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Jazz-Tipps für Januar "5 Klavierstücke" und "Trio Tapestry"

Es gibt eine Tendenz bei Musikern, je älter sie werden, sich desto mehr auf das Wesentliche zu beschränken. Eine reduzierte, sparsame Spielweise kann die Intensität der Musik allerdings auch steigern. Bernhard Jugel stellt zwei Alterswerke vor: eine neue Trio-Einspielung mit dem Saxophonisten Joe Lovano als Leader und das neue Solo-Album von Irmin Schmidt, dem einstigen Keyboarder der Kölner Krautrockband CAN.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 15.01.2019

Illustration: Saxophon und CD  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Irmin Schmidt: 5 Klavierstücke

Die Magie seiner Band CAN blitzt ab und zu auf, wenn Irmin Schmidt seine impressionistische Spielweise auf dem Klavier rhythmisch verdichtet. "5 Klavierstücke" hat der 81-jährige sein Solo-Album genannt und schon dieser einfache Titel ist eine Provokation, denn Schmidt hat den einen seiner beiden Flügel so präpariert, dass er wie ein ganzes  Percussionensemble klingt, und den anderen umpräpariert gelassen. Häufig spielt er auf beiden Instrumenten gleichzeitig und erschafft dabei eine Musik, die mal nach Gameland-Orchester, mal nach Zen-Garten klingt. 

So mancher mag die Frage stellen: ist das Jazz? Oder eher zeitgenössische E-Musik? Jazz ist es zumindest insofern, als Irmin Schmidt alle Stücke in einem Take improvisiert und auch nachträglich nichts editiert hat. Und ein typischer Jazzgestus ist natürlich auch die Erweiterung des Klangspektrums eines Instruments hin zum Perkussiven. Andererseits ist Schmidt mit seinen "5 Klavierstücken", erschienen beim Label Spoon, auch Einflüssen aus der neueren E-Musik verpflichtet und hat faszinierende, oft meditative Klanglandschaften geschaffen, die weit über den Jazz hinausweisen.

Joe Lovano, Marilyn Crispell und Carmen Castaldi: Trio Tapestry

Auch der 65-jährige Saxophonist Joe Lovano hat sich von Musik jenseits der Jazztradition beeinflussen lassen. Die Stücke seines neuen Albums "Trio Tapestry" sind mit Methoden der Zwölftontechnik komponiert und verfolgen über weite Strecken einen ähnlich meditativen Ansatz wie die Klavierstücke Irmin Schmidts.

Trio Tapestry - also in etwa "Wandteppich-Trio" - hat Lovano seine eigens für dieses ECM-Album zusammengestellte Formation genannt, für die er mit der Pianistin Marilyn Crispell und dem Schlagzeuger Carmen Castaldi zwei improvisationserfahrene Partner gewonnen hat. Auf den zwölf Stücken des Albums zelebrieren sie die Kunst der Kommunikation durch Musik - mal bedächtig, tastend, viel Raum lassend, mal lustvoll drängend und voll verspielter Lebensfreude.

Jazz im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Zwölftonmusik - das Album "Trio Tapestry" mit Joe Lovano, Marilyn Crispell und Carmen Castaldi wird am 25. Januar beim Münchner Label ECM erscheinen. Im Mai kommt das Trio nach Europa und wird auch einige Konzerte in Deutschland spielen.


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