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Klassik-CD-Tipp Clara Schumann und Fanny Mendelssohn: Kammermusik mit dem Nash Ensemble

Was für eine Leidenschaft sich da Bahn bricht, was für eine Empfindsamkeit und Ausdruckskraft! Die Kammermusik von Clara Schumann und Fanny Mendelssohn ist eine Entdeckung. Bitte mehr davon! Vor allem, wenn sie so aufregend interpretiert wird wie vom Londoner Nash Ensemble, das für höchste Spielkultur, Musizierfreude und Klangschönheit steht.

Von: Fridemann Leipold

Stand: 24.07.2020

Illustration: Klassik-CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Ein melancholischer Schleier liegt über dem Klaviertrio von Clara Schumann. Die Mitglieder des Nash Ensembles singen auf ihren Instrumenten und lassen ihre wehmütige Melodie zart aufblühen. Obwohl das elegische Stück auch dramatische Momente kennt, hatte Clara Schumann selbst keine hohe Meinung von ihrem Klaviertrio – ihr Urteil kommt einer Selbstbezichtigung gleich:

"Freilich bleibt es immer Frauenzimmerarbeit, bei der es immer an der Kraft und hie und da an der Empfindung fehlt."

Zitat von Clara Schumann

Ein im 19. Jahrhundert gängiger Vorwurf lautete, Kompositionen von Frauen seien "formlos". Geradezu fassungslos zeigte sich der Geiger Joseph Joachim über die kunstvolle Fuge im Finale von Clara Schumanns Klaviertrio – er konnte kaum glauben:

"eine Frau könne so etwas componieren, so ernst und tüchtig …"

Zitat von Joseph Joachim

Auch Felix Mendelssohn zeigte sich von dem Stück beeindruckt. Seine Schwester Fanny, die später den Namen ihres Mannes Hensel annahm, war zwar selbstbewusster als Clara Schumann – aber irgendwann hat auch sie resigniert und nur noch für die Schublade komponiert:

"Was ist übrigens daran gelegen? Kräht ja doch kein Hahn danach und tanzt niemand nach meiner Pfeife."

Zitat von Fanny Mendelssohn

Wie Robert Schumann fürchtete auch Felix Mendelssohn die Konkurrenz einer komponierenden Frau in der eigenen Familie. Zu Recht – denn in Fannys Klaviertrio bricht sich ein starkes Ausdrucksbedürfnis Bahn. Fanny Mendelssohns Überschwang spielt das Nash Ensemble ebenso aus wie ihr melodisches Talent. Das kommt vor allem im langsamen Satz zur Geltung, der an die "Lieder ohne Worte" ihres Bruders Felix erinnert.

Ein Highlight des Albums ist Fanny Mendelssohns einziges Streichquartett. Ein besonderes Kabinettstück ist ihr mit dem schroffen Scherzo gelungen.

Einspielungen solcher Raritäten machen nur Sinn, wenn auch die Qualität stimmt. Und dafür stehen die Mitglieder des Nash Ensembles mit ihrer Brillanz und Eleganz, ihrer Leidenschaft und ihrem Klangsinn. Das ist Kammermusik vom Feinsten – bitte mehr davon!

Angaben zur CD

Clara Schumann:
Klaviertrio g-Moll op. 17
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn:
Klaviertrio d-Moll op. 11
Streichquartett Es-Dur
The Nash Ensemble of London:
Stephanie Gonley, Violine
Jonathan Stone, Violine
Lawrence Power, Viola
Adrian Brendel, Violoncello
Simon Crawford-Phillips, Klavier
Label: Hyperion


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