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Klassik-CD-Tipp Kristian Bezuidenhout spielt Beethovens Klavierkonzerte

Lohnt es wirklich, den rund 200 Einspielungen von Beethovens fünftem Klavierkonzert eine weitere hinzuzufügen? Unbedingt, dann jedenfalls, wenn Beethoven so klingt, wie bei Kristian Bezuidenhout und dem Freiburger Barockorchester unter Pablo Heras-Casado.

Von: Oswald Beaujean

Stand: 13.03.2020

Illustration: Klassik-CD mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Lässt sich zu Ludwig van Beethoven 250 Jahre nach seiner Geburt interpretatorisch noch entscheidend Neues sagen? Lohnt es wirklich, den nicht viel weniger als zweihundert Einspielungen seines fünften Klavierkonzerts eine weitere hinzuzufügen? Unbedingt, dann jedenfalls, wenn Beethoven so klingt, wie jetzt bei Kristian Bezuidenhout und dem Freiburger Barockorchester unter Pablo Heras-Casado. Mit dem fünften kombiniert ist das zweite Konzert, die übrigen werden folgen. Auf sie darf man sich jetzt schon freuen.   

Hell, obertonreich und ungemein farbig ist der Klang von Kristian Bezuidenhouts Hammerflügel. Es ist der Nachbau eines Instruments aus der Werkstatt des berühmten Wiener Klavierbauers Konrad Graf, wie Beethoven selbst eines besaß. Und genauso hell und farbig klingt Bezuidenhouts Interpretation. Natürlich ist sie nicht aus der spontanen Eingebung entstanden, aber genau so wirkt sie, ganz, als sei sie aus dem Moment geboren, fast improvisiert. So frisch und lebendig, so voller überraschender Wendungen war Beethoven lange nicht zu hören. Quirlig die Läufe, sprudelnd die Verzierungen, widerborstig, doch nie überzeichnet die Akzente. Und herrlich fließend die Tempi auch im langsamen Satz des Es-Dur-Konzerts, der gerade dadurch eine tiefe Innigkeit verströmt.     

Wie stets hat Bezuidenhout intensive Quellenstudien betrieben, also gerade nichts dem Zufall überlassen. Und er hat dabei sehr persönliche Lösungen gefunden. Ob seine wunderbar lebendige Deutung des B-Dur-Konzerts dem nahekommt, was Beethoven selbst um 1795 als junger Stürmer und Dränger dem ganz sicher faszinierten Wiener Publikum geboten hat? Gut möglich, aber vielleicht auch nicht. Und völlig egal. Bezuidenhout liefert, und das ist wichtig, einen zutiefst elektrisierenden Beethoven voller Ideen und Schlaglichter. Seine Deutung klingt ebenso sorgfältig durchdacht wie urmusikantisch und absolut frei – zugleich in keinem Takt auch nur ansatzweise willkürlich. Worauf ich wetten würde: Von dem Orchester, mit dem Kristian Bezuidenhout musizieren kann, hätte Beethoven geschwärmt. Die Kommunikation mit dem Freiburger Barockorchester ist perfekt. Und mit Pablo Heras-Casado verstehen sich die Freiburger – nach einer Reihe ausgezeichneter Aufnahmen der letzten Zeit beweisen es auch diese Beethoven-Konzerte – ganz offenbar glänzend. Genauso gut jedenfalls wie mit Kristian Bezuidenhout. 


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