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Neues vom Buchmarkt John Burnside: "Über Liebe und Magie"

Im dritten Teil seiner autobiographischen Romane erforscht der schottische Schriftsteller John Burnside die Liebe in all ihren Schattierungen. "Über Liebe und Magie" heißt das bei Penguin erschienene Buch, das Sabine Zaplin hier vorstellt.

Von: Sabine Zaplin

Stand: 08.01.2020

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Schon das Gesicht des schottischen Schriftstellers John Burnside erzählt eine Tragödie. Erzählt von zu viel Whisky, zu viel Traurigkeit und den zahlreichen Versuchen, andere am Näherkommen zu hindern. Erzählt von Schlägen und Dämonen. Geboren 1955 in einem Arbeitervorort von Edinburgh, als Sohn eines Alkoholikers, der ihn immer wieder brutal misshandelt, ist John Burnside bereits als Jugendlicher innerlich schon so vernarbt, dass sich Drogenkonsum und Psychiatrieaufenthalte immer wieder ablösen. Erst spät entdeckte er die Sprache und ihre vielen Kammern und begann, sich darin einzurichten - mächtig, mit Gespür für das, was ein Zuhause tatsächlich ausmacht. Burnside fasst all das in Poesie und Prosa, was er bisher preiszugeben verweigerte. Eine große Anzahl an Gedichten, Kurzgeschichten und Romanen ist seitdem erschienen, und fast alle kreisen um die Frage: was macht uns zu den Menschen, die wir sind?

"Mit neun liebte ich fast alles und dies nahezu bedingungslos. Das stille Drama des ersten Schnees im Jahr. Dampfendes Tauwasser in den Gossen und Gräben. Der Bogen eines gut geworfenen Balls über den Sommerhimmel. Der abwesende Blick in Judy Garlands Augen, wenn die langweilige Handlung pausierte und sie den Mund öffnete, um zu singen. Der Hostienklecks auf meiner Zunge und die Hänseleien der Highschool-Mädchen, wenn ich über die Stenhouse Street und durch den Wald bei Kirks Hof nach Hause ging. Vor allem aber liebte ich die älteren Schwestern meiner Schulfreunde."

Zitat John Burnside

"Über Liebe und Magie", lautet der Titel des jetzt auf Deutsch erschienenen Buches von John Burnside, aus dem Englischen übertragen von Bernhard Robben und herausgegeben von Penguin. "I put a spell on you" ist der Originaltitel. Ein Buch über das schwierigste Gefühl, das dieser von Schwierigkeiten um Gefühlsangelegenheiten so viel wissende Schriftsteller nun erzählerisch ausleuchtet: die Liebe. Burnside erzählt von der ersten Liebe, den vielen folgenden, von der eigenen Unfähigkeit, dieses Gefühl zuzulassen und gar einer Frau gegenüber zu gestehen. Wie schon in den vorangegangenen autobiographischen Büchern über die problematische Beziehung zu seinem Vater, so beginnt er auch hier mit der Kindheit und den Eindrücken, die seine so besondere Art zu fühlen, prägte. Alles, was später folgen sollte, ist hier schon angelegt: die Vergeblichkeit der Liebe zu einer älteren Cousine, die einen Matrosen heiraten wird; die Musik, die sich aus quäkenden Jukeboxes heraus einmischt und einen bleibenden Grundton liefert. Das ganze Buch ist musikalisch aufgebaut, spielt immer wieder auf Songs an und gliedert sich selber in Abschweifungen und eine abschließende Coda. Und bei all seiner Schonungslosigkeit, seinen traurigen Erkenntnissen ist es ein Buch, das verzaubert - so, wie es der Titel des Originals verspricht.

"Dann, an einem verregneten Samstagnachmittag, kurz nachdem Madeleine und Jackie geheiratet hatten, nahm meine Mutter mich mit, um die beiden in ihrer neuen Wohnung zu besuchen, und Madeleine spielte uns eine gerade gekaufte Platte vor. Es war 'I put a spell on you' von Nina Simone. (…) dieser magische, wenn auch ein wenig traurige Nachmittag blieb mir jahrelang im Kopf; Stränge im Webtuch meines Ichs, die dort reglos ruhten, jederzeit bereit, bei der leisesten Veränderung im Wetter oder in den Gezeiten wieder aufzuwachen."

Zitat aus Über Liebe und Magie

So viel Traurigkeit wurde selten so brillant in Sprache übersetzt: "Über Liebe und Magie" erschienen bei Penguin.


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