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Neues vom Buchmarkt Ida Hegazi Høyer: "Trost" und mehr

Am kommenden Dienstag beginnt die Frankfurter Buchmesse. Dann wird Norwegen Ehrengast sein. Knut Cordsen über neue Bücher aus Norwegen.

Von: Knut Cordsen

Stand: 09.10.2019

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Karl Ove Knausgård: "So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche. Edvard Munch und seine Bilder"

Der derzeit bekannteste norwegische Schriftsteller ist der 50-jährige Karl Ove Knausgård. Er wird kommende Woche reden auf der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse und er bringt sein neues Buch mit auf die Messe: ein Buch über den melancholischsten aller norwegischen Maler, Edvard Munch, und dessen Bilder. Ursprünglich, das wissen seine Leser, wollte Knausgård selbst Maler werden. So verwundert es nicht, dass er sich in seinem jüngsten Buch "So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche" mit Munch befasst. Inwiefern aber hat Munch Knausgård beeinflusst?

"Eine gute Frage. Ich schreibe ja sehr lange Romane, die in mancher Hinsicht unpräzise und unförmig sind. Gleichzeitig bin ich aber ein Autor, der sehr visuell zu schreiben versucht. Mir geht es immer darum, Szenen zu kreieren, nicht Wörter. In der Hinsicht beneide ich Maler: darum, dass sie auf so wenig Raum so viel auszudrücken vermögen. Vincent van Goghs Gemälde sind malerisch ungeheuer stark, aber Edvard Munchs Gemälde tangieren uns emotional in besonderem Maße. Es sind Seelenlandschaften, sie wühlen uns auf. Beim Schreiben bemühe ich mich wie Munch um das Evozieren von starken Gefühlen. Das geschieht allerdings auf Umwegen, über Wörter, Gedanken und Abstraktionen. Nichts spricht uns emotional so unmittelbar an wie ein Gemälde."

Zitat Karl Ove Knausgård

Karl Ove Knausgård bringt uns Munch auf einfühlsame Weise näher. Übersetzt von Paul Berf, ist "So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche" bei Luchterhand erschienen für 24 Euro. Im kommenden Jahr wird in Oslo das neue Munch-Museum eröffnet.

Ida Hegazi Høyer: "Trost"

In der norwegischen Hauptstadt lebt die 38-jährige Ida Hegazi Høyer. "Trost" nennt sie ihr neues Buch mit drei Geschichten über eine Frau, eine Schriftstellerin, die aus freien Stücken allein ist und doch in irgendeiner Weise nach "trøst" sucht, wie Trost auf Norwegisch heißt. Sucht sie den Trost von Fremden, fragen wir Ida Hegazi Høyer in einem Café im Osloer Stadtteil Grünerløkka?

"Ja, sie sucht zumindest nach Gesellschaft bei Fremden. Sie kommt in eine ihr unvertraute Stadt - meine drei Geschichten spielen in Lissabon, Berlin und Brüssel – und sucht dort in der Fremde Anschluss, Nähe, Intimität. Ich fand es spannend, herauszufinden, wer man ist in der Fremde, wo einen keiner kennt und man sich ja neu erfinden kann. In einer solchen Lage fragt sich meine Heldin: Wer könnte ich sein?  Wir alle tragen ein Liebesbedürfnis in uns, ob wir nun einen Partner haben oder nicht. Und wenn wir keinem besonderen Menschen unsere Liebe schenken können, dann schenken wir sie jemand Zufälligem. Genau das passiert in meinen drei Geschichten: Meine Hauptfigur kommt in einer ihr fremden Stadt an und beginnt an der Bar oder wo auch immer mit einem Fremden eine Affäre. Diese Affären sind vielleicht keine allzu gesunden Beziehungen, aber das ist auch nicht der Punkt."

Zitat Ida Hegazi Høyer

In einer präzisen Sprache untersucht Ida Hegazi Høyer die Liebe in den Zeiten des Wunsches nach Ungebundenheit. "Trost" ist von Alexander Sitzmann ins Deutsche übersetzt worden und für 22 Euro im Residenz-Verlag erschienen. Am 24. Oktober stellt die Autorin ihr Buch in der Nürnberger Buchhandlung Rüssel vor.  


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