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Neues vom Buchmarkt "Sehnsucht Starnberger See" von Katja Sebald

Der Starnberger See, eines der beliebtesten Nah-Erholungsziele im Umland Münchens, blickt auf eine lange, wechselvolle Geschichte zurück. Zahlreiche Künstler, Malerinnen, Dichterinnen und Musiker haben sich gern an seinen Ufern niedergelassen, und sei es auch nur für die Dauer einer Sommerfrische. Jetzt ist bei Allitera ein Bildband erschienen, der die Geschichten jener Prachtvillen erzählt, die sich an den Ufern des Sees befinden. Sabine Zaplin stellt "Sehnsucht Starnberger See" von Katja Sebald vor.

Von: Sabine Zaplin

Stand: 31.03.2021

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Viele Sehnsuchtsorte werden in diesen Osterferien unbeweibt bleiben müssen - das Infektionsgeschehen lässt große Eskapaden wieder einmal nicht zu. Doch es gibt ja zum Glück noch andere Vehikel und andere Ziele. Im S-Bahn-Bereich Münchens, in einer knappen Stunde bequem zu erreichen, ist der Starnberger See - seit langem ein Sehnsuchtsort, von dem aus nach der Rückkehr die Tür zur eigenen Wohnung tatsächlich noch vor Beginn einer möglichen nächtlichen Ausgangssperre wieder von innen schließen lassen könnte. "Sehnsucht Starnberger See" heißt ein prachtvoller Bildband, der jetzt im Allitera Verlag erschienen ist.

Die Sehnsuchtsgeschichten stammen von Katja Sebald, die am westlichen Ufer des Sees in Feldafing aufwuchs, später Kunstgeschichte und Neuere Deutsche Literatur studierte und seit vielen Jahren über das Kunstgeschehen rund um den See für die Süddeutsche Zeitung berichtet. Mit ihrem Buch "Sehnsucht Starnberger See" habe sie, so schrieb sie im Vorwort des Bildbands, keinen weiteren zu den Stapeln an Reiseführern über den See hinzufügen wollen, sondern sei vielmehr ihrer Neugier gefolgt, einmal hinter die Hecken und Fassaden, durch die Fenster und Türen der prächtigen Villen zu blicken, die sich wie Wasservögel-Nistplätze rund um die Ufer des Gewässers aufreihen. So sei, schrieb Sebald, eher eine dicke "Klatschzeitschrift" mit 44 "Homestories" entstanden - freilich eine sprachlich weit geschliffenere, auf kunst- und kulturhistorischen Recherchen basierende als die, welche man für gewöhnlich in Wartezimmern vorfinden mag. Vielmehr ist dieses großformatige Buch eine ausgiebige Rundfahrt um den Starnberger See, auf der sich zahlreiche Türen öffnen und die Geschichten jener preisgeben, die einst hier residierten oder auch noch immer hier wohnen.

"Villa Albers. Von Anatol Regnier stammt die schöne Anekdote über Hans Albers, der - es muss in den 1950er Jahren gewesen sein - in eine weiße Kapitänsuniform gewandet mit seinem Motorboot am Ambacher Dampfersteg anlegte. 'Komm ma´ her, Junge', sagte er betont lässig und winkte den kleinen Anatol herbei: 'Weißte, wer da drüben wohnt?' Fragte er, zum anderen Seeufer hinüber deutend, 'der König von Garatshausen!'"

Zitat aus Sehnsucht Starnberger See

Tatsächlich ranken sich zahlreiche Geschichten um die zur Gemeinde Feldafing zählende Villa, die Hans Albers im Jahr 1935 kaufte, wo er seine Beziehung zu der jüdischen Schauspielerin Hansi Burg heimlich weiterzuführen versuchte, was der SS leider nicht entging. Hansi Burg emigrierte, kehrte nach dem Krieg aber wieder zurück in die Villa, zu Albers. Und Anatol Regnier, der als kleiner Bub dem "blonden Hans" am gegenüberliegenden Ufer begegnete, hat sich mit seiner Lebensgeschichte und der seiner Eltern Pamela Wedekind und Charles Regnier ebenfalls eingeschrieben in diesen Sehnsuchtsort Starnberger See.

"Das Malvenhaus stand damals wie auch heute noch allein am Waldrand nördlich von Sankt Heinrich. Anatol Regnier erinnert sich an die Schwalben, die über das Dach flogen, und an die schöne Aussicht vom Balkon. Der war allerdings so morsch, dass die Gäste darauf nach Gewicht platziert werden mussten: je schwerer, desto näher an der Hauswand."

Zitat aus Sehnsucht Starnberger See

Auch die Villa Rössl in Ammerland stellt ein Kapitel in der Familiengeschichte der Wedekinds dar und ihre Fenster wiederum blicken hinüber ans Westufer, wo Thomas Mann mit seiner Familie die Sommerfrische verbrachte oder wo der Maler Lovis Corinth bei einem Sommeraufenthalt sein Bild "Frühstück in Max Halbes Garten" schuf. Diese und noch zahlreiche weitere Geschichten lassen sich entdecken in Katja Sebalds Buch "Sehnsucht Starnberger See", jetzt erschienen bei Allitera - eine wunderbare Einladung zu einem Osterurlaub in nächster Nähe, und sei es, allein mit dem Buch auf den Knien.


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