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Neues vom Buchmarkt "Das Lichtspielhaus" und "Der Turm der blauen Pferde"

Sabine Zaplin hat zwei Romane unter den Neuerscheinungen entdeckt, die sich mit der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen. Der eine ist ein Krimi, in dem es um Kunstraub geht und um Franz Marcs verschollenes Gemälde "Der Turm der blauen Pferde". Der andere erzählt von der großen Zeit des Stummfilms und dem Beginn der Tonfilmära in München. "Das Lichtspielhaus" heißt dieser Roman, geschrieben von Heidi Rehn.

Von: Sabine Zaplin

Stand: 10.07.2019

Illustration: Buch mit Wochentagen | Bild: colourbox.com; Montage: BR

"Das Lichtspielhaus" von Heidi Rehn

München im Herbst 1926. Noch sind die Zwanziger Jahre golden. Zwar lässt die politische Situation den Aufmerksamen keinen Zweifel mehr an bevorstehenden, beunruhigenden Umwälzungen. Aber die meisten genießen die explodierenden Angebote an Vergnügungen, die den noch nicht so lange zurückliegenden Krieg ein wenig vergessen lassen. Zu diesen Vergnügungen gehört das Kino. Neben Berlin hat sich München zur Filmstadt entwickelt. Vor den Toren der Stadt produziert die Emelka in Geiselgasteig die bewegten Geschichten, und mitten in München wachsen gigantische Filmpaläste. Einer von ihnen ist das Elvira, das Flaggschiff der Kinofamilie Donaubauer, deren Prinzipalin eine technikbegeisterte Frau ist: Zenzi Donaubauer, Mutter, Großmutter, im Herzen so schlicht geblieben wie ihre Herkunft.

"Voller Vorfreude eilte sie zum seitlichen Bühnenaufgang. Halb verborgen vom Vorhang hatte sie beste Sicht auf das Schauspiel im Saal. Die Beleuchtung an der mitternachtsblau gestrichenen Decke flammte auf. In gut dreizehn Metern Höhe wölbte die sich über den Zuschauerraum. Die winzigen Glühlampen leuchteten wie Sterne am nächtlichen Firmament."

Zitat aus Das Lichtspielhaus

"Das Lichtspielhaus" heißt der neue historische Roman der Münchner Autorin Heidi Rehn, jetzt bei Knaur als Taschenbuch in Originalausgabe erschienen. Mit der Familiensaga der Kinodynastie Donaubauer erzählt Heidi Rehn anschaulich vom allmählichen Eindringen des Nationalsozialismus und seines vernichtenden Weltbilds in den Alltag einer Stadt wie München. Denn während Zenzi und ihre Schwiegertochter Elsa sich erst durch die Umbruchszeit vom Stummfilm zum Tonfilm kämpfen müssen, während Elsa obendrein noch von ihrem Mann verlassen wird und sich und ihre Töchter als Unternehmerin eines Lichtspielbetriebs mit mehreren Spielstätten zu ernähren versucht, lässt sich ihr Schwager Heinrich aus enttäuschter Eitelkeit nur allzu bereitwillig mit den neuen Machthabern ein.

"'Ausgerechnet 'Menschen im Hotel'!', war Heinrich Elsa gegenüber derart aufgebraust, dass sie schon fürchtete, er wolle die Aufführung im letzten Moment noch absagen. 'Als gäbe es keine guten deutschen Produktionen. Denk nur an unsere Uraufführung von der 'verkauften Braut.' Das war ein Abend, wie wir ihn brauchen, um mit unseren Kinos nach außen die richtige Haltung zu zeigen. - 'Wie sieht die richtige Haltung auf Dauer für dich aus?' hakte Elsa nach, obwohl sie die Antwort bereits kannte."

Zitat aus Das Lichtspielhaus

Einen Bogen von den Mittzwanzigern bis in den Herbst 1939 schlägt Heidi Rehn in ihrem Roman "Das Lichtspielhaus", für den sie aufwändig recherchiert hat. Der Einfall, dass die - hier fiktiven - Filmpaläste von zwei Frauen geführt wurden, ist historisch belegt. Tatsächlich gab es im München der Zwanziger, Dreißiger Jahre einige Kinoprinzipalinnen wie beispielsweise Maria Zach in Haidhausen. Eine von ihnen, Lonny van Laak, wird Figurenpatin sein für eine Fortsetzung, die Heidi Rehn für das kommende Jahr plant. "Das Lichtspielhaus" ist bei Knaur erschienen.

"Der Turm der blauen Pferde" von Bernhard Jaumann

Ebenfalls auf historischen Tatsachen beruht der Krimi "Der Turm der blauen Pferde" von Bernhard Jaumann, in dem es um Franz Marcs legendäres Gemälde, um Naziraubkunst und einen hollywoodreifen Bilderdiebstahl in der Gegenwart geht. Mit dem ersten Fall des Kunstdetektivs von Schleewitz eröffnet Jaumann eine neue Krimireihe, die bei Galiani Berlin erscheint.


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