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Jazz-CD-Tipp für Januar "Impressions, Improvisations & Compositions"

Der finnische Pianist Kari Ikonen hat schon mit vielen Jazzgrößen gespielt: mit Ingrid Jensen, Lee Konitz, Bob Moses oder Louis Sclavis. 2013 war er finnischer Jazzmusiker des Jahres, er leitet sein eigenes Jazztrio und ist Mitglied des finnischen UMO Jazz Orchestra, für das er viele Kompositionen geschrieben hat. Jetzt hat Kari Ikonen ein Solo-Album veröffentlicht, bei dem er mit ungewöhnlichen Spielweisen und Ausflügen in die arabische Musik überrascht. "Impressions, Improvisations and Compositions" ist für Bernhard Jugel das Jazzalbum des Monats.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 08.01.2021 16:42 Uhr

Illustration: Saxophon und CD  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Das Cover des neuen Albums von Kari Ikonen ist ein abstraktes Gemälde des russischen Malers Wassily Kandinsky. Und die Stücke klingen oft, als habe der finnische Pianist die Pinselstriche des Malers in Musik übersetzt. Abstrakte Klänge und Motive setzten sich allmählich zu einem akustischen Bild zusammen. Auch den Albumtitel hat sich Ikonen von Kandinsky geborgt: Der Maler hat sein Gesamtwerk in "Impressionen, Improvisationen und Kompositionen" eingeteilt und Ikonen nennt sein Soloalbum entsprechend "Impressions, Improvisations and Compositions". Denn manche seiner Stücke, so sagt er, seien ausgefeilte Kompositionen, manche frei improvisiert und manche Impressionen, inspiriert von Gemälden, von Geschichten oder von arabischen Skalen oder Maqams.

Einige Stücke bekommen einen deutlich orientalischen Charakter

Seit zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Ikonen mit arabischer Musik. Vor kurzem hat er ein Gerät entwickelt, das es ihm ermöglicht, die für orientalische Musik so charakteristischen Vierteltöne auch auf einem Klavier oder einem Flügel zu spielen. Sein sogenanntes Maqiano wird einfach auf die Saiten aufgesetzt. Ikonen hat es patentiert und will es demnächst in Serie anfertigen lassen. Den Prototyp hat er auf seinem neuen Soloalbum eingesetzt – und einige seiner Stücke bekommen so einen deutlich orientalischen Charakter.

Die Spieltechniken, die Ikonen auf seinem Soloalbum vorführt, sind äußerst vielfältig. Mal benutzt er seinen Steinway-Flügel als Perkussionsinstrument, mal zupft und streicht er die Klaviersaiten mit der Hand. Auch die musikalischen Einflüsse sind sehr divers – neben orientalischen und fernöstlichen Klängen stehen typische Blues- und Jazzakkorde, aber auch Einflüsse zeitgenössischer E-Musik.

Ein Jazzalbum, das vom ersten bis zum letzten Ton fasziniert

Wer glaubt, die Klangmöglichkeiten des Solopianos im Jazz seien längst ausgereizt, dem beweist der Finne Kari Ikonen auf seinem neuen Album das Gegenteil. In kurzen, flüchtigen Skizzen oder in längeren, dramaturgisch ausgefeilten Kompositionen präsentiert er eine Art Werkschau seiner Spieltechniken und Klangvorstellungen, die auch als Gesamtkunstwerk überzeugt. "Impressions, Improvisations and Compositions" ist ein Jazzalbum, das vom ersten bis zum letzten Ton zu faszinieren vermag. Es ist beim deutschen Jazzlabel "Ozella Music" erschienen.


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