B5 aktuell - Programm


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Neues vom Buchmarkt Peter Fabjan: "Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard"

Knut Cordsen stellt Ihnen das Buch "Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard" von Peter Fabjan vor. Neues vom Buchmarkt - mittwochs um 13.25 Uhr und 19.25 Uhr auf B5 aktuell.

Von: Knut Cordsen

Stand: 13.01.2021

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Thomas Bernhard übernachtend auf dem Warschauer Sofa von Stanisław Jerzy Lec - dieses literarische Couchsurfing muss man sich auch erst mal vorstellen. Aber so war es, als er und sein Halbbruder 1964 nach Polen reisten, erzählt Peter Fabjan in diesem "Rapport". Man kannte einander aus Wien, in Warschau war kein Hotelzimmer zu bekommen, und so bot der Aphoristiker dem jungen österreichischen Dichterkollegen samt Begleitung seinerzeit sein "Fauteuil" im Arbeitszimmer an. Auch das erfährt, wer Peter Fabjans Bericht "Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard" liest: Es ist das Werk eines langjährigen "stummen Begleiters", so Fabjan.

"Er würde das wahrscheinlich völlig unnötig finden und dazu überhaupt keinen Bezug haben, nicht. Es ist nur so, ich habe dieses Erbe angenommen, ich habe es übernommen, also ich musste meinen eigenen Nachlass regeln... Ich schreibe mir auch gar keine künstlerische Ader zu, eine intuitive schon, denn die brauchen Sie als Arzt auch, nicht."

Zitat Peter Fabjan

Wer Peter Fabjan, den heute 82-jährigen Gmundner Internisten, kennt, der weiß, dass er im Sprachduktus seinem Halbbruder täuschend ähnelt.

"Meine Krankheit ist die Distanz."

Zitat Peter Fabjan

Das hat Thomas Bernhard seinem Halbbruder - sie hatten dieselbe Mutter, aber unterschiedliche Väter - mal in einem Brief geschrieben. Zum immensen "Distanzbedürfnis", so Fabjan, gesellte sich ein "Schutzbedürfnis". Und noch eines:

"Die immer wieder fühlbare Verachtung war ihm Bedürfnis, um die ebenso stets vorhandene Zuneigung auszugleichen; desgleichen Provokation, ja Verletzung des Gegenübers, um in der Reaktion – ich sagte es schon – eigenes Leben spüren zu können, das in ihm wohl in frühester Kindheit erstorben war."

Zitat Peter Fabjan

Was für ein Satz: das "eigene Leben in ihm schon in frühester Kindheit erstorben". Aus dieser Kindheit schildert Fabjan einige sprechende Szenen, so auch diese Anekdote aus der Zeit nach dem frühen Tod der gemeinsamen Mutter 1950.  

"Mein Aufsatz in Deutsch, der die elende häusliche Situation nach dem Tod der Mutter zum Thema nimmt – ein erster Versuch der Bewältigung von Erlebtem durch Schreiben –, wird vom Lehrer als vorbildlich gesehen und soll von mir vorgelesen werden, was ich ablehnen muss. Thomas sieht ihn als nicht zulässig an."

Zitat Peter Fabjan

Das sagt derselbe Thomas Bernhard, der anschließend seine gesamte Kindheit und Jugend in autobiographischen Romanen verarbeitete. Jeden Bernhard-Leser werden Peter Fabjans hier eher fragmentarisch vorgelegte Erinnerungen naturgemäß faszinieren. Der Erzähler kann berichten, was kein anderer so unmittelbar nah miterleben konnte. Manches mutet tragikomisch an: Auf einer allein unternommenen Reise durch Sizilien lernt Peter Fabjan einen dort schon lange lebenden Deutschen kennen:

"Ich werde in die Privatwohnung eingeladen und erzähle bei erlesenem Essen und Wein bis in die tiefe Nacht – von Thomas."

Zitat Peter Fabjan

Es ist ein Leben im übermächtigen Schatten des berühmten Bruders, von dem Peter Fabjan hier sehr anschaulich Bericht erstattet - ein alles andere als leichtes Leben. Eine in dieses Buch aufgenommene, undatierte Notiz spricht da Bände. 

"Wenn Thomas nicht mehr lebt, werde ich meine Zuneigung viel stärker empfinden, als er es mir heute erlaubt."

Zitat Peter Fabjan

Peter Fabjans Buch "Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard. Ein Rapport" erscheint heute im Suhrkamp Verlag für 24 Euro.


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