang, ein ganz persönlicher Dankgottesdienst Haydns für den Job seines Lebens!

Missa Cellensis in honorem Beatissimae Virignis Mariae, die große Mariazeller Messe oder vielfach auch mit dem nicht authentischen Titel Cäcilienmesse belegt - ein Werk noch ganz der Tradition verhaftet, aber auch schon vorsichtig auf die späten sinfonischen Messen verweisend. Stark in den Affekten, heiter-jubilierend und versonnen-andächtig. Langeweile kommt hier in den 17 Sätzen keine auf. Umso weniger, wenn die Solisten, der RIAS Kammerchor und die Akademie für Alte Musik Berlin unter der sprudelnden Leitung von Justin Doyle so zupackend, frisch und energetisch zu Werke gehen.

Nicht nur, weil auch diese frühe Messe Joseph Haydns gegenüber seinen späteren eher ein aufführungspraktisches Schattendasein fristet, sondern weil sie von ansteckend-begeisterndem Lobpreis durchdrungen ist, ist diese neue Scheibe für ein festlich-strahlendes Weihnachtsfest wie gemacht! Zum Lobe der Jungfrau Maria und seines Schöpfers Joseph Haydn.


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