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Hörbuch der Woche Prof. K. McCoy und Dr. Hardwick: Na dann gute Nacht

"Es wird in diesem Hörbuch nichts geben, was Sie interessiert. Langeweile ist garantiert!". So wirbt der Hörverlag für die am Montag erscheinende Lesung von "Na dann gute Nacht". In Zeiten der Hyperproduktivität, in der angeblich jeder 5. Mitteleuropäer an Schlafstörungen leidet, erscheint so ein Audioguide zur Gehirnentspannung durchaus sinnvoll. Es beinhaltet kurze Essays über die Bewegung von Sanddünen, über saure Gurken oder Nachtfalterfamilien. Schäfchen zählen mit dem Serienstar aus "Tatortreiniger" oder "Mord mit Aussicht" – kann das wirklich so langweilig sein?

Von: Kirsten Böttcher

Stand: 06.09.2019

Illustration: Buch und Kopfhörer mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Schließen Sie die Augen. Sie gehen einen betonierten Weg entlang. Links von Ihnen befindet sich eine Betonmauer. Rechts von Ihnen befindet sich eine Betonmauer. Direkt neben Ihnen, zu Ihrer linken Seite, steht ein kleines blaues Auto, daneben ein großes graues Auto. Dann: ein weißes Auto, gefolgt von einem roten Auto, direkt neben einem grünen Auto mit einem Fahrrad im Wagenfont. Daran schließt sich ein silberfarbenes Auto an, gefolgt von einem großen schwarzen Auto mit glänzenden Radfelgen. Blicken Sie nach rechts. Da steht ein großes graues Auto..."

Zitat aus Hörbuch

Die Idee des Autoren-Duos Professorin K. McCoy und Doktor Hardwick – offensichtliche Pseudonyme – bestand darin, Texte bereitzustellen, die null Wissen vermitteln wollen und absolut nichts Anregendes enthalten. Das funktioniert beispielsweise über Statistiken, Aufzählungen und Wiederholungen, und natürlich über staubtrockene Themen, womöglich noch im Fachjargon. Kann ein Hörbuch mit Bjarne Mädel, dem beliebten Serienhelden aus "Stromberg", "Tatortreiniger" oder "Mord mit Aussicht", aber tatsächlich das "langweiligste Hörbuch der Welt" sein? Bei solch einem behaupteten Superlativ scheiden sich die Temperamente: Die einen nehmen ihn einfach mal so hin, die anderen – die Rezensentin eingeschlossen - sehen ihn als Herausforderung, auf gar keinen Fall einzuschlafen!

Collage aus den langweiligen Titeln

"
Die unterschiedlichen Größen und Farben von Ziegelsteinen in Großbritannien"
"Wie viele Erbsen enthält eine Schote?"
"Vergleich der Startbahnlängen von Flughäfen"
"Eine Geschichte der Artischocken"
"Globale Postleitzahlen – ein Auszug"
"Wie Sie eine Wand fliesen – Schritt für Schritt"

Zugegeben: Schon bei Track 7 über die globalen Unterschiede der Eisenbahnspurweiten verlangsamt sich der Puls beträchtlich. Und wem beim Artikel über den Trocknungsprozess von Anstrichfarbe im liebevoll monotonen Vortragsstil Bjarne Mädels nicht die Lider flackern, muss ein Replikant sein. Doch dann, bei Track 27 kommt der Wendepunkt: Da wird über den Versuch von Archimedes berichtet, zu berechnen, wie viele Sandkörner notwendig wären, um das Universum auszufüllen – gar nicht so uninteressant! Der wohl jedem menschlichen Wesen ureigene ‚Wille zum Sinn‘ obsiegte: Die Rezensentin entdeckt nunmehr in jeder ‚nerdigen‘ Statistik, in jedem geologischen oder geschichtlichen Exkurs spannende Informationen. In heiterer Gelassenheit lernt man über die saure Gurke:

"Einige Historiker behaupten, die älteste saure Gurke gehe auf das Jahr 2400 vor Christus zurück, während andere Historiker von 2050 vor Christus ausgehen. Je nachdem, wie man die Worte in den alten Aufzeichnungen übersetzt, sind sie vielleicht sogar bereits 4000 vor Christus erstmals urkundlich erwähnt."

Zitat aus Hörbuch

Anknüpfend an die Saure-Gurken-Abhandlung beginnt dann mein wieder munteres Hirn, Verbindungen herzustellen zur Historie der Artischocke oder den Frühstückritualen in der Antike. Spätestens auf CD 2 bei den von Bjarne Mädel gefühlt sadistisch-säuselnd intonierten Ergebnissen aus Cäsars Verschlüsselungsverfahren war die Rezensentin hellwach. Diese fast dreistündige Lesung ist definitiv nicht "Das langweiligste Hörbuch der Welt"!

Das Hörbuch "Na dann gute Nacht" von Professorin K. McCoy und Doktor Hardwick, tapfer buchstabiert und zärtlich ernsthaft vorgetragen von Bjarne Mädel, erscheint am Montag, 9. September, auf 2 CDs im Hörverlag.


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