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Klassik-CD-Tipp Andreas Ottensamer: "Blue Hour"

Das muss man als Klarinettist erst einmal schaffen – Stars wie Mariss Jansons und Yuja Wang als Begleitmusiker zu gewinnen. Und dann auch noch beide auf einer CD. Auf dem Cover seines neuen Albums ist Andreas Ottensamer jedoch allerdings ganz allein zu sehen - natürlich auch seine Klarinette - und das Meer. Robert Jungwirth stellt die CD "Blue Hour" vor.

Von: Robert Jungwirth

Stand: 15.03.2019

Illustration: Klassik-CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Andreas Ottensamer ist freilich auch ein Bild von einem Mann. So wie er da in die Abenddämmerung blickt, könnte er auch für Armani oder Joop werben. Ottensamer aber macht Werbung für sich – und das sehr erfolgreich. "Blue Hour" – also blaue Stunde ist die CD betitelt, was nicht nur musikalische, sondern mehr noch verkauftstaktische Gründe haben dürfte.

Andreas Ottensamer ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter, er ist auch der Traum aller Plattenfirmen. Denn zum vermarktungsfördernden Äußeren ist er tatsächlich auch ein hinreißender Musiker mit einem faszinierend samtenen und verführerischen Ton.

Die klassische Musik hat der Wiener quasi mit der Muttermilch aufgesogen, er stammt aus einer regelrechten Klarinettendynastie: der Vater war Soloklarinettist bei den Wiener Philharmonikern, der Bruder folgte diesem nach. Und er selbst ist in gleicher Funktion bei den Philharmonikern tätig – neben seinen mittlerweile zahlreichen Auftritten mit Orchestern und illustren Kammermusikpartnern.

An von Marketingabteilungen zurechtinszenierten "Klassikstars" mangelt es gewiss nicht. Dass dahinter auch tatsächlich herausragende Musiker stehen, ist keineswegs immer garantiert. Andreas Ottensamer aber ist fraglos ein solcher, auch wenn das Repertoire für sein Instrument leider überschaubar ist. So bietet die neue CD auch zahlreiche Bearbeitungen etwa von Mendelssohns Liedern ohne Worte, die Ottensamer selbst für Klarinette und Klavier umgeschrieben hat. Yuja Wang begleitet ihn dabei markant am Klavier.

Eine Entdeckung ist auch Ottensamers Bearbeitung des Brahms-Liedes "Wie Melodien zieht es in mir" – ein nur zweiminütiges Stück voll intimer Poesie.

Wenig bekannt sind auch Carl-Maria von Webers Klarinettenkonzerte, deren erstes Ottensamer auf seiner neuen CD zusammen mit den Berliner Philharmonikern unter Mariss Jansons vorstellt. Der zweite Satz Adagio kann es in Punkto Innigkeit durchaus mit Mozarts Klarinettenkonzert aufnehmen.

Und das Grand Duo concertant für Klarinette und Klavier ebenfalls von Carl-Maria von Weber bietet Virtuoses in charmant biedermeierlichem Gewand. Schön, dass Ottensamer auch solche wenig bekannten Perlen mit seinem betörenden Spiel ein verdientes Podium bietet. Dabei hält der Klarinettist stets die Stil-Balance zwischen Gefühl und Form, mit einem einschmeichelnden, aber niemals pathetischen Ton. Unbedingt hörenswert!


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