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Neues vom Buchmarkt Timon Karl Kaleyta: "Die Geschichte eines einfachen Mannes"

Um ein gerade erschienenes Roman-Debüt geht es heute in Neues vom Buchmarkt: um den ersten Roman von Timon Karl Kaleyta: "Die Geschichte eines einfachen Mannes". Knut Cordsen empfiehlt diesen Schelmenroman.

Von: Knut Cordsen

Stand: 14.04.2021

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Timon Karl Kaleyta ist Anfang 40, und er hat schon einiges in seinem Leben gemacht: Musik z.B., mit der von ihm gegründeten Elektropop-Band "Susanne Blech", die mit Liedern wie "Wir werden alle nicht Ernst Jünger" eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. Der darin aufscheinende Wortwitz, der Hang zur Ironie wie so manches biographische Detail - das Studium in Madrid, die Komposition eines Songs über Helmut Kohl - sowie die Neigung, das Leben als ein "Geschenk" und "fröhliches Spiel" zu begreifen, verbindet Timon Karl Kaleyta mit der namenlosen Hauptfigur seines Debütromans "Die Geschichte eines einfachen Mannes".

"Man muss sich letzten Endes sowohl den Protagonisten des Buches als auch mich als einen glücklichen und frohen Menschen vorstellen – und das ist etwas, das doch sehr dienlich ist."

Zitat Timon Karl Kaleyta

Dienlich ist diese Haltung v.a. seinem Roman, der unerhört leichtfüßig die Geschichte eines Schelms erzählt, den auch sein gelegentliches Scheitern nicht vom einmal gewählten Weg abbringen kann.  Dieser junge Mann wandelt durch Deutschland, das "Land der Trübsal und der Lebensunlust", wie eine moderne Variante des Hans im Glück. Im Grunde genommen ist "Die Geschichte eines einfachen Mannes" ein Märchen – und in ihrem Mittelpunkt steht einer, dessen Liedtexte – merkwürdig genug – auch schon mal einen "wirtschaftsliberalen Drall" bekommen und der sagt: "Es gibt nichts, was man nicht kann. Man kann einfach alles erreichen, wenn man will". Fast wirkt er damit wie ein Geistesverwandter des jungen Christian Lindner, für den Probleme bekanntlich auch nur "dornige Chancen" waren.

"Ja, aber das würde der weit von sich weisen, weil er ja kein überzeugter Liberaler oder gar Neoliberaler ist, sondern das schnappt er ja im Studium mal kurz auf und denkt: Das ist doch jetzt die beste Möglichkeit, die Texte, die er da schreibt in der Musik, von anderen eher systemkritischen Texten in der Popmusik oder auch im Punk, zu unterscheiden. Er findet, das ist doch jetzt mal ein Alleinstellungsmerkmal, dass ich hier wirtschaftsliberale Texte schreibe, weil das hat ja vorher noch keiner gemacht. Also wenn ihm es was bringt, würde er sich auch mit Christian Lindner an einen Tisch setzen, weil er ja auch immer überlegt: Wie kann ich das Beste für mich herausschlagen, obwohl er das ja nicht berechnend macht, sondern eher auf eine naive Weise, ohne zu erkennen, wie bösartig das mitunter ist."

Zitat Timon Karl Kaleyta

Es ist ein Vergnügen Timon Karl Kaleytas Helden bei dem zuzuschauen, was er "Reputationsarbeit" nennt. Und bei seinen Lieben – zu einer jungen spanischen Mutter ebenso wie zu einer Düsseldorfer Zahnärztin, die er, wie alles im Leben, nicht allzu ernst nimmt und also irgendwann ablegt wie ein abgetragenes Kleidungsstück.  Timon Karl Kaleyta ist ein Multitalent: als Kolumnist arbeitet er bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und als Drehbuchautor im Filmgeschäft. In diesem gilt es, die Geschichte, die man verkaufen will, in einer Kurzvorstellung in ganz wenigen Sätzen zu umreißen. Wie würde dieser sogenannte Pitch in Kaleytas Fall lauten?

"Sie meinen die Kurzvorstellung der gesamten Geschichte „Die Geschichte eines einfachen Mannes“? – Genau, wie würden Sie die verkaufen`-  Also ich bin ja wie alles, was ich so mache, da eher reingeschlittert und verfüge überhaupt nicht über die Kompetenz, solche Pitches aufzuführen ... Die Geschichte eines einfachen Mannes erzählt davon, dass auch mit wenig Anstrengung vieles möglich gewesen wäre."

Zitat Timon Karl Kaleyta

Timon Karl Kaleytas Roman "Die Geschichte eines einfachen Mannes" ist soeben bei Piper erschienen für 20 Euro. Und es ist vielleicht nicht das Schlechteste, wenn man über ein Buch urteilen kann, dass seine Lektüre gute Laune macht.


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