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Klassik-Tipps Claudio Abbado und die Wiener Philharmoniker mit Schubert-Symphonien

"Abbado Rediscovered": Hinter dem Titel dieses Albums verbirgt sich ein Konzertmitschnitt mit Claudio Abbado und den Wiener Philharmonikern von 1971 - Archivschätze, die erst jetzt zum fünften Todestag von Abbado gehoben wurden. Franz Schuberts Musik war und ist natürlich ein Heimspiel für die Wiener Philharmoniker. Abbado dirigierte damals eine italienisch leichte 5. Symphonie und eine abgründige "Unvollendete".

Von: Fridemann Leipold

Stand: 11.01.2019

Illustration: Klassik-CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Italienisch leicht, spritzig und con brio: So hört sich Claudio Abbados Wiener Schubert 1971 an. Allerdings ist Franz Schuberts frühe 5. Symphonie auch ein eher unbeschwertes Stück. Eine Mozart-Hommage voller Charme und Anmut – das Menuett steht sogar in derselben Tonart wie Schuberts Vorbild, Mozarts Große g-Moll-Symphonie.

1971 steckt die historische Aufführungspraxis noch in den Kinderschuhen. Aber die Wiener Philharmoniker überzeugen schon damals durch ihre ansteckende Musizierfreude. Abgründe tun sich in Schuberts Fünfter allenfalls im langsamen Satz auf - da kündigt sich bereits der eigene Ton an, der "typische" Schubert.

Mit dem Spass ist es dann endgültig vorbei in der "Unvollendeten". Schuberts Weltschmerz klingt bei Abbado ganz unsentimental und schlicht. Und die unendlichen Melodien Schuberts blühen im samtigen Wiener Streicher- und Holzbläserklang wunderbar auf.

Heurigenseligkeit und Todesahnung liegen in Schuberts "Unvollendeter" nah beieinander. Erstmals verwendete Schubert hier Posaunen, um die Dramatik zuzuspitzen – das klingt streckenweise schon so, als hätte es Anton Bruckner komponiert. Mit den Wiener Philharmonikern lotet Abbado die heftigen Kontraste in diesem grandiosen Torso packend aus.

Schubert zwischen Mozart und Bruckner: Claudio Abbados Interpretation hat tragische Größe und visionäre Kraft. Und die erzielt er nicht durch Effekte, sondern indem er dem ruhigen Fluss der Musik Schuberts folgt. Natürlichkeit, Klarheit, Innigkeit – das machte Abbados Musizieren aus. Und so ist diese CD mit gehobenen Archivschätzen eine schöne Erinnerung an einen besonderen Künstler und Menschen.

Angaben zur CD

"Abbado Rediscovered"
Franz Schubert:
- Symphonie Nr. 7 h-Moll D 759 "Unvollendete"
- Symphonie Nr. 5 B-Dur D 485

Wiener Philharmoniker
Leitung: Claudio Abbado
(Konzertmitschnitt von 1971)

Label: DG      



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