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Neues vom Buchmarkt "Letzte Ehre" von Friedrich Ani

Mit seinem Kommissar Tabor Süden hat der in München lebende Friedrich Ani einst einen ganz besonderen Ermittler auf den deutschen Krimi-Buchmarkt geschickt. Spezialisiert auf Vermisstenfälle, hat Süden sich immer schon mehr um die Opfer als um die Täter gekümmert. Nun schickt Friedrich Ani eine neue Figur ins Dickicht der literarisch zu lösenden Kapitalverbrechen: in seinem gerade im Suhrkamp Verlag erschienenen neuen Roman "Letzte Ehre" leitet eine Frau die Ermittlungen. Sabine Zaplin stellt den neuen Ani vor.

Von: Sabine Zaplin

Stand: 19.05.2021

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Ungewöhnliche, kauzige Ermittler gibt es viele im Kosmos der Kriminalliteratur. Doch unter den Schöpferinnen und Schöpfern besonderer Kriminaler ragt Friedrich Ani heraus: seine Figuren tragen in sich eine Landkarte der Versehrtheit, die weit in die eigene Vergangenheit hineinweist. Fariza Nasri heißt die Oberkommissarin, die im jüngst erschienenen Kriminalroman von Friedrich Ani ermittelt.

Soweit der Schriftsteller über seine Hauptfigur. Fariza Nasri hat es in dem Buch, das den Titel "Letzte Ehre" trägt und jetzt bei Suhrkamp erschienen ist, mit einem Fall zu tun, der sowohl sie als auch die Leserinnen und Leser mit einem besonders subtilen Thema im Bereich der Verbrechen konfrontiert: es geht um Gewalt gegen Frauen. Zunächst wird eine 17-jährige vermisst. Doch als Oberkommissarin Fariza Nasri die Ermittlungen aufnimmt, ist diese bereits tot. Schon bald gibt es einen Hauptverdächtigen: den Lebensgefährten der Mutter. In dessen Umfeld stößt Nasri auf weitere entsetzliche Delikte und - weit schlimmer - auf Männer, die ihr gewaltsames Verhalten gegenüber Frauen und Mädchen nicht einmal als solches wahrnehmen. Es ist ein Abgrund aus Brutalität und alltäglichen Machtmissbrauchs, an dessen Rand die Kommissarin steht. Und als auch noch eine gute Freundin, die Frau eines Kollegen, verschwindet, droht Fariza Nasri in diese Tiefe zu stürzen.

Friedrich Ani erzählt in der ihm eigenen sezierenden, zugleich poetischen Sprache vom alltäglichen Grauen, das aus missverstandener, scheinbarer Macht und dem daraus konstruierten Gefälle entsteht. Das Entsetzen, das sowohl die Ermittlerin als auch die Leser und Leserinnen befällt, resultiert aus dem Blick auf die männlichen Täter. Wie ging es dem Autor während der Arbeit an diesem Roman? Ist er über diese männlichen Figuren nicht zeitweise in Verzweiflung geraten?

Mit seinem neuen Kriminalroman gelingt es Friedrich Ani, eine Geschichte zu erzählen, die sich festhakt, schmerzvoll und nachhaltig. Er hat ihr ein Zitat aus dem Korintherbrief vorangestellt, jenes große Wort, in dem Paulus bekennt, dass er - selbst wenn er alle Geheimnisse wüsste und Berge versetzen könnte - doch nichts wäre ohne die Liebe. Und so ist "Letzte Ehre" von Friedrich Ani trotz der Abgründe aus Gewalt und Abscheulichkeit ein Plädoyer für jenes große andere, dem Bösen gegenüberliegende und dieses doch immer wieder umkreisende Gefühl: für die Liebe.


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