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Jazz-CD-Tipp für Februar Rosa Parks: Pure Love und mehr

Jazz - das ist die Kunstform, in der die Improvisation, also das Erfinden von Musik, im Zentrum steht. Markus Mayer stellt in den B5-Jazz-Tipps neue Alben vor, auf denen die Improvisation weiter gedacht und weiter gedreht wird wie vom US-Trompeter Wadada Leo Smith und dem Münchner Geiger Gregor Hübner. 

Von: Markus Mayer

Stand: 08.02.2019

Illustration: Saxophon und CD  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Rosa Parks: Pure Love" von Wadada Leo Smith

77 Jahre ist Wadada Leo Smith und noch immer widmet er sich komplexen Musiken, Suiten, in denen Kompositionen und Settings für freie Improvisation ineinander übergehen. Zugegeben, hartes Brot zuweilen und dennoch sorgt diese Musik für Berührungen, für Einblicke in Ideen-Komplexe wie Rassismus, Selbstermächtigung und Dignität.  

Den jüngsten Zyklus von Stücken, Kompositionen und Versuchsanordnungen hat Wadada Leo Smith Rosa Parks gewidmet, jener Afroamerikanerin, die sich 1955 weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen. Eine symbolische Geste des Protests, die zur Initialzündung der Bürgerrechtsbewegung wurde.

Vieles von dem, was Wadada Leo Smith, als Trompeter ein äußerst origineller Improvisator und Stilbildner des Freien Jazz übrigens, in diesem "Oratorium für Rosa Parks" präsentiert, könnte ohne weiteres der sogenannten Neuen Musik zugeordnet werden, entspricht also dem, was akademische Komponisten wie Lachenmann, Rihm und Stockhausen hierzulande schufen. Nur dass es sich hier eben um einen Afroamerikaner und um ein hochpolitisches Statement handelt. Smith setzt im "Rosa Parks Oratorium" ein Streichquartett ein, ein Trompetenquartett plus Schlagzeuger sowie wie diverse Sängerinnen. Rosa Parks wird als "Person mit außergewöhnlichem Mut und ebensolcher Klugheit" gepriesen, wie es im umfangreichen Büchlein heißt.

Ansonsten treffen hier notierte und improvisierte Musik aufeinander, abstrakte Klangflächen werden von zerbrochenen Rhythmen strukturiert, Dissonanzen mutieren zu rauen Harmonien.  

Wohltuend, Leo Smiths ambitionierte Kompositionen und Arrangements in einem Kontext zu hören, der an die Gepflogenheiten der europäisch und westlich geprägten Avantgarde und der Ernsten Musik erinnert. Das Oratorium "Rosa Parks: Pure Love" von Wadada Leo Smith ist - ansprechend ausgestattet - beim finnischen TUM Records-Label erschienen. 

"El Violin Latino Volume 3" von Gregor Hübner  

Geiger sind im Jazz immer Exoten. Einer, der sich mit diesem Status nicht zufrieden gibt, ist der Münchner Geiger und Uni-Dozent Gregor Hübner. Den klassisch ausgebildeten Virtuosen hat es vor 20 Jahren nach New York verschlagen. Hier hat er die Meistermusiker des Latin Jazz kennengelernt. Die wiederum hießen Hübners vollen Ton und seine überlegten Phrasierungskünste willkommen.

Auf dem neuen Studioalbum erforscht Gregor Hübner verblüffend stilsicher den Kosmos des Latin Jazz, ein ganz und gar zeitloses, himmlisches Unterfangen. Erschienen ist "El Violin Latino Volume 3" bei Münchner GLM-Label.   


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