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Jazz-CD-Tipp für Mai Aki Takase Japanic: Thema Prima

Die in Japan geborene und in Berlin lebende Jazzpianistin Aki Takase hat eine klassische Ausbildung, widmet sich aber seit über vier Jahrzehnten dem Jazz. Sie gilt als ungeheuer vielseitig, liebt die freie Improvisation genauso wie die Auseinandersetzung mit stilbildenden Musikern des Jazz, etwa Thelonious Monk oder Duke Ellington. Im Januar hat Aki Takase ihren 71. Geburtstag gefeiert, dennoch erkundet sie auch mit ihrem neuen Quintett Aki Takase Japanic neue Möglichkeiten des Jazz auf dem Ende April veröffentlichten Album "Thema Prima" – ein Jazz-CD-Tipp von Bernhard Jugel.   

Von: Bernhard Jugel

Stand: 13.05.2019

Illustration: Saxophon und CD  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Furios beginnen Aki Takase und ihre Band ihr neues Album. Das mag damit zusammenhängen, dass die Pianistin sich diesmal von Conlon Nancarrow hat inspirieren lassen, einem Amerikaner, der seine Kompositionen in Notenrollen stanzte und sie dann von elektromechanischen Selbstspielklavieren, sogenannten Player Pianos, aufführen ließ. Damit schuf er Musik, die von Menschen gar nicht gespielt werden konnte. Für die elektromechanische Komponente bei Aki Takase Japanic ist der Elektroniker und Plattenmanipulator DJ Illvibe zuständig.

DJ Illvibe hat mit Seeed, Peter Fox oder Marteria im Popbereich sehr erfolgreich gearbeitet, aber er kann auch Jazz. Bei Aki Takase Japanic ist er dafür da, die Musik zu verdichten, sie mit ungewohnten Klangeffekten zu bereichern, den klanglichen Gegenpol zu den akustischen Instrumenten der anderen Bandmitglieder zu bilden. Kurz: DJ Illvibe gibt dem Sound dieser Band ihren futuristischen Touch.

Die Musik von Aki Takase Japanic lebt sehr stark von Überraschungen und Gegensätzen und vom hohen spieltechnischen Niveau aller Mitglieder, zu denen noch Saxophonist Daniel Erdmann, Bassist Johannes Fink und der norwegische Schlagzeuger Dag Magnus Narvesen gehören. Wenn sie ohne DJ Illvibe spielen, können sich sogar Gospelmelodien einschleichen.

Es gibt Jazzalben, bei denen weiß man schon nach dem ersten Stück, was man auf dem Rest des Albums hören wird. Und es gibt das Album "Thema Prima" von Aki Takase Japanic, das einen fast mit jedem Stück aufs neue überrascht. Wegen der vielen Brüche und gegenläufigen Bewegungen, wegen der unerwarteten Entwicklungen, den Free-Jazz-Abstechern, den oft ganz unerwartet auftauchenden hymnischen Melodien.  

Dieses Album ist eines der aufregendsten, der überraschendsten und der verspieltesten Jazzalben des Jahres. Wer Musik jenseits langweiliger Konventionen mag, wird daran lange seine Freude haben. "Thema Prima" von Aki Takase Japanic ist bei BMC Records erschienen.


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