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Jazz-CD-Tipp für Januar Antje Rößeler: Stockholm Trio

Früher waren Frauen im Jazz die Ausnahme und eine Komponistin und Bandleaderin wie Carla Bley galt als Pionierin. Heute sind Frauen als Instrumentalistinnen im Jazz schon recht häufig und auch als Komponistinnen und Bandleaderinnen sind zunehmend präsent. Neuestes Beispiel ist die Berliner Pianistin Antje Rößeler, deren Debütalbum "Stockholm Trio" gestern erschienen ist. Bernhard Jugel stellt es vor.  

Von: Bernhard Jugel

Stand: 10.01.2020

Illustration: Saxophon und CD  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Einigen von Antje Rößelers Stücken hört man an, dass die Pianistin mit Klassik groß geworden ist. Ihre Eltern sind beide Cellisten, sie selbst hat eine klassische Klavierausbildung, hat sich aber schon während ihrer Schulzeit für Jazz interessiert und inzwischen an den Hochschulen von Aarhus, Helsinki und Stockholm den "Nordic Master of Jazz" gemacht. In Stockholm hat sie den Bassisten Mauritz Agnas und den Schlagzeuger Sebastian Voegler kennengelernt, mit denen die 30-Jährige jetzt ihr Debütalbum eingespielt hat.

Das besondere an der Musik von Antje Rößeler: man kann sie nicht über einen Kamm scheren. Wilde, überbordende Improvisationen liegen ihr genauso wie ruhige, kontemplative Stücke mit weiten Räumen. Auf dem Album lernen wir eine Komponistin und Musikerin kennen, die gerade dabei ist, ihre Möglichkeiten zu erkunden – noch in der Jazztradition verhaftet, aber immer dabei, neue Wege zu gehen. Bei Antje Rößeler sind dabei die Stücke besonders spannend, die ganz einfach sind. Zum Beispiel die beiden Kinderstücke auf ihrem Album, die auch einfach so heißen, und die sehr tänzerisch und folkloristisch klingen.

"Stockholm Trio" heißt das Debüt von Antje Rößeler. Sie leitet nämlich inzwischen auch noch ein Trio in Berlin – das wird wohl auf ihrer nächsten Produktion spielen. Bei einigen Stücken hat Rößeler ihr Trio zum Quartett erweitert. Das ist dann die Saxophonistin Birgitta Flick mit dabei, die mit ihrem kühlen Ton an geheimnisvolle Nachtstimmungen und an Jazzsoundtracks aus den 1960er Jahren erinnert.

Das Einzigartige an diesem Album ist eine Mischung aus hohem musikalischen Anspruch und einer angenehm verspielten Leichtigkeit, die vielleicht auch daher rührt, dass die Aufnahmen im Berliner Jazzclub Schlot zwar nicht vor Publikum, aber quasi unter Livebedingungen eingespielt worden Sind. Das Album "Antje Rößeler Stockholm Trio" ist gestern bei WismART erschienen und ist sicher eine der charmantesten Möglichkeiten, ins Jazzjahr 2020 einzusteigen.


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