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Klassik-CD-Tipp Die Pianistin Yaara Tal und ihr Album "Liebe? Hommage an Clara Schumann"

Am 13. September jährt sich der Geburtstag von Clara Schumann zum 200. Mal - nicht nur in ihrer Geburtsstadt Leipzig wird das Jubiläum groß gefeiert. Auf ihrer 3. Solo-CD für SONY hat die israelische Pianistin Yaara Tal, immer schon gut für außergewöhnliche Programmideen, eine beziehungsreiche Hommage zum 200. Geburtstag von Clara Schumann zusammengestellt. Das Album mit dem fragenden Titel "Liebe?" ist in Koproduktion mit BR-KLASSIK entstanden. Diesmal hat Yaara Tal auch ein paar Gäste dazu gebeten – fürs vierhändige Klavierspiel natürlich ihren Duo- und Lebenspartner Andreas Groethuysen.

Von: Fridemann Leipold

Stand: 06.09.2019

Illustration: Klassik-CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Die Webenau liebt mich" hat Robert Schumann seinem Tagebuch anvertraut. Und gegenüber seiner Clara bezeichnete er die Komponistin sogar als "gefährliche Nebenbuhlerin": Scherz, Satire, Ironie oder tiefere Bedeutung? Auf ihrer Forschungsreise rund um das Liebes- und Ehepaar Schumann ist Yaara Tal auch auf zwei Fantasiestücke von Julie von Webenau gestoßen, einer Verehrerin von Robert Schumann. Ihm hat sie ihre beiden Stücke gewidmet, die wie Chopin light wirken – was Yaara Tal durch ihr ausdrucksstarkes, nuancenreiches Klavierspiel vergessen lässt. Tiefgründiger wirken die drei Romanzen der jungen Pianistin und Komponistin Clara Wieck, die sie ihrem Verlobten Robert zugedacht hat. Ein leidenschaftlicher, auch schmerzlicher Ton äußert sich da – der Kampf mit Vater Wieck um ihre Ehe hat Spuren hinterlassen.

Roberts Schüler und Claras Klavierpartner Theodor Kirchner wiederum widmete ihr eine Reihe von Präludien. In diesen pianistisch anspruchsvollen Charakterstücken kann sich Yaara Tal von ihrer brillanten Seite zeigen.

Wer hat hier eigentlich wen geliebt? In ihrer raffinierten Zusammenstellung von Widmungsstücken geht Yaara Tal dem verschlungenen Beziehungsgeflecht im Hause Schumann nach. Da darf Johannes Brahms natürlich nicht fehlen, der Clara in unausgesprochener Verehrung zugetan war. Seine "Variationen über ein Thema von Robert Schumann" hatte Brahms als Requiem auf den Freund konzipiert. Gewidmet hat er sie allerdings der dritten Tochter der Schumanns, Julie – auf die er ein Auge geworfen hatte. Im kongenialen Zusammenspiel von Yaara Tal und Andreas Groethuysen kommt die Poesie in diesem vierhändigen Gedenkstück wunderbar zur Geltung.

Als Julie Schumann dann einen italienischen Grafen heiratet, überreicht ihr der verbitterte Brahms seine düstere "Alt-Rhapsodie" nach Goethes "Harzreise im Winter" – mit dem einsamen Wanderer der Textvorlage konnte sich Brahms allemal identifizieren. Zur Abrundung ihrer stimmigen Hommage an Clara Schumann fand es Yaara Tal glaubwürdiger, die tragende Altpartie mit einem männlichen Protagonisten zu besetzen – und konnte den balsamischen Tenor Julian Prégardien für ihr Experiment gewinnen. Der Männerchor, der bei Brahms in das finale Gebet einstimmt, wurde konsequent durch den Frauenchor des Bayerischen Rundfunks ersetzt. Und das Orchester vertritt souverän Yaara Tal – ganz allein am Klavier. Diese "Tenor-Rhapsodie" ist gendertechnisch und musikalisch ein starkes Statement!

Angaben zur CD

“Love? Homage to Clara Schumann”

- Julie von Webenau: “L’Adieu et le Retour”, Morceaux de Fantaisie für Klavier op. 25
- Clara Wieck-Schumann: Trois Romances für Klavier op. 11
- Theodor Kirchner: Präludien Nr. 10, 11 und 13 aus 16 Präludien für Klavier op. 9
- Johannes Brahms: Variationen über ein Thema von Robert Schumann für Klavier zu vier Händen op. 23
- Johannes Brahms: Rhapsodie für Alt, Männerchor und Orchester op. 53 in einer Fassung für Tenor, Frauenchor und Klavier

Yaara Tal, Klavier
Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen
Julian Prégardien, Tenor
Chor des Bayerischen Rundfunks
Einstudierung und Leitung: Yuval Weinberg

Label: Sony


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